Arztpraxis (Foto: picture-alliance / dpa,  Benjamin Ulmer)

Landarzt-Quote im Medizinstudium? CDU beißt bei den Grünen auf Granit

Die Einführung einer sogenannten Landartzquote für Medizinstudenten ist in Baden-Württemberg umstritten. Die CDU will sie, die Grünen haben Einwände.

Der CDU-Abgeordnete Stafen Teufel hat sich am Donnerstag in einer aktuellen Debatte im Landtag für die Einführung einer Landarztquote auch in Baden-Württemberg stark gemacht. Die Zahl der Studienplätze müsse zunächst um zehn Prozent auf 1.650 erhöht werden. Davon müssten dann zehn Prozent über die Quote an Studenten vergeben werden, die sich verpflichten, sich später in schlecht versorgten Regionen niederzulassen. Eine solche Regelung werde in Nordrhein-Westfalen bereits umgesetzt. Sie sei umso wichtiger, da 35 Prozent der Hausärzte über 60 Jahre alt seien.

500 Arztpraxen können Teufel zufolge in den kommenden Jahren nicht nachbesetzt werden. Nach Angaben von Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sind heute drei Ärzte notwendig, um die Arbeit von zwei ausscheidenden Medizinern zu übernehmen. Grund: Die Neueinsteiger wollten lieber in Teilzeit oder als Angestellte arbeiten.

Einige Gründe sprechen gegen eine Quote

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bewertete die Quote skeptisch wegen der frühen Festlegung der jungen Menschen auf eine spätere Spezialisierung. Im Notfall könnten sich Studenten aus gut betuchten Verhältnissen von den Sanktionen freikaufen, wenn sie ihre Verpflichtung nach dem Studium doch nicht erfüllen wollten. Ein Medizinstudium kostet mehr als 200.000 Euro. Bauer betonte, es gebe Ansatzpunkte für eine Verständigung zwischen CDU und Grünen.

"Menschen lassen sich dort nieder, wo ihre Liebe hinfällt."

Grünen-Abgeordnete Petra Krebs

Die SPD-Fraktion sieht die CDU in Konfrontation mit dem Koalitionspartner. Er habe ein "etwas giftiges Klima" in der Debatte wahrgenommen, sagte der Sozialpolitiker Rainer Hinderer. Er riet Ministerin Bauer, bei der Landarztquote hart zu bleiben. Auch die AfD sprach sich gegen eine Festlegung für die angehenden Ärzte aus zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch keinen Einblick in die verschiedenen Fachbereiche hätten. Auch aus FDP-Sicht ist die Quote ein eher ungeeignetes Instrument.

Kassenärztliche Vereinigung skeptisch

Die Kassenärztliche Vereinigung reihte sich in die Riege der Quotengegner ein. Sprecher Kai Sonntag sagte: "Wo es einen nachher hinverschlägt, weiß doch heute keiner." Spezialisierungen erfolgten erst am Ende eines mehr als zehnjährigen Studiums. Überdies sei eine Flut von Klagen gegen eine solche Regelung zu befürchten. Rechtliche Fragen stellten sich, zum Beispiel wie mit Teilzeitkräften und Frauen in Babypause umgegangen werde.

Bei aller Sorge um den sich abzeichnenden Ärztemangel gibt es Zeichen, dass der Hausarztberuf attraktiver wird: Nach Worten von Gesundheitsminister Lucha ist die Zahl der Facharztprüfungen in Allgemeinmedizin von 110 auf 180 pro Jahr gestiegen.

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