Kaputter Wald (Foto: SWR, Katharina Thoms)

Waldbegehung des Ministerpräsidenten im Südschwarzwald Kretschmann: "Man darf den Wald nicht sich selbst überlassen"

Ministerpräsident Kretschmann betrachtet den Zustand des Waldes als große Herausforderung und spricht von einer "schockierenden Lage". Am Dienstag war er mit Experten im Südschwarzwald unterwegs.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Zwei Hitze-Sommer in Folge und Bäume, die immer stärker von Schädlingen befallen sind: Der Wald in Baden-Württemberg hat zunehmend Probleme. Verbreitet gibt es massive Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer.

Gemeinsam mit Forstminister Peter Hauk (CDU) besuchte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Schwarzwaldgemeinde Ühlingen-Birkendorf (Kreis Waldshut) Wälder, in denen es Schäden gibt. Geführt wurde die Exkursion von Forstexperten aus dem Landkreis. Sie zeigten Kretschmann einen naturbelassenen Bannwald sowie einen Wirtschaftswald für die Holzverarbeitung.

Hilfen in Aussicht

Die Waldbegehung erfolgte auch mit Blick auf die kommenden Haushaltsberatungen, so der grüne Ministerpräsident. Denn da werde es auch um Hilfen für die Waldbesitzer im Land gehen.

"Unsere Aufgabe ist es, den Wald als Ganzes zu erhalten und ihn in einem guten Zustand an die kommenden Generationen weiter zu geben."

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)

Besonders Fichten sind gefährdet

Die Hitze der vergangenen Jahre habe den Wald schwer geschädigt - insbesondere Fichten. Borkenkäfer vermehren sich rasant, so die Experten vor Ort. Tausende Kubikmeter Holz, die unter anderem vom Borkenkäfer angefressen sind, –liegen allein im Kreis Waldshut.

Forstminister Hauk sagte, dass bis Ende des Jahres in ganz Baden-Württemberg dreimal mehr Holz gefällt werden müsse als üblich. Er zeigte sich auch offen für den Anbau sogenannter klimastabiler Baumarten wie zum Beispiel der Douglasie. Ziel seien elastische und belastbare Mischwälder, die sich gut auf sich ändernde Klimaverhältnisse einstellen könnten.

Kaputte Baumrinde (Foto: SWR, Katharina Thoms)
Schädlingsbefall macht Bäumen zu schaffen. Katharina Thoms

Notfallplan angekündigt - bundesweiter Waldgipfel geplant

Unter dem Eindruck schwerwiegender Waldschäden nach zwei trockenen Sommern hatte Hauk bereits einen Notfallplan in Aussicht gestellt. Zusätzlich fordert er Hilfszahlungen vom Bund.

Nach Einschätzung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sind für die Bewältigung der Waldschäden in den kommenden Jahren bundesweit mindestens 1,5 Milliarden Euro nötig. Am 25. September will sie bei einem "Waldgipfel" mit den Ländern über konkrete Hilfen sprechen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) lässt sich den Borkenkäfer zeigen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schaut sich Borkenkäferschäden an. Picture Alliance

Wald drohe der "Klimakollaps"

Die Arbeitsgemeinschaft Wald, ein Zusammenschluss mehrerer Forstverbände, sprach angesichts des Besuchs von einem "Zeichen, dass die Landesregierung die akute Situation in unseren Wäldern erkannt hat und gewillt ist, Waldbesitzer und Forstleute in ihrer Arbeit um die Erhaltung der Wälder zu unterstützen." Dem Wald drohe der "Klimakollaps", mehr Personal und Gelder seien dringend erforderlich.

Auch die Gewerkschaft IG Bau forderte mehr Forstwirte für den Staatswald und Berater. "Um den Wald besser an den Klimawandel anzupassen, muss er großflächig angepasst und noch intensiver gepflegt werden", teilte ein Sprecher mit.

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