Das Kernkraftwerk Fessenheim spiegelt sich im Fluss (Foto: dpa Bildfunk, SWR, Picture Alliance)

Interview nach Entwarnung in AKW Fessenheim AKW Fessenheim ist "Abschalt-Kandidat Nummer eins"

Der Störfall im AKW Fessenheim am Dienstag ist als Null-Ereignis eingestuft worden. Wie aber steht es generell mit dessen Sicherheit? Eine Einschätzung von SWR-Umweltexperte Werner Eckert.

Nach dem Vorfall im grenznahen AKW Fessenheim sei laut SWR-Umweltexperte Werner Eckert bei den Messstationen, die auf deutschem Boden stehen, keine Erhöhungen der Radioaktivität festzustellen. Die Angaben dazu ließen sich online finden. Das sage aber nichts darüber aus, ob am Dienstag nicht doch irgendwo in Frankreich eine geringe Menge entwichen sein könnte. Eckert hält es aber für unwahrscheinlich, denn bei dem Vorfall habe es sich noch nicht einmal um eine Störung, sondern um ein technisches Problem an einem Ventil in einem nichtradioaktiven Teil des AKW gehandelt. Man spreche hier von einem Null-Ereignis.

Trotzdem gilt Fessenheim ja als sehr pannenanfälliger Atommeiler in Europa. Es ist mit vierzig Jahren das älteste noch laufende Atomkraftwerk Frankreichs. Wie hoch schätzen Sie insgesamt das Sicherheitsrisiko ein?

Eckert: "Unter den Kraftwerken in Frankreich ist es sicher eines, das die größten Sicherheitsprobleme hat. Es ist eines, das in einem Umfeld steht, wo sehr viele Menschen betroffen sind. Übrigens nicht nur auf deutscher Seite, Freiburg ist keine dreißig Kilometer weg, sondern auch auf französischer Seite. Colmar und im weiteren Verlauf auch andere große Städte sind in der Nähe. Die Franzosen haben also auch ein eigenes vitales Interesse. Das Kraftwerk in Fessenheim hat ein paar Probleme, die immer wieder diskutiert worden sind: Relativ dünne Fundamente und das im Rheingraben, wo man immer ja auch mit Erdbeben rechnen muss. Es hat keine Absturzsicherheit wie viele andere Kraftwerke bei Unfällen und es hat einen Druckbehälter, der aus jenem Stahl aus dem Areva Werk in Le Creusot ist, von dem ganz, ganz viele fehlerhafte Druckbehälter mit sehr vielen Mikrorissen drinnen ausgeliefert worden sind. Also da kommt schon was zusammen und Fessenheim ist sicher der Abschalt-Kandidat Nummer eins."

Sie haben die Nähe zu Deutschland ja schon angesprochen - Freiburg nur dreißig Kilometer entfernt. Wenn da einmal wirklich große Mengen an Radioaktivität austreten sollten, in welchem Umfang wäre Deutschland davon betroffen?

Eckert: "Deutschland wäre mutmaßlich sehr stark betroffen. Das ist ja auch der Grund, warum sich die Anwohner rechts des Rheins so sehr um dieses Kraftwerk bemühen und sich sehr sorgen. Da ist einmal Freiburg, im weiteren Verlauf aber auch Stuttgart. Wir müssen davon ausgehen, dass wir relativ häufig Westwind und Südwestwindlagen haben. Und da geht es halt wirklich bei einem kräftigen Wind so, dass, nach einer Studie des Ökoinstituts, bis Würzburg im Grunde mit merklichen Erhöhungen der Radioaktivität gerechnet werden müsste. Also Deutschland ist da betroffen."

Der französische Präsident Macron hat schon im November angekündigt, Fessenheim bis zum Sommer 2020 zu schließen. Ist dieser Plan wirklich realistisch und umsetzbar?

Eckert: "Der französische Umweltminister hat sich nach Emmanuel Macrons Rede sogar noch etwas weiter festgelegt. Die beiden Blöcke in Fessenheim sollen im März und im August 2020 stillgelegt werden. Also insofern denke ich mal, nach dem langen hin und her, mal sollte es vom Netz, mal dann doch wieder nicht, dürfte das jetzt doch die endgültige Abschaltung bedeuten. Zumal das Kraftwerk in Flamanville - ein neues Atomkraftwerk - wohl auch im Sommer nächsten Jahres dann doch ans Netz geht. Und das bedeutet, dass die Franzosen ihre Sorge vor Stromengpässen dann auch überwunden haben. Das könnte es ihnen leichter machen, Fessenheim auch wirklich stillzulegen."

STAND