Hebamme und Arzt bei Untersuchung von Schwangeren (Foto: picture-alliance / dpa)

Kliniken in Baden-Württemberg Hebammen verzweifelt gesucht

Kliniken in Baden-Württemberg haben immer größere Schwierigkeiten, offene Stellen für Hebammen in der Geburtshilfe zu besetzen. Und auch Frauenärzte fehlen.

Das geht aus einer Analyse hervor, die das Sozialministerium in Auftrag gegeben hat. Demnach berichten mehr als die Hälfte der Kliniken mit stationärer Geburtshilfe von großen Schwierigkeiten, Geburtshelferinnen zu finden.

Auch Gynäkologen fehlen

Außerdem konnte jede dritte Klinik offene Stellen für Gynäkologen nicht besetzen. 2017 seien zudem mehr als zwei Drittel der niedergelassenen Frauenärzte 50 Jahre alt oder älter gewesen - "was bedeutet, dass spätestens bis zum Jahr 2030 zwei Drittel der Frauenarztpraxen nachbesetzt werden müssen", schreibt das Sozialministerium.

Bedenklich auch: Je vier von zehn befragten angestellten Hebammen geben an, mindestens einmal im Monat vier oder mehr Geburten gleichzeitig betreuen zu müssen. Die Geburtshelferinnen im Land bleiben lediglich zwischen vier und sieben Jahren im Beruf, heißt es weiter.

Probleme bei der Hebammensuche

Die Studie bestätigt außerdem den Hebammenmangel auch bei der Betreuung Schwangerer und frischgebackener Mütter. "Der Großteil der freiberuflich tätigen Hebammen berichtete von mehr Anfragen nach Hebammenleistungen, als diese annehmen können", sagte Staatssekretärin Bärbl Mielich (Grüne). Von gut 1.830 befragten Müttern berichteten bis zu 45 Prozent von Problemen bei der Hebammensuche. 17 Prozent bekamen nur schwer einen Termin bei einem Gynäkologen für die Versorgung vor oder nach der Geburt, schreiben die vom Ministerium beauftragten Experten des Heidelberger Instituts für Public Health.

Mielich erhofft sich nun, dass zumindest über den Ausbau von Ausbildungsplätzen der Mangel an Hebammen abgemildert werden kann. So soll die Zahl von derzeit 480 Ausbildungsplätzen an den zehn Hebammenschulen des Landes auf insgesamt 626 im kommenden Jahr steigen. Seit Januar vergangenen Jahres beschäftigt sich ein Runder Tisch Geburtshilfe mit der Situation in Baden-Württemberg. Er will Empfehlungen für eine bessere Versorgung rund um die Geburt erarbeiten und hatte zuletzt am Mittwoch getagt.

In den Kliniken des Landes arbeiteten Ende 2016 nach Angaben aus dem Statistischen Landesamt rund 1.430 festangestellte Hebammen - davon die meisten in Teilzeit. Zahlen zu freiberuflich arbeitenden Hebammen gibt es demnach nicht.

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