Eine Lehrerin schreibt am 23.04.2015 mit Kreide an die Tafel. Thüringens Schulen bereiten sich auf einen weiteren Schwung neuer Lehrer vor.  (Foto: SWR)

Elternvertreter in Baden-Württemberg schlagen Alarm "Verheerende Situation" durch Unterrichtsausfall

So viele Schulstunden fielen lange nicht aus - die Situation sei katastrophal, beklagen Elternvertreter. Sie fühlen sich mit der Situation allein gelassen und sehen die grün-schwarze Landesregierung in der Pflicht.

Elternvertreter an Gymnasien fühlen sich mit ihrer Sorge wegen Unterrichtsausfällen an den Schulen von der grün-schwarzen Landesregierung nicht ernst genommen. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Elternbeiräte an Gymnasien (Arge) im Regierungsbezirk Stuttgart, Michael Mattig-Gerlach, sprach am Freitag von einer "verheerenden Situation" an den Schulen, weil es zu wenig Lehrerstellen gebe.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) müsse bei Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) mehr Stellen einfordern. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sei selbst Lehrer gewesen. Dass er diese Situation akzeptiere, sei unbegreiflich.

"Dass die Leistungen runtergegangen sind, liegt nicht daran, dass die Schüler blöder geworden sind"

Michael Mattig-Gerlach, Arge-Sprecher

Mattig-Gerlach erklärte, dass die Leistungen der Schüler zurückgegangen seien, habe nichts damit zu tun, dass die Schüler blöder geworden seien - es stelle sich vielmehr die Frage, ob das damit zusammenhänge, dass sie nicht den Unterricht bekämen, den sie verdienten.

Zu viel Unterrichtsausfall - Klage in Vorbereitung

Man wolle sich nicht damit zufrieden geben, dass irgendwann etwas an der Situation verbessert werde. Deshalb verfolgen die Elternvertreter inzwischen juristische Schritte: Mattig-Gerlach bekräftigte Pläne, wonach die Arge Stuttgart vor dem Verwaltungsgericht wegen der Unterrichtsausfälle klagen will.

Mittlerweile gebe es auch einen konkreten Schüler, der über den Unterrichtsausfall an seiner Schule Buch geführt habe und dessen Fall vor Gericht verhandelt werden solle. Die Arge argumentiert, dass der Schüler in Konkurrenz zu jungen Menschen aus anderen Bundesländern wegen des hohen Unterrichtsausfalls in Baden-Württemberg geringere Zukunftschancen habe. Wann die Klage eingereicht und wie sie finanziert wird, ist laut Mattig-Gerlach aber noch offen.

Können Quereinsteiger aushelfen?

"Baden-Württemberg schafft es, eine Milliarde Euro an Schulden zu tilgen", sagte Mattig-Gerlach mit Verweis auf die Tilgungspläne der Landesregierung für den Landeshaushalt 2018/2019. Zugleich sei es aber offenkundig nicht möglich, den Schulunterricht sicherzustellen. Die Arge Stuttgart fordert neben zusätzlichen Planstellen an den Schulen auch kurzfristige Maßnahmen wie die zeitweise Einstellung von Quereinsteigern in den Schuldienst, um die Lage zu entspannen.

Kultusministerin verweist auf Lehrermangel

Kultusministerin Eisenmann weist den Vorwurf der Arge zurück, dass im Land zu wenig gegen Unterrichtsausfall getan werde. Sie verwies auf ein Maßnahmenpaket gegen Lehrermangel und darauf, dass es derzeit einen Bewerbermangel gebe. "Der Fachkräftemangel schlägt sich leider auch auf dem Lehrermarkt nieder." Damit hätten alle Bundesländer zu kämpfen - der Mangel sei in anderen Gegenden sogar noch deutlich höher.

Baden-Württemberg halte daran fest, nur voll ausgebildete Lehrer dauerhaft in den Schulen einzustellen. Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, blieben nur zwei strukturelle Maßnahmen: größere Klassen oder eine Anhebung der Unterrichtsverpflichtung für die Lehrer. "Es besteht politisch Konsens, dass wir diese beiden Wege nicht gehen wollen."

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