IS-Kämpfer in Nordsyrien Gefangen in Nordsyrien: Vater in Baden-Württemberg in Sorge

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Der Baden-Württemberger Dirk Pleil kämpfte für den "Islamischen Staat", jetzt ist er Gefangener in Nordsyrien. Sein Vater setzt sich für die Rückkehr seines Sohnes ein, das Auswärtige Amt aber stellt sich quer.

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Gut vier Jahre ist es her, dass Werner Pleils Sohn Dirk sich der Terrormiliz IS angeschlossen hat. Aufgewachsen in Stuttgart und Pforzheim, hatte er sich in Deutschland immer mehr radikalisiert, reiste schließlich nach Syrien. 2017 wurde er von kurdischen Milizen festgenommen.

Doch jetzt sind türkische Truppen in Nordsyrien einmarschiert. Die Kurdenmiliz YPG kündigte an, die Bewachung der Gefängnisse zurückzufahren, weil die Kämpfer an der Front gebraucht würden. Werner Pleil verfolgt diese Nachrichten mit großer Sorge. "Ich habe permanent Angst um ihn, weil eben alle Möglichkeiten offen sind. Das Allerschlimmste wäre, dass ihn die Leute von Assad erwischen oder dass er ausgeliefert wird an den Irak. Weil dann denke ich, hat er gar keine Chance", sagte er im SWR-Interview. Im Irak, so befürchtet er, droht seinem Sohn die Todesstrafe.

Inzwischen sollen viele IS-Häftlinge aus kurdischen Gefängnissen geflohen sein. Berichten zufolge hat die Terrormiliz einige dieser Männer wieder in ihren Reihen aufgenommen. Werner Pleil glaubt allerdings nicht, dass sich sein Sohn dem IS noch einmal freiwillig anschließen würde: "Er hat ein paar ordentliche Schüsse vor den Bug gekriegt, davon bin ich überzeugt."

IS-Kämpfer Dirk Pleil will zurück nach Deutschland

Dirk Pleil selbst bekräftigte in einem exklusiven Interview mit dem ARD-Studio Kairo vor wenigen Wochen, dass er zurück nach Hause wolle: "Ich bereue, dass ich Deutschland verlassen habe, ich habe den wahren Wert von Deutschland erkannt, leider zu spät", sagt der 37-Jährige. Er habe beim IS zwar eine Kampfausbildung erhalten, habe aber nicht aktiv gekämpft und stattdessen als Orthopädieschuhmacher gearbeitet. Kurdische Milizen bezichtigten ihn in der Vergangenheit der Beteiligung an "Gräueltaten", ohne allerdings Details zu nennen. Im Interview verteidigt Dirk Pleil die Blutrache, die im Islam vorgesehen sei. Er rechtfertigt auch die unter IS-Herrschaft stattgefundenen Kreuzigungen vermeintlicher Verräter.

Auch wenn sich Dirk Pleil wohl vor einem deutschen Gericht verantworten müsste, bemüht sich sein Vater seit langer Zeit um seine Rückkehr. Eine Petition beim Bundestag habe nichts gebracht, sagt Werner Pleil. Jetzt denke er darüber nach, die Bundesregierung zu verklagen. 

Auswärtiges Amt: "Syrien ist eine Sonderlage"

Im Interview mit dem ARD-Mittagsmagazin bekräftigte Niels Annen (SPD), Staatssekretär im Auswärtigen Amt, am Montag noch einmal die Haltung der Bundesregierung: "Dort wo es deutsche Botschaften und Konsulate gibt, da kann an eine Rückführung organisieren, aber Syrien ist eine Sonderlage. Deshalb kann man nicht auf einen Knopf drücken und die Menschen zurückholen." Zudem habe man es mit "gefährlichen Menschen" zu tun, von denen man nicht wisse, was sie im Detail gemacht hätten.

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