Insolvenz von Windreich Prozess gegen schwäbischen "Windrad-König" hat begonnen

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In Stuttgart hat die gerichtliche Aufarbeitung der Windreich-Insolvenz begonnen. Das Unternehmen um Gründer Willi Balz galt lange als Branchenpionier. Es folgte ein tiefer Fall.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Vor dem Stuttgarter Landgericht hat am Mittwoch die Aufarbeitung der Insolvenz des einstigen Windpark-Projektentwicklers Windreich begonnen. Den acht Angeklagten, darunter Unternehmensgründer Willi Balz, werden unterschiedliche Straftaten im Zusammenhang mit der Insolvenz der Firmengruppe vorgeworfen. Unter den Angeklagten ist auch der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP).

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Pionier der erneuerbaren Energien

Mehr als drei Stunden benötigten die Staatsanwaltschaft um die Anklage im Fall Windreich zu verlesen. Insgesamt geht es um 26 Tatvorwürfe. Hauptangeklagter ist Willi Balz, Unternehmensgründer und einst als "schwäbischer Windrad-könig" bekannt.

Anfang des neuen Jahrtausends klang der Plan genial: Willi Balz, Unternehmer aus Wolfschlugen (Kreis Esslingen), sicherte sich als einer der ersten schrittweise die Rechte für die Errichtung von Windparks in der Nordsee. Dabei wurde er Schritt für Schritt zum ernsthaften Gegenspieler der größten deutschen Energiekonzerne. Dem schwäbischen Unternehmer gelang es, sich über die Jahre hinweg bis zu 35 Prozent der damals ausgewiesenen Flächen für Windparks in der Nordsee zu sichern. Damit stieg er zur Nummer Eins auf dem deutschen Markt für Offshore-Windenergie auf.

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Prominente Mitstreiter beim Windenergie-Entwickler

Über die Jahre sammelt Balz für seine Projekte hunderte Millionen Euro ein. Auch Privatanleger geben ihm Geld. Er gilt als schwäbischer Windrad-König. Dabei gerät sein Unternehmen immer wieder in die Schlagzeilen. Führungskräfte werden über Nacht gefeuert, Prominente arbeiten für Windreich. Darunter finden sich die frühere Tagesthemen-Moderatorin Sabine Christiansen oder der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring. Er saß in Aufsichtsrat und Vorstand von Windreich.

Walter Döring, ehemaliger Wirtschaftsminister Baden-Württemberg, als Vorstand bei der Windreich AG (Foto: dpa Bildfunk, Julian Stratenschulte/dpa/picture alliance)
Walter Döring (FDP), ehemaliger Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, 2012 als Vorstand bei der Windreich AG (Archiv). Julian Stratenschulte/dpa/picture alliance

Der Wind dreht sich

2013 aber ist Schluss. Die Unternehmensgruppe ist zahlungsunfähig, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Für das Mammutverfahren vor dem Stuttgarter Landgericht sind 48 Verhandlungstage angesetzt. Die Anklageschrift hat über 500 Seiten.

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