Weltfrauentag in Baden-Württemberg Landesfrauenrat: "Überall ist Nachholbedarf bei der Gleichstellung"

Der Weltfrauentag ist nicht unbedingt zum Feiern, sondern zum Weiterkämpfen, findet der Landesfrauenrat BW. "In keinem anderen Bundesland ist der Gender Gap so groß", sagt deren Vorsitzende.

Gesprühte Botschaft zum Weltfrauentag (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
"In keinem anderen Bundesland ist der Gender Gap so groß wie hier", sagt die Vorsitzende des Landesfrauenrates BW, Charlotte Schneidewind-Hartnagel. Picture Alliance

SWR Aktuell: Es gibt inzwischen mehr Baden-Württembergerinnen als Baden- Württemberger. Wie schätzen Sie die Lebenssituation von Frauen im Land allgemein ein?

Charlotte Schneidewind-Hartnagel: Die meisten Frauen leben gut in Baden-Württemberg, aber von faktischer Gleichstellung sind sie noch weit entfernt. In keinem anderen Bundesland ist der Gender Gap (Geschlechterlücke) in allen Bereichen so groß wie hier. Immer noch verdienen Frauen für gleiche und gleichwertige Arbeit weniger als Männer, arbeiten Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen und in Teilzeit, finden wir Frauen weniger in Führungspositionen und ist Altersarmut weiblich.
In Landes- und Kommunalparlamenten liegt der Frauenanteil im Vergleich mit allen anderen Bundesländern an letzter Stelle und von geschlechtergerechter Teilhabe, nämlich 50 Prozent und damit Parität, sind wir in Baden-Württemberg weit entfernt.

SWR Aktuell: Was hat sich auf Landesebene verbessert?

Schneidewind-Hartnagel: Verbessert hat sich sicher die Kinderbetreuung, für die mit einem massiven Ausbau unter der grün-roten Landesregierung begonnen wurde. Das ist eine der Grundlagen für die Vereinbarkeit von Kindern und Berufstätigkeit. Durch die Novellierung des Chancengleichheitsgesetzes sind Kommunen über 50.000 Einwohner/innen verpflichtet, eine Chancengleichheitsbeauftragte einzusetzen. Im Kommunalwahlgesetz gibt es seit 2014 eine Soll-Regelung zur paritätischen Aufstellung der Kommunalwahllisten. Das Bildungszeitgesetz ermöglicht Arbeitnehmer/innen Fortbildungen ihrer Wahl. Und das Land hat eine Antidiskriminierungsstelle eingerichtet, die allen Bürger/innen zur Verfügung steht.

Charlotte Schneidewind-Hartnagel, Vorsitzende des Landesfrauenrates Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Charlotte Schneidewind-Hartnagel, Vorsitzende des Landesfrauenrates Baden-Württemberg Picture Alliance

SWR Aktuell: Wo gibt es nach wie vor Nachholbedarf?

Schneidewind-Hartnagel: Mir fällt überhaupt kein Bereich ein, in dem es in Baden-Württemberg für Frauen keinen Nachholbedarf in der faktischen Gleichstellung geben würde.

SWR Aktuell: Was muss sich auf gesellschaftlicher Ebene ändern oder wo zumindest ein Umdenken erfolgen?

Schneidewind-Hartnagel: Es muss in allen Köpfen ankommen, dass die Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit und geschlechtergerechter Teilhabe kein Frauen-, sondern auch ein Männerthema ist und die Umsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Bereichen nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch die Voraussetzung und der Motor für nachhaltige Entwicklung und die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft ist.

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