Die Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz bei der ersten Regionalkonferenz in Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Kandidaturen um Bundesparteivorsitz Großer Andrang bei SPD-Regionalkonferenz in Filderstadt

Mit teils kämpferischen Reden haben sich die Kandidaten für den SPD-Vorsitz am Samstag in Filderstadt erstmals bei der Parteibasis in Baden-Württemberg vorgestellt.

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Nach dem Rücktritt von SPD-Chefin Andrea Nahles im Juni fand am Samstag die erste der beiden baden-württembergischen SPD-Regionalkonferenzen statt, bei der sich die Kandidaten für den Parteivorsitz vorstellten. Die Bewerber forderten in Filderstadt (Kreis Esslingen) mehr soziale Gerechtigkeit und eine höhere Glaubwürdigkeit sowie Geschlossenheit der eigenen Partei. Mit Blick auf die Landtagswahl 2021 sei es wichtig für die SPD hier, dass die Partei auch im Bund wieder auf die Füße komme, sagte SPD-Landeschef Andreas Stoch.

Zwei Kandidaten fehlten

13 Kandidatinnen und Kandidaten stellten sich vor. Zwei fehlten: Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping und Einzelbewerber Karl-Heinz Brunner ließen sich entschuldigen.

Aus Baden-Württemberg hat sich die Ulmer Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis zusammen mit Verdi-Chefökonom Dierk Hirschel für den SPD-Vorsitz beworben sowie die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken (Wahlkreis Calw/Freudenstadt) gemeinsam mit Norbert Walter-Borjans aus Nordrhein-Westfalen.

Esken: "Die GroKo hat keine Zukunft"

Sowohl Mattheis als auch Esken lehnen ein Weiterführen der Großen Koalition ab - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Esken stellte in ihrer Rede die Verteilungsfrage: "Alle elf Minuten werden in Deutschland acht Millionen Euro vererbt oder verschenkt", mahnte sie an. Das seien 400 Milliarden Euro pro Jahr. "Die Verteilungsfrage, sagt die Union, die stellt sich gar nicht. Aber wir sagen: Die GroKo baut keine Zukunft, die GroKo hat keine Zukunft – eben aus diesem Grund."

Mattheis forderte, dass die SPD aus alten Fehlern lernen müsse: "Weg mit Hartz 4, Rente über 50 Prozent. Wir wollen, dass in diesem Land niemand in Armut leben muss, und wir wollen, dass Bildung, Ausbildung und Arbeit wieder etwas ist, worum man selbstverständlich kämpft, wofür man aber auch selbstverständlich etwas bekommt."

Viel Applaus für Kampmann und Roth

Ex-NRW-Familienministerin Christina Kampmann sagte, die schwarze Null sei kein Selbstzweck - es brauche Investitionen etwa gegen die Wohnungsnot und für den Klimaschutz. Kampmann tritt mit Europa-Staatsminister Michael Roth an - das Duo bekam viel Applaus.

Die SPD müsse um den Sozialstaat kämpfen, forderte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Die Unsicherheit unter den Bürgern nehme zu. Scholz warnte vor politischen Zickzackkursen in der SPD: "Das führt dazu, dass wir nicht verstanden werden."

1.000 Interessierte bei der SPD-Regionalkonferenz in Filderstadt (Foto: dpa Bildfunk, Marijan Murat)
1.000 Interessierte konnten in der Halle zuhören, noch viel mehr hätten gerne teilgenommen. Marijan Murat

Großes Interesse der Basis

Weil das Interesse an der Vorstellung der Bewerber und Bewerberinnen so groß war, ließ der Landesverband kurzfristig auch das Foyer der Halle in Filderstadt öffnen. 1.000 Zuhörer konnten teilnehmen, etliche weitere Interessierte musste die SPD abweisen. SPD-Landesvorsitzender Andreas Stoch freute sich über den großen Zuspruch: "Das zeigt, dass die SPD noch lebt", sagte er dem SWR.

Bundesweit präsentieren sich die Bewerber um den SPD-Parteivorsitz bis Mitte Oktober auf 23 Regionalkonferenzen - in Baden-Württemberg nächste Woche bei der zehnten noch ein zweites Mal in Ettlingen (Kreis Karlsruhe). Anschließend können die SPD-Mitglieder dann die neue Führung wählen.

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