Kommentar zur gescheiterten Bildungsplattform Setzen, sechs!

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Eine geplante Bildungsplattform soll Schulen mit ihren Schülern vernetzen. Doch "Ella" ist aufgrund technischer Probleme vorläufig gescheitert. Ein schlechtes Zeugnis für die verantwortlichen Minister, meint Edda Markeli aus der SWR Redaktion Landespolitik.

Liebe Landesregierung, für dieses Desaster gibt es nur eine Note: ungenügend. In der Schule sagt man dazu: Setzen, sechs! Damit sind Sie im Fach Digitalisierung durchgefallen.

Edda Markeli (Foto: SWR)
Edda Markeli, SWR-Redaktion Landespolitik

Strobl und Eisenmann vorläufig gescheitert

Dabei wollten Sie doch gerade damit glänzen - mit Ihrem Leuchtturmprojekt "Ella". Der freundlich klingende  Frauenname ist die Abkürzung für Elektronische Lehr- und Lern-Assistenz. Das Prestigeprojekt soll 5.000 Schulen mit ihren Schülerinnen und Schüler vernetzen und den Startschuss geben für das digitale Zeitalter an den Schulen im Land. Stattdessen haben Sie einen beispiellosen Fehlstart hingelegt. Das geben ja sogar Sie zu, Herr Digitalisierungsminister Strobl. Zusammen mit Ihrer CDU-Kollegin aus dem Kultusministerium, Susanne Eisenmann, sind Sie für das Projekt verantwortlich - und vorläufig gescheitert. Fast neun Millionen Euro haben Sie in den Sand gesetzt. Steuergelder, wohlgemerkt! 

Kann Strobl mit Geld umgehen?

Angesichts einer Milliarde Euro, die Sie in dieser Legislaturperiode für Digitalisierung ausgeben wollen, ist das natürlich nur ein kleiner Betrag. Dennoch stellt sich die Frage der Verantwortung. Wer wie Sie, Herr Strobl, keine Gelegenheit auslässt, sich allein schon diese Summe als Erfolg auf die Fahnen zu schreiben, lässt Zweifel aufkommen, ob er mit so viel Geld überhaupt umgehen kann. Offensichtlich stimmen die Strukturen in Ihrem Ministerium nicht, die dafür sorgen sollen, dass die vielen Millionen sinnvoll und effizient eingesetzt werden.

Das Scheitern von "Ella" lag vor allem an technischen Problemen. Und dafür ist Ihr Ministerium, Herr Strobl, zuständig. Wie kann es sein, das die Mängel von "Ella" erst durch ein Gutachten ans Tageslicht kamen, das auf Initiative Ihrer Kollegin aus dem Kultusministerium in Auftrag gegeben wurde? Aber auch Sie, Frau Eisenmann, müssen sich fragen lassen, warum Sie erst drei Tage vor dem Start des Pilotprojekts von den Problemen erfahren haben. Sie haben zwar entschlossen reagiert, aber zu spät.

Verheerendes Zeugnis

Jetzt herrscht Chaos. Und das kann sich Baden-Württemberg nicht leisten. Denn wenn das Land der Tüftler und Techniker den Weg ins Zeitalter der Digitalisierung nicht schafft, dann fällt das Zeugnis insgesamt verheerend aus. Wer in diesem Fach durchfällt, wird auch in anderen Disziplinen nicht glänzen können. Da hilft es auch nicht weiter, wenn Sie, Herr Ministerpräsident, die Fehler verharmlosen. 

Denn auch Sie, Herr Kretschmann, wissen es als ehemaliger Lehrer nur zu gut: Eine einzige Sechs kann ein ganzes Zeugnis vermasseln.

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