Mehrere Raupen, sogenannte Eichenprozessionsspinner an einem Baum (Foto: SWR)

Stadt Stuttgart bekämpft giftige Raupennester Spezialsauger entfernt Eichenprozessionsspinner an Bäumen

Zuletzt mussten in Baden-Württemberg zahlreiche öffentliche Bereiche wegen gefährlicher Eichenprozessionsspinner evakuiert werden. Am Dienstag gab es auch in Stuttgart einen Einsatz gegen die haarigen Raupen.

Ausgerüstet mit einem Schutzanzug, einer Gasmaske, einer Sicherheitsbrille und Handschuhen haben Experten in Stuttgart zahlreiche Bäume von Eichenprozessionsspinnern befreit. Mit Hilfe eines Sauggeräts wurden die gefährlichen Raupen aufgenommen und abgetragen. Der Rest der Nester wurde vorsichtig ausgeschabt und von der Baumrinde entfernt.

Experte befreit Baum von Raupen  (Foto: SWR, Verena Neuhausen)
Experte Marcel Hoch entferte mehrere Eichenprozessionsspinner-Nester von einer Eiche am Rande des Höhenparks Killesberg. Verena Neuhausen

Insgesamt haben die Mitarbeiter am Dienstag im Höhenpark Killesberg rund 19 betroffene Bäume behandelt. Nach Angaben von Hagen Dilling, stellvertretender Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts, sind rund 2.600 Eichen in Stuttgart immer wieder von Eichenprozessionsspinnern befallen. Um das Problem einzudämmen, werden diese Bäume im Frühjahr mit einer wässrigen Neemöl-Lösung behandelt, sagte Dilling.

Im laufenden Jahr seien die Experten bereits 100 Mal ausgerückt, um Bäume von dem gefährlichen Insekt zu befreien. 2018 wurden laut Dilling insgesamt 450 Bäume in und um Stuttgart "abgesaugt".

Unsichtbare Gefahr

Das gefährliche an den Eichenprozessionsspinnern sind die sogenannten Brennhaare der Raupe. Sie enthalten Nesselgift. Das Gift kann Schwindel, Hautirritationen und Fieber verursachen, in Ausnahmefällen droht sogar ein lebensgefährlicher allergischer Schock.

Mehrere Fälle in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg häufen sich die Fälle von Einsätzen wegen Eichenprozessionsspinnern. Erst vergangenen Mai musste eine Schule in Bretten (Kreis Karlsruhe) mehrere Male evakuiert werden. Auch in Pforzheim klagten Messebesucher vor kurzem über Atemnot und Hautreizungen.

Auch in Freudenstadt entfernten Mitarbeiter des Baubetriebsamtes am Dienstag Eichenprozessionsspinner von befallenen Bäumen. Die Stadtverwaltung fordert die Bürger auf, neue Stellen zu melden.

Sprühaktionen im Waldgebiet

Um die Gefahr durch die Eichenprozessionsspinner in Wäldern einzudämmen, gab es im Frühjahr in einigen Regionen Sprühaktionen zur Bekämpfung der Raupen. Dabei kommt ein biologisches Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, das von den Raupen über die Blätter aufgenommen wird und sie schließlich vernichtet.

Der Eichenprozessionsspinner ist in Wäldern in den Landkreisen Main-Tauber, Rems-Murr, Ostalb, Böblingen und Alb-Donau besonders stark verbreitet. Zahlen von 2007 und 2018 zeigen die Verbreitung der Raupe in Baden-Württembergs Wäldern:

Naturschützer kritisieren Hubschraubereinsatz

Die Sprühaktionen gegen den Eichenprozessionsspinner stößt bei Naturschutzverbänden auf Kritik. NABU und BUND haben in der Vergangenheit Bedenken geäußert. Durch Hubschraubereinsätze würden zu viele andere Schmetterlingsraupen getötet. Zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners könne man auch Traktoren einsetzen, die - ähnlich wie in Weinbergen - die betroffenen Eichen zielgenau von unten besprühen.

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