Ein Flur mit einem Schild

Landespsychiatrieplan für Baden-Württemberg Wohnortnahe Behandlung für psychisch Kranke

Immer mehr Menschen in Baden-Württemberg werden seelisch krank. Ein Ziel des neuen Landespsychiatrieplans ist es, sie wohnortnah behandeln zu können.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manfred Lucha (beide Grüne) haben den neuen Rahmenplan für die Versorgung psychisch kranker Menschen am Dienstag in Stuttgart vorgestellt. Darin festgehalten ist, dass der Trend weg von der Behandlung in psychiatrischen Kliniken hin zu Versorgungszentren am Wohnort geht, in denen es ambulante und tagesklinische Angebote geben soll.

Steigende Aufnahmezahlen in psychiatrischen Kliniken

Psychische Erkrankungen haben nach Angaben der Landesregierung auch in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Sie sorgen zwischenzeitlich für mehr Fehlzeiten bei der Arbeit als beispielsweise orthopädische Erkrankungen.

"Nicht nur psychiatrische Kliniken verzeichnen steigende Aufnahmezahlen, auch in Allgemeinkrankenhäusern steigt die Kombination von psychischen mit somatischen Erkrankungen", hielt Sozialminister Lucha fest. Das sei alarmierend und zeige, wie wichtig es sei, dass sich die Landesregierung und alle Akteure des Gesundheitswesens mit dem Thema auseinandersetzen und darauf aufmerksam machen, bekräftigte Ministerpräsident Kretschmann.

"Wir werden immer älter", so Lucha weiter. Mit dem Alter steige auch die Zahl der Beeinträchtigungen und Störungen. Man gehe davon aus, dass etwa jeder Dritte einmal in seinem Leben psychisch so schwer erkranke, dass er behandelt werden müsse.

Zwangseinweisungen in psychiatrischen Kliniken gebe es in Baden-Württemberg vergleichsweise selten.

Stigmatisierung überwinden - Hilfsangebote besser vernetzen

Nach wie vor sei es in der Gesellschaft so, dass sich Menschen, die psychisch erkrankt sind, häufig dafür schämten und nicht darüber sprechen. "Diese Stigmatisierung müssen wir überwinden und Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Teilhabe an allen Lebensbereichen ermöglichen“, appellierte Kretschmann.

Der Landespsychiatrieplan spricht sich für eine kluge Vernetzung der verschiedenen Hilfeangebote aus. "Um dies in allen 44 Stadt- und Landkreisen zu gestalten, haben wir die Gemeindepsychiatrischen Verbünde bereits 2014 im baden-württembergischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz verankert", sagte Lucha.

Das Bundesteilhabegesetz, das ab 2020 die Eingliederungshilfe neu regelt, brauche zur Umsetzung der "Leistungen wie aus einer Hand" ein gut funktionierendes Verbundsystem aller Träger psychiatrischer Einrichtungen unter Einbeziehung der Sozialverwaltungen der Landkreise.

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