Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech, steigt am Montag (15.04.2002) aus dem neuen 1-Liter-Auto von VW in Hamburg. Der scheidende Vorstandschef hat die Strecke von Wolfsburg in die Hansestadt anlässlich der Hauptversammlung 2002 der Volkswagen AG in dem verkehrstauglichen Konzeptfahrzeug zurückgelegt. Der Wagen verbraucht weniger als einen Liter Kraftstoff auf einhundert Kilometern.  (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa - Bildfunk)

Ein Manager mit "Pioniergeist" Trauer um langjährigen VW-Chef Piëch

Jahrelang stand Ferdinand Piëch an der Spitze des größten deutschen Autokonzerns VW. Wegbegleiter würdigen sein Schaffen - auch bei Porsche, wo Piëchs Karriere begann.

Nach dem Tod des langjährigen Volkswagen-Chefs Ferdinand Piëch haben Wegbegleiter aus Wirtschaft und Politik ihren Respekt vor der Lebensleistung des Managers ausgedrückt. Porsche-Chef Oliver Blume sagte am Dienstag in Stuttgart: "Seine Liebe zum Automobil und sein steter Wille, den technischen Fortschritt voranzutreiben, bleiben für immer unvergessen." Mit Leidenschaft und Mut habe der Enkel von Ferdinand Porsche das Unternehmen zu "außerordentlichen Ingenieursleistungen" geführt und die Weichen für eine erfolgreiche Entwicklung gestellt.

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16:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Piëch, später jahrelang Vorstands- und Aufsichtsratschef des VW-Konzerns, hatte seine berufliche Laufbahn den Angaben zufolge 1963 als Sachbearbeiter im Motorenversuch bei Porsche begonnen. In den folgenden Jahren brachte er die Rennabteilung der Stuttgarter voran. So habe der Sieg des Porsche 917 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1970 eine neue Ära eingeleitet, teilte die VW-Tochter mit. Von 1981 bis 2015 gehörte Piëch dem Porsche-Aufsichtsrat an.

"Piëch war ein Automobilmann durch und durch."

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender Porsche AG

Der frühere Betriebsratsvorsitzende von Porsche, Uwe Hück, sagte dem SWR, Piëch habe "VW groß und stark gemacht" und somit sichere Arbeitsplätze geschaffen. Der Manager sei immer für die Arbeitnehmer da gewesen, man habe sich auf ihn verlassen können.

Ferdinand Piëch sei ein Profi gewesen, "aber er war auch Mensch", so Hück. Er hob besonders dessen Pioniergeist hervor. Piëch habe nicht nach Umfrageergebnissen geschaut, sondern nach seinem Verstand, seinem Bauch und seinem Gefühl agiert. Solche Manager und Charaktere würde er sich wieder wünschen, sagte Hück, und dies habe ihn an Piëch auch fasziniert.

Kritik an Umgang mit Wiedeking

Kritisch äußerte sich Hück allerdings zu Piëchs Umgang mit dem ehemaligen Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking. Ohne Details zu nennen, sagte Hück: "Diesen Umgang hat er überhaupt nicht verdient. Das hat mich sehr verletzt und verletzt mich heute immer noch." Hintergrund ist die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen.

"Stratege und Auto-Enthusiast"

Auch die Familien Porsche und Piëch haben das Lebenswerk des Verstorbenen gewürdigt. "Wir trauern mit der Familie um Ferdinand K. Piëch, den außergewöhnlichen Manager und Ingenieur, den Strategen und ganz einfach auch den Auto-Enthusiasten, der er zeitlebens war", schrieb Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der VW-Dachgesellschaft Porsche SE und Cousin Piëchs, am Dienstag in einer Mitteilung. Mit dem Cousin verbänden ihn viele gemeinsame Erinnerungen. "Im Mittelpunkt stand dabei das Ringen um das Erbe unseres Großvaters Ferdinand Porsche, das wir erfolgreich weitergeführt haben."

Sein Bruder habe die deutsche Autoindustrie geprägt wie kein Zweiter, betonte Hans Michel Piëch in der Mitteilung. "Und er war eng verbunden mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Volkswagen-Konzerns, in guten wie in schlechten Zeiten."

Porsche und Hans Michel Piëch sind die Sprecher ihrer jeweiligen Familienzweige, die gemeinsam die Porsche SE kontrollieren. Auch Ferdinand Piëch war dort einst großer Anteilseigner und Aufsichtsratsmitglied, hatte sich aber aus der Holding zurückgezogen.

"Großer Manager und Ingenieur"

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh würdigte Piëch als großen Manager und Ingenieur. "Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung", sagte Osterloh am Dienstag. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, Piëch sei "einer der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" gewesen. Mit seinem Namen sei der Aufstieg von Volkswagen zum Weltkonzern verbunden.

Langjähriger Vorstandsvorsitzender

Piëch war am Sonntag im Alter von 82 Jahren "plötzlich und unerwartet" gestorben, wie seine Ehefrau Ursula Piëch mitteilte. Der Enkel von Ferdinand Porsche und frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre.

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