Handyverbindung in Baden-Württemberg Hilft der neue Mobilfunkstandard 5G gegen Funklöcher?

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Wer mobil telefonieren will, bewegt sich in Baden-Württemberg gefühlt von Funkloch zu Funkloch. Viele erhoffen sich Verbesserungen durch den nächsten Mobilfunkstandard 5G. Zu Recht?

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Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ärgerte sich kürzlich öffentlich über die zahlreichen Funklöcher, durch die er in Baden-Württemberg fährt. Während seiner Amtszeit sei noch kein einziges geschlossen worden. Und das geht nicht nur ihm so.

Mangelhafte Mobilfunkverbindung in 63 Gemeinden in BW

Auch die Menschen in Möckmühl (Kreis Heilbronn), Bad Urach (Kreis Reutlingen) oder Geislingen an der Steige (Kreis Göppingen) sind nicht zufrieden. Nach einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox von Ende Januar ist die Mobilfunkverbindung in 240 Gemeinden in Deutschland mangelhaft, mit 63 liegen die meisten davon in Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg laut Experte unter dem Bundesdurchschnitt

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Die Situation in Baden-Württemberg sehe nicht ganz so gut aus, meint auch Mobilfunkexperte Torsten Gerpott. Die LTE-Versorgung im Land habe nach Zahlen des Verkehrsministerium von Ende 2017 bei etwa 94 Prozent gelegen. "Das ist weniger als der Bundesdurchschnitt", so Gerpott im SWR. "Da sieht man eben auch, dass Baden-Württemberg ein Flächenland ist, anders als beispielsweise Berlin oder Bremen, wo es natürlich leicht ist, die Menschen zu versorgen."

Roaming als Lösung? - Netzbetreiber wehren sich

Doch es sind keineswegs nur die berühmten Schwarzwaldtäler betroffen, auch Ecken in größeren Städten. Manchmal hat der Nachbar mit einem anderen Netzbetreiber mehr Glück. Daher fordern viele gern das lokale, das nationale Roaming, bei dem sich das Handy immer ins stärkste Netz einbuchen soll, egal welchem Betreiber das gehört. Das eine oder andere Funkloch könnte damit vielleicht geschlossen werden. Aber die Netzbetreiber wehren sich mit Händen und Füßen gegen eine Pflicht, ihr Netz zu öffnen.

5G schließt erstmal keine Funklöcher

Große Hoffnung sind da oft die neuen 5G-Frequenzen, die im Frühjahr versteigert werden. Doch die eignen sich nicht für die Fläche, sagt Achim Berg, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. "Die 5G-Frequenz, die jetzt versteigert wird, ist eine relativ kurzbandige." Die Reichweite betrage etwa 500 Meter bis maximal einen Kilometer. "Um 5G in dieser Technologie auszubauen, müsste ich 800.000 Funkmasten haben." Zum Vergleich: Heute haben wir 60.000 Funkmasten, so der Experte. "Das ist natürlich eine Größenordnung, die man sich überhaupt nicht vorstellen kann. Das würde ein Investment von geschätzten 130 bis 135 Milliarden Euro bedeuten."

Geld, was letztlich wir Kunden zahlen. Bis ein Mobilfunkmast steht, vergehen bis zu zwei Jahre. Mit 5G sollen erst Ende 2022 98 Prozent der Haushalte versorgt sein, die restlichen zwei Prozent hätten weiterhin in ihrem Gebiet mit Funklöchern im 5G-Netz zu kämpfen. Auch die Löcher in den anderen Netzen bleiben weiter erhalten.

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