Blick von oben: Traktoren während der Sternfahrt in der Stuttgarter Innenstadt  (Foto: SWR)

Demos in Stuttgart, Freiburg und Kehl Aus Protest: BW-Bauern ziehen mit Traktoren durch Städte

Landwirte aus ganz Baden-Württemberg sind am Dienstag mit ihren Traktoren durch Stuttgart gefahren, um gegen die Agrarpolitik zu demonstrieren. Auch in Freiburg und in Kehl kam es zu Protesten.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

In Stuttgart zogen Landwirte in einer Sternfahrt durch die Stadt, die unter anderem am Hauptbahnhof und am Neckartor vorbeiführte. Allein beim Sammelpunkt nahe des Cannstatter Wasens zählten die Veranstalter um die 500 Teilnehmer. In der Landeshauptstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen im Auto- sowie im Stadtbahn- und Busverkehr.

BW-Landwirtschaftsminister zu den Protesten

Am Nachmittag fand eine Kundgebung auf dem Kernerplatz statt. Dazu aufgerufen hatte die Bewegung "Land schafft Verbindung". Dabei sprach auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Für seine Äußerungen, dass es zum Beispiel im Naturschutzgebiet Insektenschutz brauche und dass es einen offenen Welthandel geben müsse, wurde der Landwirtschaftsminister von den einigen hundert Teilnehmern ausgebuht.

Zu den Protesten sagte Hauk: "Ich habe den Eindruck, dass sich die Landwirte derzeit in einer schlechten Grundstimmung befinden, weil sie für viele Dinge verantwortlich gemacht werden." In aktuellen Debatten werde ihnen vorgeworfen, dass sie "Brunnenvergifter" seien oder "Pestizide wahllos ausstreuen". Dabei handelten sie nach Recht und Gesetz, so Hauk.

50 Traktoren auf dem Münsterplatz

Auf dem Münsterplatz in Freiburg demonstrierten am Nachmittag hunderte Menschen, darunter viele Landwirte aus der Region mit Traktoren und Transparenten. Ihre Kritik richtete sich auch gegen das Bienen-Volksbegehren. "Es geht an unsere Existenz", so ein Teilnehmer.

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Die Landwirte kritisieren das neue sogenannte Agrarpaket der Bundesregierung. Das sieht unter anderem verschärfte Düngeregeln vor. Außerdem soll es mehr Geld für Umwelt- und Klimaschutz geben, ein Tierschutzlabel und ein Aktionsprogramm für den Insektenschutz. Auch über das Mercosur-Freihandelsabkommen der EU ärgern sich die Bauern. Sie fühlen sich an den Pranger gestellt und fordern von der Politik, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Den Verbraucher werfen die Bauern vor, zwar viel Umweltschutz zu fordern, aber umweltgerecht erzeugte Lebensmittel nicht bezahlen zu wollen.

NABU: Nicht nur jammern, sondern handeln

Der Naturschutzbund Baden-Württemberg (NABU) äußerte gegenüber dem SWR wenig Verständnis für die Demonstrationen der Landwirte. Die Bauern sollten vielmehr mit der Zeit gehen, so der Vorsitzender des NABU-Landesverbandes Baden-Württemberg Johannes Enssle. Der Großteil der Bauern, die demonstrierten, seien dafür, dass sich nichts ändere. "Das System ist einfach krank, wir haben ein massives Artensterben und gleichzeitig auch ein Sterben von vielen Bauernhöfen und ich würde mir von den Bauern wünschen, dass sie nicht nur jammern, sondern dass sie selber Teil des Wandels werden, den wir ganz dringend brauchen", so Enssle.

Junge Landwirte sehen ihre Zukunft bedroht

Die Proteste, die in ganz Deutschland stattfanden, hatten unterschiedliche Schwerpunkte. Bei der zentralen Kundgebung in Bonn zählte die Polizei über tausend Traktoren. Nicht der Bauernverband hatte die Demonstrationen organisiert, sondern viele - vor allem junge - Landwirte, in sozialen Netzwerken, per Whatsapp. Die Landwirte sehen die Existenz der Familienbetriebe bedroht.

BW-Landwirte gehen auf die Straße Traktoren-Proteste in Freiburg und Stuttgart

Blick von oben: Traktoren während der Sternfahrt in der Stuttgarter Innenstadt  (Foto: SWR)
An der Demonstrationsfahrt mit Traktoren durch Stuttgart beteiligten sich deutlich mehr Landwirte als erwartet. Bild in Detailansicht öffnen
Ein ungewöhnliches Bild: Traktoren auf der als Partymeile bekannten Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart. Bild in Detailansicht öffnen
Nach Angaben der Veranstalter waren um die 800 bis 1.000 Traktoren und Lkws in der Landeshauptstadt unterwegs. Bild in Detailansicht öffnen
Auf Plakaten forderten die Landwirte unter anderem die Verbraucher auf, regional einzukaufen. Bild in Detailansicht öffnen
Am Nachmittag versammelten sich die Landwirte auf dem Stuttgarter Kernerplatz. Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Kundgebung forderten die Bauern die Politik dazu auf, mit ihnen gemeinsam neue Agrargesetze zu erarbeiten. Bild in Detailansicht öffnen
Mehr als 50 Traktoren fuhren zum Protest am Freiburger Münster auf. Christian Friedl Bild in Detailansicht öffnen
"Wir sind nicht für die Fehler der Gesellschaft verantwortlich", so die Landwirte. Christian Friedl Bild in Detailansicht öffnen

Auch Demonstrationen in Frankreich

An der deutsch-französischen Grenze richteten sich die Proteste gegen die Pläne der EU für eine neue, ökologische Agrarpolitik. In Kehl machte sich am Morgen ein Protestzug aus einem breiten Bündnis aus Landwirten, Umweltschützern und Bürgern auf den Weg, darunter auch Biobauern und Verbraucherschützer. Sie zogen gemeinsam mit französischen Demonstranten zum EU-Parlament nach Straßburg, um dort eine Agrarwende in der EU-Politik zu fordern.

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