Die "Alte Post" in Nagold (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)

Wenig Ertrag und kaum Nachwuchs Gastwirte fordern Finanzhilfe für Landgasthöfe

Immer mehr Landgasthöfe geben auf - und es trifft dabei auch renommierte Häuser. Der Hotel- und Gaststättenverband ruft deshalb nach der Politik. Die Gewerkschaft widerspricht.

Geht ein Wirt in den Ruhestand, stirbt vielerorts auf dem Land gleich das ganze Wirtshaus. "47 Prozent der von uns befragten Dorfgasthaus-Wirte, bei denen die Betriebsnachfolge ansteht, haben keinen Nachfolger", sagte der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg (Dehoga), Fritz Engelhardt, der Deutschen Presse-Agentur. Der Trend habe sich beschleunigt, weil viele Gastwirte aufhörten.

"Die Betriebsnachfolge ist die Sollbruchstelle."

Fritz Engelhardt, Vorsitzender Dehoga Baden-Württemberg

Selbst Häuser mit großen Namen mussten zuletzt aufgeben. Die "Alte Post" etwa - ein früheres Sternerestaurant in Nagold (Kreis Calw) - schloss Ende Oktober nach 350 Jahren. Ein Unternehmen hat das alte Fachwerkgebäude zwar inzwischen gekauft, sucht aber noch einen neuen Pächter.

Umsatz steigt, aber der Ertrag sinkt

Die "Alte Post" ist kein Einzelfall im Kreis Calw. 2018 wurden dort nach Daten des Statistischen Landesamtes 121 Gastgewerbe abgemeldet, bei nur 92 Anmeldungen. "Wir sehen es als Alarmzeichen, dass in konjunkturell günstigen Zeiten Angebote wegbrechen", sagt Fritz Engelhardt vom Dehoga. "Die Umsätze steigen, aber die Erträge sind rückläufig." Er hält eine Investitionsförderung vom Land für sinnvoll, auch wegen des Fremdenverkehrs.

"Wo kein Wirtshaus, da keine Touristen."

Fritz Engelhardt, Vorsitzender Dehoga BW

Der Verband denkt an eine Eigenkapitalhilfe, damit es potenzielle Nachfolger einfacher haben. Vor zehn Jahren gab es schon einmal ein ähnliches Programm von der L-Bank. Damals wurden laut Tourismusministerium 1,5 Millionen Euro Landesmittel gewährt, um die Zinsen zu senken. Das habe ein enormes Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro in Gang gesetzt, so Engelhardt. Solche Investitionen könnten seiner Ansicht nach auch jetzt helfen. "Die Gasthäuser müssen auch für die Mitarbeiter attraktiv bleiben." Größe schaffe neue Möglichkeiten auch bei den Arbeitszeiten, weil dann zum Beispiel in mehreren Schichten gearbeitet werden könne.

Gewerkschaft bemängelt Arbeitsbedingungen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zweifelt daran, dass solche einmaligen Investitionen die Lösung sind. Die Probleme - insbesondere die Personalnot - seien hausgemacht, argumentiert Gewerkschaftssekretär Alexander Münchow. Zu lange hätten die Gastwirte sich zu wenig um die Arbeitsbedingungen geschert.

"Wer für einen Knochenjob kaum mehr als den Mindestlohn zahlt, muss sich nicht wundern."

Alexander Münchow, NGG

Auch die Beschäftigten müssten höhere Stromkosten und steigende Mieten stemmen.

Den Gastronomen fehlt der Nachwuchs

Offenbar wird es selbst für renommierte Häuser schwierig, Nachwuchs zu finden. Selbst im Falle des einstigen Sternerestaurants "Alte Post" in Nagold führte Chefkoch Stefan Beiter im Herbst Personalnot als Grund für die Schließung an. Auch das "Gasthaus zum Lamm" in Bühl (Kreis Rastatt) hat in diesem Jahr aus diesem Grund geschlossen.

Minister: Große Bedeutung für Tourismus

Tourismusminister Guido Wolf (CDU) hat bislang zwar keine konkrete Lösung für die Branche. Er will das Thema aber in seiner für den Sommer angekündigten Tourismuskonzeption aufgreifen und dabei auch auf die besondere Situation der Landgasthöfe eingehen. Landgasthöfe und Dorfgaststätten seien wichtige Orte der Geselligkeit, sagte er. Sie hätten aber auch eine große Bedeutung für den Tourismus im Land.

"Sie laden zu Ausflügen ein und bringen Geld in ländliche Regionen."

Guido Wolf (CDU), Tourismusminister Baden-Württemberg

Fritz Engelhardt vom Dehoga appellierte an die Politik auf allen Ebenen. "Auf Bundesebene würde uns eine Mehrwertsteuererleichterung auf Speisen helfen. Sieben Prozent für Essen zum Mitnehmen - aber 19 Prozent für Essen im Gasthaus - das schwächt die Gastronomie im Wettbewerb." Er sieht aber auch Bürgermeister und Landräte in der Pflicht.

Das sieht man auch beim Gemeindetag so. Kommunen könnten beispielsweise mit den Gastwirten Konzepte erarbeiten, um Touristen anzulocken, Veranstaltungen in die Gasthäuser verlegen oder die Wirte als Caterer buchen, so eine Sprecherin.

Dehoga: Neueröffnungen kaum noch möglich

Doch auch dafür braucht es Geld. "Da wo noch Kraft da ist, muss man unterstützen", sagt Engelhardt vom Dehoga daher. Ein Wirtshaus, das schließe, sei endgültig weg. Die Investitionen bei einer Neueröffnung seien einfach zu hoch.

Der Minister für Ländlichen Raum, Peter Hauk (CDU), erklärte, es gebe bereits Fördermaßnahmen: "Bereits seit Jahren fördern wir über das im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum Investitionen in Landgasthöfe." Allerdings seien die Finanzen allein nicht das Problem. Immer mehr Auflagen, etwa im Bereich der Arbeitszeitregelungen, sorgten dafür, dass sich weniger junge Menschen für eine Zukunft als Gastronom entscheiden. "Hier brauchen wir Lösungen, denn die Nachfrage nach einer guten regionalen Küche nimmt zu", sagte der Minister laut einer Mitteilung.

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