Ein Lebensmittelkontrolleur der Stadt Mannheim überprüft am 29.03.2012 in Mannheim bei einer Betriebskontrolle die Temperatur einer Fleischware.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa)

Hygiene in Betrieben im Land Lebensmittelkontrolleure in BW sind überlastet

Listerien in der Wurst, Bakterien in der Milch, Fipronil in Eiern. Es vergeht kein Jahr ohne Lebensmittelskandale. Lebensmittelkontrolleure sollen Sicherheit schaffen. In Baden-Württemberg fehlt es offenbar an Personal.

Anfang Oktober hat ein Lebensmittelskandal in Hessen dafür gesorgt, dass das Thema Lebensmittelsicherheit wieder ins Bewusstsein von Politikern und Medien gerückt ist. Kontrolleure fanden in einer Fleischfabrik Kiloweise verschimmelte Wurst. Die mit Listerien verseuchte Ware wurde offenbar verkauft und gegessen. Drei Menschen starben. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob 37 weitere Todesfälle auf das Konto der Großmetzgerei gehen.

Personalmangel bei der Lebensmittelüberwachung

Lebensmittel, die nicht nur schmecken, sondern auch gesundheitlich einwandfrei sind, sind demnach keine Selbstverständlichkeit. Ein Problem ist offenbar der Personalmangel bei der Lebensmittelüberwachung zu sein.

In Baden-Württemberg kommen etwa 400 Lebensmittelkontrolleure auf mehr als 230.000 Lebensmittelbetriebe. Das sind rein rechnerisch 575 Betriebe für jeden Kontrolleur. "In Stuttgart haben wir momentan mehr als 11.000 Betriebe, die für uns kontrollpflichtig sind", erklärt Axel Bornemann von der Lebensmittelüberwachung Stuttgart. "Wenn wir momentan etwa die Hälfte schaffen, dann sind wir schon recht gut."

In manch anderen EU-Ländern brauche man eine sechsmonatige Schulung, um ein Lebensmittelgewerbe anmelden zu können. In Deutschland sei das einfacher. Ohne eine schwerwiegende Vorstrafe könne sich jeder mit Lebensmitteln selbstständig machen, so Bornemann im SWR weiter.

"Ich kann in einer Autowerkstatt gearbeitet haben und am nächsten Tag mach' ich Sushi - wenn ich bei der Infektionsschutzbelehrung war."

Axel Bornemann, Lebensmittelüberwachung Stuttgart

Früher war die Polizei für die Kontrollen zuständig. Inzwischen sind es Städte und Gemeinden. Doch egal, ob Großbetrieb oder Marktstand – jedes Unternehmen kontrolliert sich erst einmal selbst. Der kommunale Kontrolleur überprüft nur, ob das auch klappt.

Saubere Betriebe werden seltener kontrolliert

In welchem Turnus Betriebe überprüft werden, hängt davon ab, wie sie sich bei der letzten Kontrolle präsentiert haben. "Wenn es ein guter Betrieb ist, der alles in Ordnung hat, rutscht die Kontrollfrist auf 18 Monate. Wenn es ein Betrieb ist, der nicht so gut ist, dann rutscht die Kontrollfrist runter, maximal auf einmal monatlich", erklärt der Leiter der Stuttgarter Lebensmittelüberwachung, Thomas Stegmanns.

Aber Stegmanns gibt zu, dass es nicht genug Kontrolleure gibt. "Wir haben zu wenig Leute. Das heißt, ich schaffe nur etwa 60 Prozent der Kontrollen, die ich eigentlich machen müsste – wenn überhaupt. Und dann kann es natürlich sein, dass da mal jemand durchrutscht."

STAND