Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag S21: Bundesregierung soll sich mit Deutschlandtakt befassen

Die Grünen wollen wissen, wie viele Großstädte von Stuttgart aus in Zukunft möglicherweise nicht im 30-Minuten-Takt angefahren werden können. Dabei geht es um die Leistungsfähigkeit des künftigen Stuttgarter Tiefbahnhofs.

Jetzt muss sich auch die Bundesregierung damit befassen, wie der Deutschlandtakt für die Bahn in Baden-Württemberg umgesetzt werden kann. Abgeordnete der Bundestagsfraktion der Grünen wollen in einer Kleinen Anfrage wissen, wie viele Großstädte von Stuttgart aus nicht im 30-Minuten-Takt angefahren werden können. Außerdem fragen sie, bei welchen Umsteige-Relationen längere Wartezeiten entstehen, was mit dem Konzept eines integrierten Taktfahrplans nicht vereinbar wäre. Die Anfrage ging vor wenigen Tagen an die Bundesregierung.

Das Fahrplankonzept Deutschlandtakt der Deutschen Bahn (DB) sieht eigentlich vor, dass künftig im Fernverkehr zwischen den Großstädten alle 30 Minuten ein Zug fährt und es nur noch kurze Umsteigezeiten gibt. Der Zielfahrplan Baden-Württemberg (Stand Mai 2019), zeigt jedoch, dass der neue Bahnknoten Stuttgart einen integrierten Taktverkehr nach Schweizer Vorbild nicht zulässt.

Geteilte Meinungen über Leistungsfähigkeit

Die Berichte des SWR über die Umsetzung des Deutschlandtakts haben mittlerweile etliche Reaktionen ausgelöst. Während Thorsten Krenz, der Konzernbevollmächtigte der DB für Baden-Württemberg, dem SWR "einseitige, hochselektive und teils schlicht falsche Behauptungen" vorwirft, hat Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den Engpass im neuen Stuttgarter Bahnknoten bestätigt. Er fordert deshalb einen "Kopfbahnhof light". In einem Schreiben forderte Hermann Krenz zu weiteren zeitnahen Gesprächen zum Bahnknoten Stuttgart auf.

Teile der Baugruben des Hauptbahnhofes in Stuttgart mit den Ausschachtungen vor Arnulf Klett und Königsstrasse (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance)
Teile der Baugruben des Stuttgarter Hauptbahnhofes mit den Ausschachtungen vor der Königsstrasse für die küftig unterirdischen Teile der Gleisanlagen (Archiv). picture alliance

Auch Bahn sieht "Optimierungsbedarf"

Auch die Bahn gibt zu, dass es noch "Optimierungsbedarf" gibt. Es sei "das Ziel der momentan noch laufenden bundesweiten Untersuchungen, Optimierungsbedarf zu identifizieren", heißt es in einem Brief von Thorsten Krenz an die baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten, der dem SWR vorliegt. In dem Schreiben heißt es weiter: "Dafür kommen neben weiteren Fahrplanoptimierungen insbesondere auch Infrastrukturmaßnahmen in Betracht." Die Optimierungen mündeten dann in den Anfang 2020 vorgesehenen finalen Gutachterentwurf.

Wie schwierig die Lage in Stuttgart ist, zeigt ein Vergleich mit Hannover. In der niedersächsischen Landeshauptstadt sollen bis 2029 zwei weitere Gleise gebaut werden. Zusätzlich hat das Bundesverkehrsministerium den Bau zweier weiterer Gleise (15 und 16) 2018 in die höchste Ausbaupriorität eingestuft. In Stuttgart sollen dagegen die 16 Gleise im Kopfbahnhof aufgegeben und durch acht Durchgangsgleise im neuen Tiefbahnhof ersetzt werden.

Probleme beim Umsteigen erwartet

Der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne) geht davon aus, dass der künftige Stuttgarter Tiefbahnhof mit seinen acht Gleisen und den entsprechenden Zulaufgleisen für den Deutschlandtakt nicht ausreicht. Der bahnpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag will in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung deshalb wissen, wie lange die Umsteigezeiten bestimmter Relationen im künftigen Stuttgarter Tiefbahnhof sind. Unter anderem wollen die Grünen erfahren, ob "bei der Fahrt von Würzburg nach Zürich nach dem zweiten Entwurf des Zielfahrplans 2030 in Stuttgart eine Wartezeit von 58 Minuten entsteht", wie es der SWR berichtet hatte. Außerdem fragt die Fraktion, "welche Ergänzungen zu Stuttgart 21" die Bundesregierung für erforderlich hält, "um die Kapazität des Bahnknotens über dem im Finanzierungsvertrag definierten Umfang hinaus zu erhöhen".

Auch Christoph Engelhardt vom Faktencheck-Portal "Wikireal.org" bestätigt die Untauglichkeit des Stuttgarter Bahnknotens für den geplanten Deutschlandtakt. In einem Schreiben an den SWR zählt Engelhardt weitere Schwachpunkte bei den Fahrmöglichkeiten ab Stuttgart auf. "Nach Heidelberg geht es mit dem 47 Minuten schnellen IC lediglich alle zwei Stunden, da hilft einem der stündliche Regionalzug mit der Fahrzeit von 1 Stunde 54 Minuten nicht weiter." Auch direkt nach Nürnberg, Straßburg und Ludwigshafen gehe es nur alle zwei Stunden. Nach Zürich, Würzburg, Freudenstadt, Sigmaringen, Tuttlingen, Villingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) und Singen (Kreis Konstanz) nur jede Stunde.

STAND