Radfahrer fahren nach der Eröffnung des Radschnellwegs zwischen BöblingenSindelfingen und Stuttgart an einer Aufschrift auf dem Asphalt vorbei (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)

Fahrradverkehr Radschnellwege in BW - die wichtigsten Fragen und Antworten

Die baden-württembergische Landesregierung will mehr in Radschnellwege investieren. Doch wie sehen solche Fahrradfahrer-Highways eigentlich aus, was sollen sie leisten, und lohnt sich der Bau überhaupt?

Was sollen Radschnellwege leisten?

Radschnellwege sollen Autobahnen für Radfahrer sein - also schnellen und ungehinderten Radverkehr ermöglichen. Im Idealfall sollen Radschnellwege ein Anreiz für Pendler sein, vom Auto oder dem Nahverkehr auf das Rad umzusteigen. Daher sollen Radschnellwege laut ADAC vor allem Städte mit dem Umland verbinden und von mindestens 2.000 Radlern am Tag genutzt werden, um Straße und Schiene zu entlasten. Vor allem durch die immer beliebteren Pedelecs werden Radschnellwege demnach zu einer guten und gangbaren Alternative.

Wie sieht ein guter Radschnellweg aus?

Auf einem Radschnellweg sollen zwei Radler nebeneinander Platz haben, während gleichzeitig ein Dritter überholen kann. Der ADAC empfiehlt eine Breite von mindestens vier Metern, wenn der Weg in beide Richtungen befahrbar sein soll. Außerdem sollten Kreuzungen und starke Steigungen möglichst vermieden werden, um eine Reisegeschwindigkeit von mindestens 20 Kilometern pro Stunde zu realisieren. Um den schnellen Pedelecs und den Ansprüchen von Berufspendlern gerecht zu werden, soll ein Radschnellweg zwischen fünf und 15 Kilometern lang sein. Gerade im Herbst und Winter ist auch ein gut befahrbarer Straßenbelag und eine durchgehende Beleuchtung wichtig.

Wie teuer sind Radschnellwege?

Je nach Zahl der Brücken, Unterführungen und Tunnel kann ein Kilometer zwischen einer halben und zwei Millionen Euro kosten. Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sind Radschnellwege damit vergleichsweise günstig, ein Kilometer Autobahn sei fünfmal so teuer. Außerorts sind Radschnellwege leichter realisierbar als in Städten, wo viele Brücken oder Unterführungen notwendig wären, um Kreuzungen mit Autofahrern oder Fußgängern zu umgehen. Eine Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg Ruhr in Nordrhein-Westfalen hat ergeben, dass der Nutzen des Radschnellwegs - durch die positiven Auswirkungen etwa für Gesundheit und Umwelt - fast fünfmal so hoch ist wie die Kosten.

Wo gibt es in Baden-Württemberg schon Radschnellwege?

Der erste und bisher einzige Radschnellweg in Baden-Württemberg wurde Ende Mai freigegeben. Er ist rund acht Kilometer lang und verbindet die Stadtränder von Stuttgart und Böblingen miteinander. Das Verkehrsministerium hat bisher 50 potenzielle Strecken untersucht, drei sind konkret geplant: von Heidelberg nach Mannheim, von Heilbronn nach Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) und von Stuttgart nach Plochingen (Kreis Esslingen). Weitere vier Strecken sind im Freiburger und Karlsruher Raum angedacht.

Wo steht Baden-Württemberg im Vergleich?

Laut dem ADFC steht Baden-Württemberg im Bundesvergleich gut da. Anderswo gebe es zwar auch einzelne und teils sehr ambitionierte Projekte, so flächendeckend wie hier werde der Ausbau aber nirgendwo vorangetrieben. Allerdings brauchen Radschnellwege in der Planung und Umsetzung sehr viel Zeit. So wird ein Pilotprojekt von Mannheim nach Heidelberg zum Beispiel aktuell geplant, soll aber frühestens 2022 in den Bau gehen. "Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass das viel schneller passiert", sagt Kathleen Lumma vom ADFC Baden-Württemberg. "Aber da hat Deutschland schlicht und ergreifend den Anschluss verpasst, und das gilt es jetzt mit schlanken Planungsprozessen nachzuholen." In den Niederlanden, das neben Belgien und Dänemark zu den Pionieren im Bau von Radschnellwegen zählt, existiert bereits ein 300 Kilometer langes Radschnellwege-Netz.

STAND