Eine Montage von einem jungen Lehrer in einem Klassenzimmer und den Logo von ELLA. (Foto: picture-alliance / dpa, Logo: Kultusministerium BW; Montage: SWR)

Kultusministerin Eisenmann will neue Ausschreibung Digitale Bildungsplattform "Ella" vorerst gescheitert

Die millionenschwere digitale Bildungsplattform "Ella" ist vorerst gescheitert. Das Projekt müsse neu ausgeschrieben werden, hat Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann verkündet. FDP und SPD erwägen einen Untersuchungsausschuss.

Das Kultusministerium will sich von der Firma trennen, die die Onlineplattform bisher entwickelt hat. Die sei mit dem Projekt überfordert, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstag im Bildungsausschuss. Eine neue Firma müsse gesucht und das Projekt dazu europaweit neu ausgeschrieben werden. Das dauere wohl mindestens neun Monate. Es gehe jetzt Gründlichkeit vor Schnelligkeit, weil die Bildungsplattform am Ende tatsächlich funktionieren müsse. Eisenmann sagte, das Vorgehen sei mit dem für Digitalisierung zuständigen Innenressort abgestimmt.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Vor sieben Monaten gestoppt

Bisher hat das Land für die Entwicklung von "Ella" schon 8,7 Millionen Euro ausgegeben. Es gab aber bereits in der Vergangenheit schon technische Probleme mit der digitalen Bildungsplattform. Der Start für 1,3 Millionen Schüler und Lehrer in Baden-Württemberg wurde vor sieben Monaten gestoppt. Bei der Diskussion im Bildungsausschuss gab es viel Kritik an den zuständigen Ministerien und an der Firma. Aber auch die Regierungsparteien Grüne und CDU waren von den Leistungen der Entwicklerfirma nicht überzeugt.

"Ella ist nicht tot", hatte Eisenmann (CDU) noch im August konstatiert. Ein landeseigenes, ein kommunales und ein externes Unternehmen waren mit der Entwicklung der Bildungsplattform ursprünglich beauftragt.

Stabsstelle zur Begleitung

Doch das ging schief. Dass "Ella" nicht funktionierte, will über Monate niemand bemerkt haben. Wie es so weit kommen konnte und wer welchen Anteil daran hat, ist noch nicht klar. Eisenmann sagte am Donnerstag, dass sie auch mit der Steuerung des Projekts durch die für die IT zuständige Landesbehörde BitBW nicht zufrieden sei. Sollte sich dies nicht ändern, werde das Kultusministerium das Projekt in Eigenregie mit externen Partnern umsetzen. Auf jeden Fall werde ihr Haus aber eine Stabsstelle einsetzen, die das Projekt begleite.

Die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser sagte, damit sei fraglich, ob es bis zur nächsten Landtagswahl 2021 überhaupt eine Bildungsplattform geben werde. Man verliere damit eine komplette digitale Generation, kritisierte SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei: "Das ist bitter für die Schulen." Zudem gebe es einen finanziellen Schaden von mindestens 6,5 Millionen Euro. Dieser Betrag ist bislang an den externen Dienstleister geflossen. Ob das Land ihn zurückbekommen und Schadenersatzansprüche abwehren kann, ist noch offen.

Untersuchungsausschuss durch FDP und SPD?

Fulst-Blei sprach von einer "Bankrotterklärung" der grün-schwarzen Landesregierung. Sie habe ihr einziges digitales Leuchtturmprojekt versenkt und sei dafür selbst verantwortlich. "De facto geschah die komplette Projektumsetzung von Anfang bis zum heutigen bitteren Ende unter der Führung Eisenmanns", meinte Fulst-Blei. "Mit im Boot saß nur noch der bis zuletzt völlig desinteressierte Digitalisierungsminister Strobl", sagte er.

FDP-Bildungsexperte Timm Kern hält eine mangelnde Projektsteuerung durch die Landesregierung für mitursächlich für die Probleme. Auch hätten die Ministerien und BitBW keinen Wert auf Belastungstests der Plattform gelegt. Seine Fraktion erwägt einen Untersuchungsausschuss. Die SPD-Fraktion überlege, ob sie diesen mittragen wird.

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