Razzia (Foto: dpa Bildfunk, Paul Zinken)

Kriminalstatistik 2018 Gewalt gegen Polizisten und Sexualdelikte in BW nehmen stark zu

Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind 2018 in Baden-Württemberg deutlich gestiegen. Auch die Gewalt gegen Polizeibeamte ist auf einem Rekordniveau.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Im Jahr 2018 seien 2.390 Polizisten verletzt worden - eine Zunahme von etwa 22 Prozent. Das geht aus der neuen Polizeilichen Kriminalstatistik des Landes hervor, die der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Freitag offiziell vorgestellt hat. Polizisten müssten geschützt werden, sagte Strobl. Er verwies in dem Zusammenhang auf die flächendeckende Einführung von Bodycams (am Körper getragene Kameras) bis zum Sommer.

Von den Geräten verspreche er sich nicht nur eine beweissichernde Funktion, sondern auch eine gewaltdeeskalierende Wirkung. Die SPD kritisierte, dass die Bodycams schon früher hätten kommen können.

Sexuelle Übergriffe nehmen zu

Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind insgesamt um nahezu 25 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Sexualdelikte im öffentlichen Raum ist um knapp 21 Prozent angestiegen. Ein Grund dafür sind laut Innenministerium Änderungen bei den statistischen Erfassungskriterien infolge der Gesetzesänderungen, beispielsweise durch die Einführung der sexuellen Belästigung in das Strafgesetzbuch. In diesem Deliktbereich sind Asylbewerber deutlich überrepräsentiert. "Wir haben auf diese Entwicklungen bereits reagiert", berichtet Strobl.

Jede dritte Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung ereignet sich im öffentlichen Raum. Die Polizei Baden-Württemberg hat daher für 2019 die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung als Handlungsschwerpunkt definiert.

Mehr Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum

Die Straftaten im öffentlichen Raum gingen insgesamt um 3,2 Prozent auf 252.660 Fälle zurück. "Wir schauen bei diesen Straftaten ganz genau hin und reagieren konsequent", betont der CDU-Politiker. Die Zahl sogenannter Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum kletterte dagegen auf 27.444 Fälle. Im Jahr 2017 waren es noch 26.089 Fälle gewesen.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Sascha Binder, warf Strobl vor, die Prävention zu vernachlässigen. "Der Innenminister darf bei diesem Thema nicht weiter auf Lücke setzen." Strobl habe entgegen der Vereinbarung im Koalitionsvertrag keine Projektgruppe "Sicherer öffentlicher Raum" eingerichtet.

Rund 12 Prozent der aufgeklärten Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum wurden von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern sowie Flüchtlingen begangen.

Diebstahlsdelikte machen noch immer etwa ein Drittel aller in Baden-Württemberg begangenen Straftaten aus. Jedoch ist die Zahl mit 168.828 Straftaten im Jahr 2018 um rund 10 Prozent gesunken. Auch "die Zahl der Wohnungseinbrüche hat sich seit dem Jahr 2014 halbiert und ist auf einem Zehnjahrestief (7.126)", so Strobl.

Die Gewaltkriminalität im Zusammenhang mit Messern war bereits in den Jahren 2015 und 2016 deutlich angestiegen. Im Jahr 2018 wurden 1.800 Fälle erfasst, was einem Rückgang um 2,6 Prozent zum Vorjahr entspricht.

Weniger Straftaten durch Asylbewerber

Auch Straftaten mit Flüchtlingen und Asylbewerbern als Verdächtigen gingen um rund 9 Prozent auf rund 55.600 Delikte zurück.

"Wir bieten Menschen Schutz, die Schutz brauchen. Wir nehmen aber nicht hin, dass Menschen, denen wir Schutz bieten, zentrale Regeln des Zusammenlebens brechen. Wir haben daher zu Beginn des Jahres 2018 im Innenministerium den Sonderstab 'Gefährliche Ausländer' eingerichtet."

Innenminister Thomas Strobl (CDU)

Politisch motivierte Kriminalität

Im Jahr 2018 sank die Zahl der politisch motivierten Delikte um rund 10 Prozent auf 2.555. Grund zur Entwarnung besteht jedoch nicht, so das Innenministerium. Im sogenannten Phänomenbereich der ausländischen Ideologie musste ein deutlicher Anstieg um knapp 70 Prozent (auf 344 Fälle) registriert werden. Eine Ursache sei der türkisch-kurdische Konflikt, der vermehrt auf Baden-Württembergs Straßen ausgetragen wird, argumentiert das Innenministerium.

Insgesamt rund 572.000 Delikte in BW

"Baden-Württemberg ist und bleibt bei der Inneren Sicherheit bundesweit Spitze. Die Kriminalitätsbelastung ist auch im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen und so niedrig wie seit 1990 nicht mehr", erklärte Innenminister Strobl. Insgesamt gab es im Land 572.173 Straftaten. Das sind 1,3 Prozent weniger als im Jahr 2017.

Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 62,7 Prozent. Diese Erfolgsbilanz sei dem beharrlichen und unermüdlichen Einsatz der Polizisten zu verdanken, sagte Strobl.

Der Sicherheitsbericht der Landesregierung ist öffentlich und für jedermann hier einsehbar.

STAND