Eine Straßenbahn in Mannheim (Foto: picture-alliance / dpa)

Attraktiverer Nahverkehr zur Luftreinhaltung Bund bietet Modellstädten 130 Millionen Euro

Im Kampf für saubere Luft in Städten hat der Bund fünf Modellstädten ein Millionenpaket angeboten. Das Geld soll unter anderem nach Mannheim, Reutlingen und Herrenberg fließen.

Mit den insgesamt 130 Millionen Euro bis 2020 soll besonders der öffentliche Nahverkehr in Bonn, Essen, Mannheim, Reutlingen und Herrenberg (Kreis Böblingen) attraktiver gemacht werden. Der Bund sei bereit, im Schnitt 95 Prozent der Kosten von Projekten zur Luftreinhaltung zu übernehmen. Für den Rest müssen die Kommunen selbst aufkommen. Das teilten Umwelt- und Verkehrsministerium am Freitag in Berlin mit.

Der Bund hatte das Förderprogramm im Frühjahr angekündigt und gehofft, damit noch eine Klage der EU-Kommission gegen Deutschland wegen nicht eingehaltener Grenzwerte für saubere Luft abzuwenden. Das ist nicht gelungen, das Förderprogramm soll es nun trotzdem geben. 

Gut 47 Millionen Euro für Mannheim

Die Modellstädte hatten im Vorfeld des Gesprächs am Freitag bereits Vorschläge gemacht, zum Beispiel weitreichende Vergünstigungen für Busse und Bahnen. Das Umweltbundesamt hat die Vorschläge geprüft und nun diejenigen herausgesucht, die einen hohen Nutzen für bessere Luft versprechen und sich außerdem bis 2020 umsetzen lassen.

Mannheim bekommt den größten Anteil der BW-Städte: 47,35 Millionen Euro wurden der Stadt laut einer Mitteilung zugesagt. In Mannheim ist zum Beispiel geplant, die Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr um bis zu ein Drittel zu senken und mehr Jobtickets anzubieten. Eine für den Mannheimer Berufsverkehr wichtige Buslinie soll mit neuen Fahrzeugen attraktiver gemacht werden. Außerdem soll es ein Konzept für Lieferdienste in der Innenstadt geben.

Bosch: "Großer Schritt in die richtige Richtung"

Nach Reutlingen sollen 16 Millionen Euro fließen. Das teilte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch (parteilos) am Freitag mit. Mit dem Geld soll ein neues Stadtbusnetz mit zehn neuen Linien und 100 neuen Haltestellen finanziert werden. Außerdem soll es ein günstiges Jahresticket für den Bus und Geld für neue Fahrradwege geben. Laut Bosch ein "großer Schritt in die richtige Richtung".

Die Stadt Herrenberg will ihre Vorschläge, die für aussichtsreich befunden wurden, laut einer Mitteilung in den nächsten Wochen vorstellen und dem Bund vorlegen. Im Fokus stünden Maßnahmen, die "kurzfristig spürbare Verbesserungen im Bereich ÖPNV und Verkehrslenkung bringen". Hier könnten Monatstickets günstiger werden und mehr Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. Nach Angaben mehrere Bundestagsabgeordneter stehen für Herrenberg 7,25 Millionen Euro im Raum. Bestätigt wurde das bisher nicht.

Der Bund will zudem eine wissenschaftliche Begleitung der Projekte finanzieren. Dabei geht es darum, ob günstigere Tickets tatsächlich dazu führen, dass mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen und ob im Ergebnis die Luft tatsächlich sauberer wird.

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