Mercedes-Stern auf dem Daimler-Turm in Stuttgart. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Kommentar zu erneuter Gewinnwarnung Den Preis für die Daimler-Verluste müssen viele zahlen

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Auch vor zehn Jahren war Daimler in der Krise. Ola Källenius müsse jetzt schnell beweisen, dass er den Großkonzern führen kann, kommentiert Sabrina Fritz, SWR Aktuelle Wirtschaft.

Die Parallele ist fast ein bisschen beängstigend. Daimler 2009 – vor zehn Jahren also: eine Milliarde Verlust, Dividendenkürzung, Sparprogramm. Dann zehn Jahre Aufschwung – und jetzt? Der Verlust von 1,6 Milliarden Euro überrascht. Dass der Konzern Schwierigkeiten hat, ja – aber so große?

Damals, nach der Finanzkrise, ging es schnell wieder bergauf. China dürstete nach Luxuslimousinen und die Konkurrenz hieß Audi oder BMW. Heute geht die Nachfrage nach Autos zurück, China hat eine Quote für Elektroautos eingeführt, die Konkurrenz heißt Tesla oder Great Wall und viele junge Menschen wollen gar kein Auto mehr. Und, damals galt der Diesel noch als saubere, günstige Antriebstechnik.

Krise in der Autobranche mit Ansage

Heute kann niemand sagen, was die Dieselautos den Konzern noch kosten werden. Während VW, Audi und Porsche ihre Bußgeldbescheide schon auf dem Tisch haben, wartet Daimler noch darauf. Es ist also richtig, dass die Führung dafür Geld zurücklegt. Die Krise in der Autoindustrie kommt mit Ansage. Seit Jahren mehren sich die Anzeichen, dass auch diese Branche vor dem Umbruch steht. Gute Manager, so heißt es, zeigen sich in der Krise.

Ola Källenius muss jetzt schnell beweisen, dass er den Großkonzern durch stürmische Zeiten führen kann. Dieter Zetsche hatte übrigens damals vor zehn Jahren das Konzept Blue Zero vorgestellt, ein emissionsfreies Auto. Man hatte den richtigen Riecher, aber ist ihm leider nicht gefolgt. Den Preis dafür werden nun alle zahlen müssen: Mitarbeiter, Aktionäre und Zulieferer – und am Ende der ganze Wirtschaftsstandort Deutschland, der es sich zu lange in seinen großen Autos bequem gemacht hat.

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