Michael Blume, Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus (Foto: Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg)

Wegen zu viel Hetze und Hass im Netz Antisemitismusbeauftragter Blume meldet sich von Facebook und Twitter ab

Der baden-württembergische Beauftragte gegen Antisemitismus, Michael Blume, hat am Dienstag angekündigt, sich bei Facebook und Twitter abzumelden. Hass und Drohungen gegen ihn und seine Familie seien zu viel geworden. Ein Ereignis brachte das Fass zum Überlaufen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Baden-Württembergs Antisemitismus-Beauftragter, Michael Blume, verlässt die sozialen Medien. Er wolle nicht weiter ein Geschäftsmodell unterstützen, das Radikalisierung befeuert, sagte er dem SWR am Dienstag. Seine Accounts bei Facebook und Twitter lösche er demnächst.

"Schon seit Jahren warne ich ja vor den Gefahren der digitalen Verrohung und Radikalisierung und habe sie auch mit Beschimpfungen, Drohungen etc. immer wieder am eigenen Leib erfahren", teilte Blume in einem Post auf Facebook mit. Dennoch habe er sich immer wieder eingeredet, er müsse dabeibleiben, "den Extremen nicht das Feld überlassen". Letztendlich habe er sich aber anders entschieden. Er erreiche ohnehin nicht die Menschen, die sich radikalisieren. Insbesondere seit dem Anschlag von Halle Anfang Oktober habe der Hass und die Bedrohung im Internet gegen ihn und auch seine Familie immens zugenommen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Jüngste Facebook-Entscheidung gab Ausschlag

Ein letzter Auslöser war für Blume eine Geschäftsentscheidung von Facebook: Das Unternehmen hatte angekündigt, das rechtspopulistische US-Nachrichtenportal Breitbart bevorzugt auf den eigenen Nachrichtenseiten auszuspielen. Das habe das Fass zum Überlaufen gebracht, so Blume.

Er werde aber das Internet weiter konstruktiv nutzen und bleibe über seinen Blog weiterhin erreichbar. Weiterhin hofft er, dass sein Ausstieg eine breite Debatte auslöse. "Wir müssen uns dringend alle fragen, ob wir nicht die klassischen Medien neu unterstützen müssen", sagte Blume.

Mehr Austausch im direkten Gespräch

Künftig wolle er "noch mehr Zeit" damit verbringen, sich mit Menschen im direkten Gespräch auszutauschen. "Ich entscheide mich gegen die Reichweite und für die Wirkung", so Blume.

Blume hat sich wiederholt sehr kritisch zu den sozialen Medien geäußert, die aus seiner Sicht zur Verbreitung von Rassismus und Antisemitismus beitragen. Zuletzt veröffentlichte er dazu eine eigene Studie. Wiederholt hatte er Drohungen gegen seine Person öffentlich gemacht.

STAND