Mit einem Gerät wird Radon gemessen (Foto: picture-alliance / dpa)

Hohe Radon-Belastung in Baden-Württemberg Die Gefahr, die durch Mauerrisse kommt

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Es ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs: Radon. In Baden-Württemberg sterben laut Studien jährlich 170 Menschen daran. Und es ist überall, denn das radioaktive Gas kommt ganz natürlich in der Umgebung vor.

Dauer

Es war eigentlich nur eine Übung in der Schule. Und dann wurde der Unterrichtsstoff plötzlich real - und offenbarte eine reale Bedrohung. Vor drei Jahren haben Schüler des Hellenstein-Gymnasiums in Heidenheim im Unterricht das radioaktive Edelgas Radon gemessen. Dabei stellten sie einen erhöhten, womöglich gesundheitsgefährdenden Wert in ihrer Schule fest.

Richtwerte deutlich überschritten

"Man hat festgestellt, dass in einzelnen Räumen die Werte über dem Referenzwert liegen. Dann haben wir gesagt, wir müssen gemeinsam mit dem Schulträger tätig werden", erzählt Schulleiter Holger Nagel. Er will Gewissheit darüber, wie hoch die dauerhafte Belastung mit Radon in seiner Schule ist. Vor kurzem haben die Messungen begonnen. Dazu sind 17 schwarze, runde Messgeräte angebracht worden. Sie zeichnen bis Weihnachten die Menge Radon in der Luft auf. Dann wird ausgewertet. "Wir messen im Untergeschoss und auch im Erdgeschoss, weil sich Radon vor allem vom Erdboden her durch Klüfte, Spalten und Risse in den Räumen ansammelt."

In Lörrach besonders hohe Belastung

Der Richtwert liegt bei höchstens 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Auch in anderen Regionen Baden-Württembergs wurden bereits höhere Konzentrationen des Edelgases gemessen. So ist beispielsweise Lörrach in besonderem Maße von zu hohen Werten betroffen. Im Februar musste gar ein Kindergarten geschlossen werden. Hier waren Kinder und Mitarbeiterinnen einem Wert von bis zu 2.000 Becquerel ausgesetzt. Der Kindergarten wird jetzt abgerissen. Auch Lörrachs Wohnhäuser sind teilweise höher mit Radon belastet.

Dieser Kindergarten in Lörrach musste geschlossen werden (Foto: SWR)
Dieser Kindergarten in Lörrach musste geschlossen werden

Fachleute sprechen schon bei einer geringeren Menge Radon als 300 Becquerel von einer möglichen Gefahr.

"Das Risiko steigt proportional zur Dosis."

Michaela Kreuzer, Bundesamt für Strahlenschutz

"Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen das ungefährlich wäre", sagt etwa Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz. "Und wenn man das jetzt mit Innenraumschadstoffen vergleicht wie Asbest, Formaldehyd, Schimmelpilzen und so weiter, gehört Radon mit Sicherheit zu den wichtigsten Krebsrisikofaktoren in Innenräumen."

Land muss Risikogebiete ausweisen

Bei der grün-schwarzen Landesregierung in Baden-Württemberg ist man sich des Gesundheitsrisikos Radon bewusst - und setzt auf Information und Aufklärung. Das Umweltministerium ließ 2017 eine Studie erstellen. Das Ergebnis: Die Radon-Belastung im Land ist teils sehr hoch. "Ein besserer Schutz vor Radon ist daher der wirkungsvollste Beitrag, die jährliche Strahlenbelastung der Bürger spürbar zu senken", so Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). Anfang Juni wurde eine Infobroschüre zu Radon für Bürgerinnen und Bürger herausgegeben. Bereits helfen kann schon regelmäßiges Stoßlüften, bei höheren Radon-Werten der Einbau einer Lüftungsanlage. Das Thema ist Untersteller sehr wichtig, allerdings sieht er aufgrund der Gesetzgebung den Bund auch bei der Aufklärung und Unterstützung der Bevölkerung in der Pflicht.

Radon-Messungen in einem Keller (Foto: SWR)
Radon-Messungen in einem Keller

Gefordert ist die Landesregierung dennoch: Aufgrund des neuen Strahlenschutzgesetzes, das ab 2019 gilt, müssen Radon-Risikogebiete ausgewiesen werden. Denn wenn das Gesetz in Kraft ist, müssen Arbeitsplätze mit erhöhten Radon-Werten saniert werden. Dafür wird jetzt überall im Land gemessen; das Umweltministerium wird außerdem eine Anlaufstelle bei der Landesanstalt für Umwelt in Karlsruhe einrichten. Doch bei privaten Häusern und Wohnungen gelten die neuen Bestimmungen nicht. Hier sind Hausbesitzer und Mieter selbst in der Verantwortung. Umweltminister Untersteller rechnet damit, dass hier noch einiges auf Arbeitgeber, Wirtschaft und Bürger zukommen wird.

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