Dritte globale Demonstration "Alle fürs Klima" Zehntausende in Baden-Württemberg demonstrieren für das Klima

An den globalen "Klimastreiks" beteiligten sich bisher in Baden-Württemberg zehntausende Teilnehmer. Zum wohl größten Demonstrationszug am Freitag in Freiburg kamen laut Polizei rund 20.000 Menschen.

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Beim dritten globalen "Klimastreik" hofften die Aktivisten in Baden-Württemberg auf zehntausende Teilnehmer - die Zahl wurde bereits am Mittag erreicht. Einem Sprecher zufolge sollte es im Laufe des Tages in Freiburg, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Ulm, Heilbronn, Konstanz und weiteren Städten Proteste geben. Der Aufruf richtet sich an alle Menschen und Generationen. Auch die Gewerkschaften und die Kirchen unterstützen den "Klimastreik" am Freitag.

In Freiburg hat sich der Demonstrationszug bereits gegen 10 Uhr vom Platz der Alten Synagoge aus in Bewegung gesetzt. Die etwa drei Kilometer lange Strecke führte rund um die Freiburger Altstadt. Neben Jugendlichen hatten sich auch viele Erwachsene in der Innenstadt versammelt.

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Laut Polizei waren mehr als 20.000 Teilnehmer beteiligt. Die Veranstalter sprachen gar von 30.000 Teilnehmern. Das ist für Freiburg die größte Demo seit Kriegsende. "Das ist ein eindrucksvolles und starkes Signal der Bürger", sagte Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos). Während der Veranstaltung kam es zu Verkehrsproblemen. Der Straßenbahnverkehr musste wegen der Menschenmassen kurzzeitig eingestellt werden.

Ein Hund mit einem Schild im Maul, auf dem "Klimaschutz Hund" steht (Foto: SWR)
Bei der Kundgebung in Karlsruhe nahmen nicht nur Menschen aller Generationen teil, sondern auch dieser "Klimaschutz-Hund"

In Karlsruhe kamen am Vormittag 11.000 Demonstranten auf den Friedrichsplatz. Im Vorfeld hatten die Veranstalter mit mindestens 2.000 Teilnehmern gerechnet. Bereits am Donnerstag hat in Karlsruhe eine Aktionswoche zum Klimaschutz begonnen, an der sich neben "Fridays for Future" 27 Verbände und Organisationen beteiligen.

Demonstranten beim "Klimastreik" in Karlsruhe (Foto: SWR)
Auch Eltern kamen zur Demonstration auf dem Karlsruher Friedrichsplatz.

Rund 20.000 Teilnehmer in Stuttgart

Laut Veranstalter haben sich in Stuttgart etwa 20.000 Teilnehmer versammelt. Das sind deutlich mehr als erwartet. Bei der Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz haben unter anderem Mitglieder der "Fridays for Future"-Initiative sowie Gewerkschaftsvertreter gesprochen. Zuvor hatte es einen großen Protestzug durch die Stadt gegeben.

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Blockade der Deutschen Bank

Mitglieder des Aktionsbündnisses "Kesselbambule" haben die Deutsche Bank-Filiale in der Theodor-Heuss-Straße blockiert. Damit wollen die Aktivisten auf "große Profiteure von Umweltzerstörung und Klimawandel" aufmerksam machen, sagte ein Sprecher des Aktionsbündnisses dem SWR.

Klima-Demonstranten vor der Stuttgarter Filiale der Deutschen Bank (Foto: SWR, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Mitglieder des Aktionsbündnisses "Kesselbambule" haben die Deutsche Bank-Filiale in der Theodor-Heuss-Straße blockiert. picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Durch die Veranstaltungen kommt es auch in Stuttgart zu Behinderungen in der Innenstadt. Davon ist der Straßenverkehr wie auch der öffentliche Nahverkehr betroffen. Autofahrer wurden gebeten, die Innenstadt zu umfahren.

Die Großdemo soll in Stuttgart der Auftakt zu einer Aktionswoche bis zum 27. September sein. Die für den 26. September geplante Menschenkette um den Landtag sei jedoch nicht genehmigt worden, hieß es von "Fridays for Future" Stuttgart am Mittwoch.

Ludwigsburg: "Massensterben" führt zur kurzzeitigen Sperrung der B27

In der Region fanden weitere Demonstrationen und Proteste unter anderem in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), Nürtingen (Kreis Esslingen), Göppingen, Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) und auch in Magstadt (Kreis Böblingen) statt. "Fridays for Future" Esslingen hat eine Raddemo nach Stuttgart veranstaltet.

In Ludwigsburg sind nach Polizeischätzungen 1.200 bis 1.500 Demonstranten durch die Innenstadt gezogen. Auf der B27 fand ein "die in", also ein inszeniertes Massensterben, statt. Dafür musste die Bundesstraße kurz gesperrt werden.

Aktionswoche auch in Heidelberg

In Heidelberg findet eine ganze Aktionswoche zum Thema Klima und Umweltschutz statt. Sie ist am Freitag mit der Klima-Demonstration mit rund 10.000 Protestierenden gestartet. Laut Polizei war dies eine der größten Demonstrationen der vergangenen Jahre in Heidelberg. Der Demonstrationszug startete an der Stadtbücherei und endete auf dem Marktplatz mit einer Kundgebung. In der kommenden Woche folgen viele Vorträge und kleinere Aktionen, wie "Scientists for Future" und "Parents for Future", bevor die Veranstaltungen dann mit einer zweiten Demonstration am 27. September enden. Dann wollen die Aktivisten des breiten Bündnisses um 17 Uhr am Universitätsplatz durch die Innenstadt ziehen.

In Reutlingen, Tübingen und Albstadt-Ebingen startete der "Klimastreik" um 11 Uhr. Eine halbe Stunde später sollte es in Rottweil und Villingen-Schwenningen losgehen.

Klimademonstration in Reutlingen (Foto: SWR)
In Reutlingen haben sich zahlreiche Klimademonstranten versammelt.

In Tübingen ist die Großdemonstration "Alle fürs Klima" Anlass für eine Aktion der Stadt: Wer für einen Monat Autoschlüssel, Führerschein und Fahrzeugschein abgibt, erhält im Tausch eine Monatskarte für Bus und Bahn in Tübingen. Dazu betreibt die Stadt an der Neckarbrücke/Ecke Gartenstraße am Freitag zwischen 10 und 10:45 Uhr einen Stand. Ansonsten kann der Tausch nach vorheriger Anmeldung bis einschließlich 27. September im Rathaus vorgenommen werden.

In der Region Bodensee-Oberschwaben beteiligen sich auch viele kleinere Städte und Gemeinden am "Klimastreik". Die größte Demonstration der Region dürfte in Konstanz stattfinden. Hier ging der Marsch um 11:30 Uhr los. Laut Polizei beteiligen sich rund 10.000 Menschen, erwartet hatte man 2.000. Unterstützung gibt es auch von der Stadt Konstanz, die dieses Jahr den Klimanotstand ausgerufen hatte. Sie hat den Mitarbeitern der Verwaltung zur Teilnahme an der Demonstration freigegeben. Auch viele Geschäfte haben geschlossen, um ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit zur Teilnahme zu geben. Auf der Blumeninsel Mainau finden Führungen rund zum Thema Klimaschutz statt.

Klimademo in Konstanz (Foto: SWR)
In Konstanz wurden die Mitarbeiter der Stadtverwaltung für die Demonstration freigestellt.

In Mannheim ist die Demonstration erst später gestartet: um 17 Uhr am Bahnhofsvorplatz. Erwartet wurden mindestens 1.500 Teilnehmer, laut Veranstalter kamen über 3.000. Der Demonstrantenzug verlief vom Hauptbahnhof über den Kaiserring, durch die Planken und die Breite Straße bis zum Alten Meßplatz.

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Auch in Ulm, Aalen, Heidenheim und Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) gab es Demonstrationen. Ebenso in Heilbronn und Umgebung.

DGB: Nicht ohne Absprache dem Arbeitsplatz fernbleiben

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Baden-Württemberg hat die Arbeitgeber im Land dazu aufgerufen, ihren Mitarbeitern die Teilnahme an den Demonstrationen zu ermöglichen, warnte aber auch davor, einfach ohne Absprache mit dem Chef dem Arbeitsplatz fernzubleiben. Denn Beschäftigte dürfen nur außerhalb ihrer Arbeitszeit demonstrieren, sofern ihr Arbeitgeber nichts anderes angekündigt hat. Auch selbst zum Streik aufzurufen, wäre nicht zulässig, so die Gewerkschaften. Die "Fridays for Future"-Aktivisten sprechen zwar von "Streiks". In Deutschland gibt es ein Streikrecht aber nur im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen. Die Gewerkschaften würden sich mit einer Unterstützung des Streiks für den Klimaschutz schadenersatzpflichtig machen.

Für die Kirchen ist es "fünf vor zwölf"

Breite Unterstützung für die Großdemonstration "Alle fürs Klima" kommt auch von den Kirchen. Beide Evangelische Landeskirchen sowie das Erzbistum Freiburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart haben dazu aufgerufen, die Demonstrationen und deren Ziele zu unterstützen. Viele Gemeinden wollen unter dem Motto "Für das Klima ist es fünf vor zwölf" um 11:55 Uhr die Glocken ihrer Kirchen läuten.

Mehr Klimaschutz Thema der Fraktionsklausur der Grünen

Noch vor der Großdemo verabschiedete die Landtagsfraktion der baden-württembergischen Grünen am Donnerstag bei ihrer Klausur in Herrenberg (Kreis Böblingen) ein Papier für mehr Klimaschutz in Landwirtschaft, Waldwirtschaft und Ernährungsbranche. Darin geht es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem um eine Ausweitung des Ökolandbaus, Maßnahmen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln, einen besseren Schutz von Mooren und die Förderung naturnaher Wälder mit heimischen Laubbaumarten. Offiziell vorgestellt wurden die Ergebnisse am Freitag in Stuttgart.

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