Schwarzbuch der Steuerverschwendungen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ralf Hirschberger/dpa/ZB)

Gegründet in Stuttgart Bund der Steuerzahler: Seit 70 Jahren im Kampf gegen Verschwendung

Pro-Kopf-Verschuldung, Schuldenbremse, Schwarzbuch der Steuerverschwendung - jährlich kritisiert der Bund der Steuerzahler die deutsche Steuerpolitik. Heute vor 70 Jahren ist der Verein in einem Stuttgarter Gasthof gegründet worden.

Dauer

Es ist der 21. Oktober 1949. Im Gasthof "Zur Krone" in Stuttgart gründen unter anderem ein Finanzwissenschaftler, ein Steuerberater und ein Journalist einen Verein - den "Bund der Steuerzahler Württemberg-Baden e. V". Sie wollen dafür sorgen, dass die Steuergesetze vernünftig angewendet werden. Bald folgen andere Landesverbände, wenig später der Bundesverband als Dachorganisation. Es ist die Geburtsstunde des Steuerzahlerbundes.

Gasthaus Krone in Stuttgart Hier wurde der Bund der Steuerzahler gegründet

Gründungsort des Bundes der Steuerzahler Gasthaus Krone in Stuttgart (Foto: SWR)
Es kann nicht anders sein, der Bund der Steuerzahler ist eine schwäbische Erfindung. Der Verein wurde 1949 in den Stuttgarter Weinbergen gegründet, im Gasthaus "Zur Krone". Bild in Detailansicht öffnen
Ein Schild erinnert bis heute an den Gründungsort. Bild in Detailansicht öffnen
Ein historisches Flugblatt zeigt: Schon vor 70 Jahren prangerte der Bund der Steuerzahler Verschwendung an. Bund der Steuerzahler Bild in Detailansicht öffnen

Mit Spannung erwartet: das "Schwarzbuch"

Die Steuermoral verbessern, die Steuergesetze kritisch hinterfragen – das hat der Bund der Steuerzahler schon auf seinem ersten Flugblatt 1949 gefordert. Mittlerweile seit 70 Jahren mischt sich der Steuerzahlerbund lautstark in politische Debatten rund um Steuerverschwendung ein.

Schnell sind die Mitgliederzahlen gewachsen, der politische Einfluss auch. Seit den frühen 1970er Jahren prangert der Lobbyverband im sogenannten Schwarzbuch jedes Jahr die aus seiner Sicht 100 fragwürdigsten Steuerverschwendungen an. Im Schwarzbuch stehen beispielsweise teure Flughäfen, Bahnstrecken oder öffentliche Gebäude, aber auch kuriose Ausgaben in Städten und Gemeinden.

Die "Schuldenuhr" tickt in Berlin

Der Bund der Steuerzahler hat aber auch die sogenannte Schuldenuhr eingeführt. Seit 1994 tickt sie in Berlin und zeigt die Pro-Kopf-Verschuldung an. Eingeführt wurde auch ein Steuerzahlergedenktag.

Immer wieder unterstützt der Verband auch Musterklagen, um nach eigenen Angaben Steuergerechtigkeit herzustellen. Das bisher wohl erfolgreichste Urteil gab es 2008: Danach musste die Pendlerpauschale wieder ab dem ersten Kilometer eingeführt werden.

Immer weniger Mitglieder

Trotz der Erfolge kämpft der Bund der Steuerzahler aber auch mit internen Problemen. Die Mitgliederzahl sinkt - und wie damals vor 70 Jahren sind weiter vor allem ältere Unternehmer dabei.

STAND