Ein Mädchen bei seiner Einschulungsfeier. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Ulrich Baumgarten)

Datenschutz bei Schulveranstaltungen Fotos in der Schule: So machen es Lehrer und Eltern richtig

Erster Schultag auf Instagram und Co: Oft landen Fotos aus der Schule zu schnell im Internet, warnt der Datenschutzbeauftragte des Landes. Lehrer und Eltern müssten ein paar Dinge beachten.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Der Datenschutzbeauftragte für Baden-Württemberg, Stefan Brink, warnt davor, Fotos von Einschulungsfeiern und sonstigen Schulveranstaltungen unüberlegt ins Netz zu stellen. "Viele der Betroffenen sind damit nicht einverstanden - die beschweren sich bei uns", mahnt Brink. Andere Kinder, die mit im Bild sind, dürften auf den Fotos nicht klar zu erkennen sein. "Ich darf sie zwar grundsätzlich fotografieren, ich darf solche Bilder aber auf keinen Fall ins Netz laden", so Brink.

Stefan Brink - Datenschutzbeauftragter BW (Foto: SWR, SWR)
Datenschutzbeauftragter Stefan Brink: "Ich darf jeden fotografieren - so lange ich die Fotos für mich behalte." SWR

Brink: Foto-Verbot ist nicht nötig

Nach wie vor herrscht beim Thema Datenschutz großer Aufklärungsbedarf. Vor allem an Schulen führe der Umgang mit Daten zu großen Unsicherheiten, erklärt Brink. Das Problem sei, dass seit der Einführung der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 noch immer viele Fehlinformationen kursierten. "Das Ergebnis ist meistens nicht gut", so Brink. Aus Verunsicherung ein generelles Foto-Verbot bei Schulveranstaltungen auszusprechen, sei der falsche Weg.

"Wir haben eine ganz schöne Tradition was Schulfotos angeht. Das jetzt zu verbieten, ist schade."

Stefan Brink, Landesdatenschutzbeauftragter für Baden-Württemberg

Das sei auch gar nicht nötig: "Wenn ich Fotos für den persönlichen und familiären Gebrauch mache, ist das unbeschränkt möglich. Da darf ich jeden fotografieren - so lange ich die Fotos für mich behalte." Erst bei der Verbreitung gebe es Grenzen.

Schulen müssen Eltern aufklären

Der Landesdatenschutzbeauftragte rät daher allen Schulleitern, die Eltern über die Rechtslage zu informieren. Etwa durch einen Hinweis zu Beginn einer Veranstaltung. Für Schulleiter Peter Jock von der Hardtschule in Karlsruhe ist das eine praktikable Lösung. Er macht vor Schulveranstaltungen schon bei der Begrüßung darauf aufmerksam, dass Foto- und Videoaufnahmen nur für den privaten Gebrauch erstellt werden dürfen.

"Es gibt Menschen, die völlig unreflektiert Dinge online stellen und deswegen denke ich, wir müssen darauf aufmerksam machen."

Peter Jock, Schulleiter in Karlsruhe

Abhalten kann man die Eltern laut Jock nicht davon, Fotos von ihren Kindern zu machen. "Wir können es zu einem gewissen Grad ja auch verstehen, dass es den Menschen sehr wichtig ist, von ihrem eigenen Kind einen bleibenden Eindruck zu haben von diesem Tag." Deswegen wolle die Schule nicht zu restriktiv sein und das fotografieren nicht ganz verbieten, so Jock.

Fürsorgepflicht kann Verbot rechtfertigen

Wenn sich alle an die Datenschutz-Hinweise halten, gebe es für ein Verbot auch keinen Anlass, meint Datenschutzexperte Brink. Nur wenn das nicht fruchte und trotzdem Bilder ohne Einwilligung im Netz landeten, gebe es eine Fürsorgepflicht der Schulleitung, das Fotografieren zu unterbinden. Prinzipiell haben Schulen auf dem Schulgelände das Hausrecht und können davon auch Gebrauch machen. "In den meisten Fällen reicht aber eigentlich eine einfache Information, um das Problem von rechtlicher Seite her zu lösen", so Brink.

Auch das eigene Kind hat Rechte

Auch Stefan Brink hat Verständnis für die Eltern. Beim Posten von Fotos dürften aber die Rechte des eigenen Kindes nicht verletzt werden. "Denkt mal nach, ob euer Kind in 10 oder 15 Jahren möchte, dass solche Bilder von ihm im Netz sind. Da wäre ich ein bisschen vorsichtig", sagt Brink. "Wenn man das Kind in peinlichen Situationen zeigt oder vorführt, da sind Grenzen erreicht, die auch Eltern nicht überschreiten sollten." Ansonsten rät Brink allen Angehörigen, die Fotos im Internet veröffentlichen wollen, die Einverständnis abzuklären: "Redet mit den anderen Eltern".

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