Hilfen für Weidetierhalter in Baden-Württemberg Wolfsgefahr: Anspruch auf Entschädigung endet bald

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Der Wolf bleibt Thema in Baden-Württemberg, vor allem bei den Weidetierhaltern im Nordschwarzwald. Das Umweltministerium bemängelt, dass die Schutzmaßnahmen oft noch immer unzureichend sind, obwohl sie gefördert werden.

Vergangenes Wochenende wurde ein Wolf im Neckar-Odenwald-Kreis gesichtet, im Ortenaukreis sind am Montag zwei tote Schafe gefunden worden. Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Tübingen gehen davon aus, dass ein Wolf sie gerissen hat. Angst und Verunsicherung bei Bauern und Schäfern in Baden-Württemberg sind groß, viele fühlen sich trotz im Frühjahr 2018 ergriffener Maßnahmen seitens der baden-württembergischen Landesregierung von der Politik allein gelassen.

Ein Wolf im Wildpark Tripsdrill (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)
Ein Wolf in Baden-Württemberg, hier allerdings nicht in freier Wildbahn, sondern im Gehege im Wildparadies Tripsdrill (Archivbild) Sebastian Gollnow

Im Wolfsgebiet gelten besondere Herdenschutzmaßnahmen

Ob wirklich ein Wolf die beiden Schafe gerissen hat, soll nun eine genetische Untersuchung klären. Anders ist es im Nordschwarzwald: Hier steht fest, dass ein Wolf im vergangenen Jahr bei Bad Wildbad mindestens 17 Schafe getötet hat, weitere wurden bei der Flucht verletzt, ertranken oder gelten als vermisst. Die Region wurde vom baden-württembergischen Umweltministerium offiziell zum Wolfsgebiet erklärt, da innerhalb von sechs Monaten zwei Mal Wolfsspuren nachgewiesen werden konnten.

In der sogenannten "Förderkulisse Wolfsprävention" mit einem Radius von etwa 60 Kilometern werden besondere Anforderungen an den Herdenschutz gestellt. Und dafür gibt es finanzielle Unterstützung für die Weidetierhalter: Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäune werden mit 90 Prozent der Anschaffungskosten bezuschusst. Auch die Anschaffung eines Herdenschutzhundes wird unter bestimmten Bedingungen finanziell vom Umweltministerium unterstützt. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sagte dazu im Mai 2018: "Wir wollen wie in den anderen betroffenen Bundesländern auch ein Nebeneinander der für die Natur- und Landschaftspflege unverzichtbaren Weidetierhaltung und des europaweit streng geschützten Wolfes ermöglichen."

Weiterhin Verunsicherung bei Weidetierhaltern

Für den Landesbauernverband bedeutet ein ausgewiesenes Wolfsgebiet wie im Nordschwarzwald, dass die Gefahr einer Rudelbildung auch in Baden-Württemberg besteht. Für Weidetierhalter bestünden weiterhin viele Fragen, so der Verband, vor allem, welche Maßnahmen wirklich wirksam sind - und im Rahmen eines "zumutbaren Aufwands aufrecht erhalten werden" können. Zu all diesen Themen fand am Mittwochnachmittag in Empfingen (Kreis Freudenstadt) auf Einladung des Landesbauernverbandes eine Fachtagung statt.

Ministerium: Schafe in Oppenau waren nicht richtig gesichert

Im Fall der in Oppenau vermutlich gerissenen Schafe gab das Umweltministerium bekannt, dass "die Zäunung nicht ausreichend" gewesen sei. Momentan wird aber innerhalb der einjährigen Übergangszeit den Weidetierhaltern noch Entschädigung gezahlt.

Im Mai endet diese Übergangsfrist innerhalb der "Förderkulisse Wolfsprävention". Ab dann ist eine lückenlose Elektroumzäunung in einer Höhe von 90 Zentimetern Voraussetzung für Entschädigungszahlungen. Empfohlen wird eine Umzäunung in Höhe von 120 Zentimetern. Außerhalb der "Förderkulisse Wolfsprävention" wird der Schaden nach wie vor zu 100 Prozent über den sogenannten "Ausgleichsfonds Wolf" erstattet, falls ein Wolf ein Nutztier tötet oder so schwer verletzt, dass dieses getötet werden muss.

Fördermaßnahmen bleiben erhalten

"Innerhalb der 'Förderkulisse' übernimmt das Land auch weiterhin 90 Prozent der Kosten, die Schaf-, Ziegen- und Gehegewildhaltern bei der Anschaffung von Materialien für Herdenschutzmaßnahmen entstehen", heißt es aus dem Umweltministerium. Ferner fördere das Land den Einsatz von Herdenschutzhunden ab einer Herden-Mindestgröße von 60 Muttertieren mit einer jährlichen Pauschale für Ausbildung und Unterhalt der Hunde.

Außerhalb der "Förderkulisse Wolfsprävention" würden nach wie vor die üblichen Förderbedingungen für Weidetierhalter mit Mitteln über verschiedene Programme und Direktzahlungen der Flächenförderung, über die Landschaftspflegerichtlinie oder ein Agrarinvestitionsprogramm gelten.

Mittel noch nicht voll ausgeschöpft

Auf Anfrage teilte das Ministerium mit, insgesamt hätten seither 75 Landwirte, 45 Privatpersonen und ein Verein Zuschüsse beantragt – mit einer Gesamtbewilligungssumme von 345.833 Euro.
Davon seien bereits 207.149 Euro ausgezahlt worden.

Auch gebe es nach wie vor die Möglichkeit, kurzfristig entsprechende "Notfall-Zaunsets" bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt auszuleihen. Dies hätten laut Umweltministerium im gesamten Zeitraum bisher nur zwei Weidetierhalter in Anspruch genommen.

Warum bei den Weidetierhaltern nach wie vor so viel Unmut herrscht, kann man sich im Ministerium nicht erklären. In einer Stellungnahme hieß es: "Schon bevor wir den Wolf in Baden-Württemberg hatten, klagten die Weidetierhalter über ihre wirtschaftlich angespannte Situation." Der Wolf habe das Fass dann zum Überlaufen gebracht.

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