Illegale Müllentsorgung auf der Straße (Foto: SWR)

Illegale Müllkippen in Baden-Württemberg Wilde Entsorgungen nehmen deutlich zu

AUTOR

Gerümpel und Sperrmüll einfach mal mitten auf die Straße oder in die Landschaft kippen – auf die Idee kommen immer mehr Menschen. Doch wird ein Müll-Sünder erwischt, wird‘s richtig teuer.

In einem Stuttgarter Wohngebiet hat sich ein wilder Müllhaufen gebildet. Es türmen sich Sofas, kaputte Schränke, ein Couchtisch und gleich zwei Fernseher. Vielleicht wollte jemand sein altes Wohnzimmer loswerden. Und vielleicht haben andere ihr Gerümpel dann einfach dazugestellt. Gestank liegt in der Luft.

Mehmet Esen von der Stadtreinigung ist mit seinen Kollegen zum Saubermachen angerückt. Er kennt die Stelle schon:  "Heute Abend wird’s wieder wachsen", prophezeit er. "Und nächste Woche können wir die gleiche Show nochmal abziehen."

Aufräumarbeiten Müll (Foto: SWR)
Profis im Einsatz: Die Aufräumarbeiten gehen zu Lasten des Steuerzahlers

Teuer für den Steuerzahler

Die Männer räumen auf. Die Kosten dafür trägt der Steuerzahler. Mindestens tausend Euro dürften diesmal zusammenkommen, schätzt Esen.

Und dann wird plötzlich klar, woher der Gestank kommt: In einem Sack hat jemand Fleischabfall entsorgt - Maden krabbeln den Männern entgegen. Das ist selbst für Profis wie Esen schwer erträglich: "Wir sind die Straßenreinigung. Wir müssen das entsorgen. Aber das ist langsam eine Zumutung. Menschenunwürdig ist das."

Mehmet Esen (Foto: SWR)
Mehmet Esen mag seinen Job, aber der wilde Müll nervt ihn

Gesellschaftliche Entwicklung als möglicher Grund

In Stuttgart gibt es immer mehr illegalen Müll. In den vergangenen sechs Jahren ist die Menge von 332 Tonnen auf fast 500 Tonnen gewachsen. Anderswo sieht es nicht viel besser aus, sagt Thomas Heß, Chef der Abfallwirtschaft Stuttgart: "Bundesweit, europaweit, weltweit – überall ist das ein richtiges Problem."

Für ihn steckt eine gesellschaftliche Entwicklung dahinter:  "Das ist für mich auch ein Zeichen von zurückgehender Erziehung. Wie verhalte ich mich in Zusammenhang mit meinen Mitmenschen? Kann ich das den anderen zumuten, einfach alles wegzuwerfen?"

Müll-Sündern auf der Spur

Die Müll-Sünder rechnen wahrscheinlich gar nicht damit, dass sie auch erwischt werden könnten. Ein Fehler - wie ein Fall in der Nähe von Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) zeigt. Dort ist Polizist Gerald Mayer für Umweltvergehen zuständig. Er geht einem Hinweis auf illegalen Müll nach.

Vor Ort, an einem Feldweg, findet der Polizist säckeweise Hausmüll - auch Papier ist darunter. Jetzt wird es interessant. Mayer durchsucht einen Sack: "Da haben wir doch schon was. Einen Kontoauszug mit Personalien – Anschrift, Adresse, alles drauf."

Polizist Gerald Mayer sucht nach Spuren (Foto: SWR)
Polizist Gerald Mayer sucht nach Spuren

Müll-Sheriffs geplant

Auch Gehaltsabrechnungen und ein Vertrag tauchen auf. Damit ist ziemlich eindeutig, wer den Müll loswerden wollte. Dem Mann droht jetzt ein Bußgeld - und fürs Aufräumen wird er auch zahlen müssen. Die Rechnung dürfte dreistellig ausfallen.

Aber nicht jeder hinterlässt seine Personalien am Tatort. Stuttgart will deshalb künftig zwölf Müll-Sheriffs einsetzen. Die sollen sich auf die Lauer legen. Wer ertappt wird, überlegt sich vielleicht beim nächsten Mal, ob er sein altes Sofa einfach irgendwo ablädt - oder es doch zum Wertstoffhof bringt.

AUTOR
STAND