Schatten von Vater mit Kindern auf dem Arm. Kinderarbeit (Foto: dpa Bildfunk)

Kleine Werbestars Kinder als Influencer: Vergnügen oder Kinderarbeit?

Sie machen im Netz Werbung für Spielzeug oder Zahnpasta – Kinder im Grundschulalter. Ihre Eltern verdienen gutes Geld damit. Aber wer kümmert sich eigentlich um den Schutz der Kinder? 

"Guten Morgen, Miley!" – Die kleine Miley blinzelt schläfrig in die Kamera. Im Bad hält das Mädchen eine Zahnpasta und eine elektrische Zahnbürste in die Kamera ihrer Mutter.

Über eine Million Aufrufe hat das Video bislang. Mileys Eltern verdienen mit den "Youtube"-Videos so viel, dass sie ihre Jobs aufgegeben haben. Aber wer vertritt eigentlich die Rechte der kleinen Miley und all der anderen Kinder-Influencer im Netz? Das ist nicht einfach zu klären.

Die Gewerbeaufsicht ist zuständig, wenn Kinder eine Arbeit ausüben - zum Beispiel, wenn sie im Fernsehen oder im Theater auftreten. Bei Web-Angeboten sei das allerdings schwierig zu beurteilen, sagt Michael von Koch von der Gewerbeaufsicht Stuttgart: "Ich kann nicht irgendeinem 'Youtube'-Auftritt unterstellen, dass ein Beschäftigungsverhältnis vorliegt. Und damit endet für mich auch schon die Aufsichtspflicht."

Um gegebenenfalls einschreiten zu können, brauche er immer ein Beschäftigungsverhältnis. "Und das Zweite ist: Ich brauche immer eine Zuständigkeitsprüfung, und die ist beim Internet nicht möglich. Das Internet ist global, und wir sind nur für die Stadt Stuttgart zuständig."

"Keine Kaufappelle an Kinder"

Internetangebote fallen aber ins Aufgabengebiet der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK). Deren Präsident Wolfgang Kreißig erklärt: "Wir sind dafür da, Jugendmedienschutz durchzusetzen – allerdings auf der Seite der Nutzerinnen und Nutzer, die keine ungeeigneten Inhalte gezeigt bekommen sollen."

Es sei ganz klar verboten, Kaufappelle an Kinder zu richten. "Wenn in einem solchen Kinder-Influencer-Video solche Kaufappelle geschehen, dann könnten wir eingreifen, das beanstanden, auch untersagen. Wir als Behörde reagieren auch auf Beschwerden – wenn andere darauf aufmerksam machen, dass möglicherweise etwas nicht in Ordnung ist." Als Kaufappell gilt, wenn Kinder zum Kauf eines bestimmten Produkts aufgefordert werden, zum Beispiel ein Satz wie "Hol Dir jetzt dieses Puppenhaus!"

Dabei geht es allerdings um die jungen Fans, nicht um die Kinder vor der Kamera. Gibt es also eine Gesetzeslücke? Michael von Koch ist da vorsichtig: "In erster Linie sehe ich die Eltern in der Verantwortung. Es wäre gut, wenn wir es in der Gesellschaft hinbekommen, dass die Eltern bessere Aufklärung bekommen – was das Medium Internet bedeutet, oder was es bedeutet, die Kinder ins Internet zu stellen. Dann brauchen wir nicht ein weiteres Gesetz. Es muss doch auch mal etwas über die Vernunft gehen."

Projekte sollen Eltern sensibilisieren

Die LFK versucht, Aufklärung zu betreiben, sagt Kreißig: "Wir haben vielfältige Projekte im Bereich Medienkompetenz. Wir versuchen natürlich, mit den Projekten auch Eltern zu erreichen und sie zu sensibilisieren – dass sie sich erstmal überlegen, bevor sie ihre Kinder vor die Kameras mitnehmen, was das für eine Wirkung haben kann."

Sozialministerium: Kinder vor Vermarktung schützen

Es sei wichtig, Kinder und Jugendliche vor Missbrauch durch "Vermarktung" seitens der Eltern zu schützen, sagte das Sozialministerium dem SWR. "Eingriffsmöglichkeiten unter dem Aspekt der Kindeswohlgefährdung bestehen jedoch nur in ganz besonderen Ausnahmefällen." Die Eltern seien es, die in der Verantwortung stehen, die Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre ihrer Kinder zu schützen.

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau ist fachlich für das Jugendarbeitsschutzgesetz zuständig. "Es ist äußerst schwierig für die Behörden, die Einhaltung der Schutzvorschriften bei Kinder-Influencern aktiv zu überwachen," so das Ministerium.

Mileys Eltern haben übrigens laut eigener Aussage für ihren Kanal eine Genehmigung vom Gewerbeaufsichtsamt.

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