Zwei Frauen sitzen im Brautkleid bei ihrer Trauung auf zwei Stühlen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, (c) dpa)

Landeskirche beschließt Gesetz Evangelische Kirche in Württemberg erlaubt Segnung gleichgeschlechtlicher Paare teilweise

Die württembergische Landessynode hat die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht. Bundesweit einmalig ist, dass auch Personen des "dritten Geschlechts" einbezogen sind.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg will Gottesdienste anlässlich der Eheschließung von gleichgeschlechtlichen Paaren weder vorschreiben noch generell verbieten. Mit 65 von 90 Stimmen hat die württembergische Landessynode am Samstagmorgen in Stuttgart das Gesetz mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet.

Segnung in jeder vierten Kirche möglich

Nach dem aktuellen Kompromissvorschlag soll in einem Viertel der Kirchengemeinden eine öffentliche Segnung homosexueller Paare möglich sein, und zwar solcher Paare, die eine staatlich anerkannte Partnerschaft oder Ehe eingegangen sind. Außerdem müssen drei Viertel der Mitglieder des jeweiligen Kirchengemeinderats zustimmen.

Sollten sich mehr Gemeinden dafür aussprechen, wäre eine landeskirchenweite Regelung nötig. Dazu müsste die Synode erneut beraten und abstimmen. Das Gesetz schließt auch Menschen des dritten Geschlechts ein, die also weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht angehören.

Gespaltene Ansichten

Vor der Abstimmung hatte Landesbischof Frank Otfried July an die Synode appelliert, dem Gesetz zuzustimmen. Er nannte die Diskussion um das Gesetz und das Gesetz selbst "ein Zeichen in einer polarisierten Gemeinschaft". Er räumte ein, dass die Situation belastend und herausfordernd für Viele sei. Doch "Kirche ist kein Verein sich selbst bestätigender Milieus - sondern Gemeinschaft unter dem Kreuz auf den Weg durch die Zeit und die darin gestellten Fragen".

Die Meinungen zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gehen weit auseinander: Die Bibel verurteile homosexuelle Praktiken, weshalb die Kirche keine Segnung vornehmen könne, sagen die einen. Andere meinen: Wo in staatlich anerkannten Partnerschaften Verantwortung gelebt wird, da darf die Kirche auch den Segen Gottes zusprechen.

In Baden sind homosexuelle Paare gleichgestellt

Bislang war für homosexuelle Paare in der württembergischen Landeskirche eine Segnung im privaten Rahmen, aber kein öffentlicher Gottesdienst möglich. 2017 war der Vorstoß gescheitert, Segnungen landeskirchenweit als Amtshandlung einzuführen. Die erforderliche Mehrheit war um zwei Stimmen verfehlt worden.

Die Württembergische Landeskirche und die Kirche in Schaumburg-Lippe waren bislang bundesweit die einzigen, in denen eine öffentliche Segnung von homosexuellen Paaren nicht erlaubt ist. In der Evangelischen Landeskirche in Baden sind homosexuelle Paare heterosexuellen gleichgestellt, sodass sie eine kirchlich anerkannte Ehe eingehen können.

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