Ein Leben für den Umweltschutz Fernsehjournalist Horst Stern ist tot

Der Umweltschützer und Fernsehjournalist Horst Stern ist tot. Bekannt wurde Stern mit "Sterns Stunde", produziert vom Süddeutschen Rundfunk (SDR).

Horst Stern (Foto: Imago, imago stock&people)
Horst Stern (Archivbild) Imago imago stock&people

Stern starb nach Angaben seines Sohnes am vergangenen Donnerstag nahe Passau im Alter von 96 Jahren. Stern, 1922 in Stettin geboren, wollte eigentlich Schriftsteller werden, landete aber dann im Journalismus: Er arbeitete zuerst bei Zeitungen, später kam er zum Rundfunk. 1948 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt arbeitete Stern zunächst in Ludwigsburg als Dolmetscher. Nach einer Banklehre begann er 1950 als Gerichtsreporter bei den "Stuttgarter Nachrichten". 1974 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Stuttgart.

Missstände aufgedeckt

Mit eindrucksvollen, teils drastischen Filmaufnahmen und Kommentaren hatte Stern in den Siebziger Jahren vor einem gedankenlosen Umgang mit der Natur gewarnt und Missstände aufgedeckt. So war er beispielsweise einer der ersten, der in sogenannte Hühnerbatterien ging und Filme über Massentierhaltung machte.

Dauer

Durch die vom SDR produzierte und in der ARD ausgestrahlte Sendung "Sterns Stunde" wurde Horst Stern auch überregional bekannt. 1975 gründete er unter anderem mit Bernhard Grzimek den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Für seine Auslassung über Tierversuche in der Pharmabranche, Waldschutz und das Thema Jagd wurde Stern teilweise bedroht, er und die ARD beschimpft.

Zweites Leben als Autor in Irland

In einem Fall musste er sogar auf Anraten der Kriminalpolizei kurzzeitig "untertauchen" und floh nach Frankreich. Nach seiner Fernsehkarriere lebte Stern in Irland, wo er belletristische Literatur schrieb und die Zeitschrift "Natur" gründete. Sein historischer Roman "Mann aus Apulien" über Kaiser Friedrich II. von 1986 wurde ein Bestseller. Zuletzt lebte Horst Stern in Passau (Bayern).

Trauer um Stern

"Mit Horst Stern haben wir einen der bedeutendsten Dokumentarfilmer des Landes verloren", würdigte SWR-Intendant Peter Boudgoust das Schaffen Sterns. "Für den damaligen SDR hat er mit der Reihe 'Sterns Stunde' in den 1970er-Jahren Meilensteine des dokumentarischen Tierfilms und gleichzeitig die Grundlage für einen kritischen Naturjournalismus geschaffen. Horst Stern war nicht nur ein herausragender Journalist, sondern auch ein unermüdlicher Kämpfer für Tierethik und ein ökologisches Bewusstsein. Dabei war sein Vorgehen oft provokativ, aber stets reflektiert und von großem Sachverstand geprägt."

BUND-Vorsitzender Hubert Weiger sagte am Montag: "Wir haben einen großen Naturschützer für Deutschland verloren, der bereits in den 1970er-Jahren die Grundlage gelegt hat für die heutige Bedeutung des Natur- und Umweltschutzes."

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