Baden-Württemberg, Weingarten: Thomas Strobl, Landesvorsitzender der CDU und Innenminister in Baden-Württemberg, spricht beim Landesparteitag der baden-württembergischen CDU (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Debatte um CDU-Spitzenkandidatur Kommentar: "Hut ab, Thomas Strobl!"

Der baden-württembergische CDU-Chef Thomas Strobl verzichtet auf die Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl. Damit zeigt er Führungsqualitäten, kommentiert Anno Knüttgen aus der SWR-Redaktion Landespolitik.

Die Entscheidung ist dem Landesvorsitzenden der CDU bestimmt nicht leicht gefallen. Als Anführer der CDU hätte er selbstverständlich den Anspruch anmelden können, seine Partei in den nächsten Wahlkampf zu führen. Und ja, Strobl hätte es gerne gemacht, er hat mit sich gerungen.

Parteistimmen: Strobl zu eigensinnig

Das hat bei einigen in der Partei schon für Panik gesorgt. Strobl sei viel zu eigensinnig, dickköpfig, er höre nicht auf Ratschläge, wurde da geraunt. Das Verhältnis zur CDU-Landtagsfraktion ist bescheiden. Und Strobl sei auch nicht die – mit Verlaub – Rampensau, die einen Wahlkampf rockt.

Anno Knüttgen aus der SWR Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg (Foto: SWR)
Anno Knüttgen aus der SWR Redaktion Landespolitik Baden-Württemberg

Strobl ist heftige Kritik gewohnt. Was hat er in den vergangenen Jahren nicht alles einstecken müssen – und weggesteckt. Der Mann hat Nehmerqualitäten. Und, was manche in der CDU gerne verdrängen, Strobl hat auch Führungsqualitäten. Er war es, der nach der Landtagswahl 2016 einer chaotischen CDU wieder eine Richtung gab – und sie in die Landesregierung führte.

Strobl tritt zur Seite

Und jetzt zeigt Strobl Führungsqualitäten, indem er eben nicht zur Spitzenkandidatur drängt, sondern zur Seite tritt und Kultusministerin Susanne Eisenmann den Vortritt lässt - selbst wenn er dazu im Vorfeld etwas Zuspruch gebraucht haben sollte.

Mit Zweikämpfen um die Spitzenkandidatur hat die CDU schlechte Erfahrungen gemacht, auch Strobl selbst hat schon einen verloren. Noch so ein Duell hätte die Partei womöglich zerrissen. Genau davor hat Strobl jetzt die Landes-CDU bewahrt.

Er nimmt sich zurück und stellt sich ganz in den Dienst der Partei. Auch die "Parteifreunde", die sonst so gerne auf ihren Frontmann Strobl einprügeln, müssten das eigentlich anerkennen.

Hut ab, Thomas Strobl!

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