Collage: Daimler-Zentrale in Stuttgart und Stern (Foto: Imago, Montage: SWR)

Kommentar zum Betrugsverdacht gegen Daimler Macht endlich reinen Tisch!

Daimlers weiße Weste hat weitere Flecken bekommen. Es wird Zeit, dass die Branche endlich offen mit den Betrugsvorwürfen umgeht, kommentiert Lutz Heyser aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.

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Noch ist es nur ein Anfangsverdacht. Das Kraftfahrtbundesamt KBA hat eine - aus Sicht seiner Experten zumindest auffällige - Softwarefunktion bei rund 60.000 Diesel-Sportgeländewagen entdeckt und will vom Stuttgarter Autobauer Daimler wissen, was es damit auf sich hat. Dazu wurde Anfang April ein offizielles Anhörungsverfahren eingeleitet. Daimler hat nun noch bis Ende des Monats Zeit, darauf zu antworten und seine Sicht der Dinge darzustellen.

Daimler-Mitarbeiter weisen in jedem Gespräch fast mantra-artig darauf hin: Es gilt die Unschuldsvermutung für den Stuttgarter Autobauer. "Wir haben beim Thema Diesel nicht betrogen und werden es nicht tun." Diese Aussage von (Noch-)Daimler-Boss Dieter Zetsche aus dem Jahr 2015 hat aus Sicht des Konzerns auch weiterhin Bestand.

Schlechter Zeitpunkt für Daimler

Allerdings: Daimlers weiße Weste hat weitere Flecken bekommen. Oder anders: An der angeblich so blütenweißen Weste des Autobauers gibt es doch immer mehr Zweifel. Über eine Million Mercedes-Diesel-Autos wurden allein in Deutschland mittlerweile in die Werkstätten zurückgerufen. Teils zwangsweise, teils als "freiwillige Service-Maßnahme", wie es der Autobauer nennt. Es gibt Ermittlungen, Anordnungen und Verfahren, Widersprüche. Das ist schlecht für den Autobauer, für seine Kunden und auch für seine Mitarbeiter.

Und es trifft den Konzern: Im Mai wechselt bei Daimler der Chef - zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Was also tun? Daimler scheint jedenfalls zum juristischen Weiterkämpfen entschlossen und ist damit auf absehbare Zeit auch beschäftigt. Das ist keine gute Nachricht in Zeiten, in denen die deutsche Automobilindustrie, und allen voran Daimler, eine Riesen-Transformation zu bewältigen hat.

Ein Wunsch an die Automobilbranche

Noch ist es zu früh, ein Urteil über Daimler zu sprechen. Vollkommen klar! Aber einen Wunsch hätte ich als Autofahrer dann doch an die Branche und die Autobauer: Macht endlich reinen Tisch! Seid offen, ehrlich und transparent. Damit wir Euch endlich wieder vertrauen können.

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