Demonstration in Freiburg für Seenotrettung (Foto: SWR)

Deutschlandweite Proteste Tausende Baden-Württemberger demonstrieren für Seenotrettung

Aus Solidarität mit zivilen Seenotrettern haben am Samstag auch in Baden-Württemberg tausende Menschen demonstriert. Die Veranstalter wenden sich gegen einen "Notstand der Menschlichkeit".

"Seenotrettung ist kein Verbrechen", skandierten die rund 200 Teilnehmer der Kundgebung in Freiburg. Wie in zahlreichen anderen Städten in Baden-Württemberg und ganz Deutschland sind sie auf die Straße gegangen, um Solidarität mit den zivilen Seenotrettern im Mittelmeer zu demonstrieren. Sie forderten, dass die Schiffe der Seenotretter in europäische Häfen einfahren dürfen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Als Redner trat der Freiburger Lorenz Schramm auf. Er war zeitweise Teil der Crew der "Sea-Watch 3" – das Schiff von Kapitänin Carola Rackete, die mittlerweile zur Symbolfigur der zivilen Seenotrettung geworden ist. Sie war jüngst mit dem Schiff und 40 Migranten an Bord unerlaubt in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gefahren und daraufhin festgenommen worden. Die Behörden stellten sie unter Hausarrest, den ein Gericht nach vier Tagen jedoch aufhob. Das Schiff wurde beschlagnahmt. "Wir retten Menschen aus Seenot, das ist unsere Aufgabe", sagte Schramm in Freiburg. "Wir haben nichts zu verbergen, deshalb hoffe ich, dass wir bald wieder fahren und weiter retten."

Demonstranten rufen "Notstand der Menschlichkeit" aus

Auch in vielen anderen baden-württembergischen Städten gab es Demonstrationen, die vom Bündnis "Seebrücke" organisiert wurden. Nach Angaben des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg fanden in Aalen (Ostalbkreis), Biberach an der Riß, Esslingen, Freiburg, Friedrichshafen, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Pforzheim, Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), Stuttgart, Tübingen und Ulm Veranstaltungen statt. Viele der Demonstrationen riefen den "Notstand der Menschlichkeit" aus – analog zum Notstand, den Kapitänin Rackete auf der "Sea-Watch 3" ausgerufen hatte.

Die Teilnehmerzahlen laufender Veranstaltungen wurden bis zum Nachmittag auf Facebook-Einträgen der Veranstalter angegeben mit zwischen über 100 in Pforzheim und knapp 800 in Heidelberg. In Friedrichshafen sammelten die Organisatoren Unterschriften für ein Bürgerbegehren, die Stadt zum "Sicheren Hafen" zu erklären.

Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg hatte im Vorfeld der Demonstrationen eine "skandalöse Politik des Wegschauens" kritisiert. Aktuelle Beispiele seien die wochenlange Odyssee der "Sea-Watch 3" sowie der Tod von 80 Flüchtlingen vor der tunesischen Küste am Donnerstag.

STAND