Studierende der Universität Tübingen in einem Hörsaal (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Verhandlungen um Finanzierung Hochschulen in Baden-Württemberg schlagen Alarm

Die Rektoren der Hochschulen fordern deutlich mehr Geld vom Land. In den kommenden Jahren müsse es hunderte Millionen Euro zusätzlich geben, sonst seien Lehre und Forschung bedroht.

Eigentlich will das Land sparen, doch die Hochschulen schlagen Alarm. Denn die Kosten für den laufenden Betrieb haben sich erhöht: Die Zahl der Studierenden ist deutlich höher als vor zehn Jahren, die Digitalisierung und neue technische Entwicklungen bescheren zusätzliche Kosten. Die Rektoren fordern deshalb ab 2021: 450 Millionen Euro zusätzlich, ein Betrag, der sich jährlich um drei Prozent erhöhen soll. Und weitere 270 Millionen Euro jährlich, um Studierende besser betreuen zu können. Der Betrag dafür sei seit 20 Jahren nicht erhöht worden.

Eitel: "Internationale Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr"

Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in Baden-Württemberg, der Heidelberger Professor Bernhard Eitel, sagte am Dienstag in Stuttgart: "Wir appellieren an das Land Baden-Württemberg, unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit, die hohe Qualität in Forschung und Lehre nicht zu gefährden." Die Zukunftsfähigkeit des Landes müsse über die Hochschulen dauerhaft bewahrt werden.

"Wir sind ein Herzstück des Landes Baden-Württemberg und kein Accessoire."

Bernhard Eitel, Vorsitzender Landesrektorenkonferenz

Alle Ministerien sind zum Sparen aufgefordert

Um Planungssicherheit garantieren zu können, benötigen die Hochschulen in Baden-Württemberg Geld. Zurzeit verhandeln sie mit dem Land über einen neuen Vertrag zur Hochschulfinanzierung, denn der bestehende läuft Ende des nächsten Jahres aus. Derzeit zahlt das Land den Hochschulen knapp 370 Millionen Euro im Jahr – plus Sonderzuschüsse für Energie- und Baukosten. Doch der Schwamm sei ausgepresst, so Eitel.

Wenn es nicht mehr Geld vom Land gebe, müssten die Universitäten Studienplätze abbauen. Dann würden dem Standort Baden-Württemberg Fachkräfte fehlen. Die Arbeitgeberverbände und die Industrie- und Handelskammern unterstützen die Forderungen der Hochschulen. Im Wissenschaftsministerium hat man Verständnis für die Forderungen der Rektoren. Allerdings ist der Spielraum des Ministeriums gering. Denn angesichts der aktuellen Haushaltsverhandlungen für den Doppelhaushalt 2020/21 sind alle Ministerien aufgefordert, zu sparen. Und der neue Haushaltsentwurf soll vor den Verhandlungen mit den Universitäten und Hochschulen über deren neuen Finanzierungsvertrag stehen.

Auch Auswirkungen auf die Wissenschaft

Doch nicht nur Studienplätze drohen in Baden-Württemberg wegzufallen. Zu wenig Geld würde Eitel zufolge bedeuten, dass die Hochschulen große Drittmittelprojekte zurückgeben müssten, weil sie die Kofinanzierung nicht mehr stemmen könnten.

"Das würde elementar zu Lasten des wissenschaftlichen Nachwuchs gehen und würde langfristig das Land elementar in der Innovationskraft schädigen."

Bernhard Eitel, Vorsitzender Landesrektorenkonferenz

Mehr als 40 Unis und Hochschulen in Baden-Württemberg

An den Hochschulen in Baden-Württemberg sind rund 360.000 Studierende eingetragen. Im Land gibt es neun Universitäten. Außerdem gibt es mehr als 20 Hochschulen für angewandte Wissenschaften - die früheren Fachhochschulen - sowie sechs pädagogische Hochschulen für die Ausbildung von Lehrern an Grund-, Werkreal-, Haupt-, Real- und Sonderschulen. Hinzu kommen die Duale Hochschule sowie acht Kunst- und Musikhochschulen.

Der Hochschulfinanzierungsvertrag gilt allerdings nur für diese staatlichen Hochschulen. Die Akademie für Darstellende Kunst und die Filmakademie (beide Ludwigsburg) sowie die Popakademie in Mannheim fallen nicht unter den Hochschulfinanzierungsvertrag. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums haben zudem mehr als 25 private und kirchliche Hochschulen ihren Sitz in Baden-Württemberg.

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