Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen am Stuttgarter Flughafen (Foto: picture-alliance / dpa)

Hinweise auf Anschlagspläne Flughafen ausgespäht: Gebäude-Durchsuchung auch in BW

Nach SWR-Informationen wird wegen möglicher Anschlagspläne gegen vier identifizierte Personen ermittelt. Gegen zwei hat sich der Verdacht jedoch nicht erhärtet. Auch in Baden-Württemberg gab es eine Wohnungsdurchsuchung.

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Es wurden zwei Objekte in Nordrhein-Westfalen und ein Objekt im badischen Teil Baden-Württembergs durchsucht. Das erfuhr die dpa aus Sicherheitskreisen. Bisher wurden keine Haftbefehle ausgesprochen.

Bei den Ausspähversuchen am Flughafen in Stuttgart hatten die mutmaßlichen Islamisten besonders die Abläufe bei der Fluggastkontrolle im Blick, wie Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) mitteilte. Sie hielten sich demnach in auffälliger Weise in den Terminals auf. Strobl bestätigte, dass es Bezüge der Verdächtigen ins islamistische Milieu gibt. "Wir haben keine Anzeichen für eine konkrete Gefährdungslage", sagte Strobl dem SWR. "Es gibt aber Hinweise, die die Sicherheitsbehörden dahingehend auswerten."

Unter den vier identifizierten Personen, gegen die ermittelt wird, ist ein Vater und ein Sohn. Sie sind der französischen Polizei bereits zwei Tage nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt aufgefallen, als sie am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle Fotos vom Terminal machten. Laut SWR-Recherchen sind sie die Männer, die auch am Stuttgarter Flughafen gesichtet wurden. Sie konnten anhand von Videoaufzeichnungen identifiziert werden.

Konkrete Warnung des marokkanischen Sicherheitsdienstes

Auf die Spur gekommen sind die Ermittler den Männern durch Hinweise marokkanischer Sicherheitsbehörden. Diese hatten nach SWR-Recherchen verdächtige Chats abgefangen und deutschen Behörden übermittelt. Darin ist von einem Anschlag auf einen Flughafen im deutsch-französischen Grenzgebiet als Rache für die westliche Politik die Rede: "Sie führen Krieg gegen den Islam, meine Brüder und ich sind hier, um sie zu bekämpfen", steht unter anderem in den Chats. "Werde ich alleine sein?", fragt eine Person. "Nein, wir sind mehrere!", lautet die Antwort. Die marokkanischen Behörden übermittelten auch die Namen der Verdächtigen.

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Fotografierende Männer mit weißem Mercedes Sprinter

Verbindendes Element bei den Beobachtungen an Flughäfen war dann ein weißer Mercedes Sprinter-Kastenwagen mit deutschem Kennzeichen. Mit einem solchen waren zwei Männer am Pariser Flughafen unterwegs, die sich auffällig verhielten. Der Beifahrer des Wagens war vor einem Terminal ausgestiegen und hatte Fotos vom Gebäude gemacht. Wer die Männer waren, konnte nicht festgestellt werden, aber das Fahrzeug wurde überprüft.

Der Fahrzeughalter ist einer der Männer, vor dem der marokkanische Geheimdienst die Behörden gewarnt hatte. Der Mann wird der salafistischen Szene zugerechnet und lebt in Nordrhein-Westfalen.

Die beiden Männer, die sich einen Tag zuvor, nämlich am 12. Dezember, am Stuttgarter Flughafen auffällig verhielten, indem sie ebenfalls den Flughafen und das Terminal fotografierten, wurden durch Überwachungskameras gefilmt. Eine alarmierte Streife kam zwar zu spät, im Nachhinein konnten sie jedoch identifiziert werden: als der Halter des Sprinters und dessen Sohn.

Auch weitere Flughäfen als mögliche Ziele

Neben dem Flughafen Stuttgart gelten auch weitere Flughäfen in Baden-Württemberg und Frankreich als mögliche Ziele. Konkrete Hinweise auf Ort oder Zeit für einen Anschlag haben die Sicherheitsbehörden nicht.

Ein Schild am Flughafen in Stuttgart (Foto: picture-alliance / dpa)
Gab es Ausspähversuche am Stuttgarter Flughafen? Die Behörden ermitteln

Strobl: "Keine Anzeichen für konkrete Gefährdungslage"

Die Polizei hat die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt - nicht nur am Flughafen Stuttgart, sondern an allen Flughäfen im Grenzgebiet. In Baden-Württemberg sind die Flughäfen Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Mannheim betroffen. "Wir werden die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen so lange aufrechterhalten, wie das notwendig ist, im Zweifel über das Weihnachtsfest hinweg", sagte Innenminister Strobl dem SWR. Am Euroairport Basel Mulhouse Freiburg gibt es derzeit keine Sicherheitsverschärfungen.

Auch die französischen Behörden reagierten in Straßburg und Mulhouse entsprechend. Dabei setzt die Polizei insbesondere auf Präsenz- und Kontrollmaßnahmen. Der Flugbetrieb findet aber wie geplant statt.

+++Aktuell+++ Uns liegen Erkenntnisse vor, die eine erhöhte Präsenz durch robuste Polizeikräfte am @STR_Airport erfordern. Der Flugbetrieb am #Flughafen #Stuttgart wird durch unsere Maßnahmen nicht beeinträchtigt. #EinsatzSTR https://t.co/3vXVijUtg5

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