Das Holzschild Luftkurort Eisenbach am Ortseingang (Foto: SWR)

Wie spürbar ist der Abschwung? Das Jobwunder von Eisenbach - Schwarzwaldgemeinde profitiert von guter Wirtschaftsstruktur

AUTOR/IN

Eisenbach ist ein Phänomen: 2.150 Einwohner und fast 1.750 Arbeitsplätze, weit über 90 Prozent im produzierenden Gewerbe. Das liege an den Schwarzwälder Tüftlern, hört man dort.

Dauer

Von der Bundesstraße bei Titisee-Neustadt aus geht es in vielen Kurven hinauf durch den Wald. Das Mobilfunknetz flackert, dann öffnet sich ein Blick bis zu den Alpen. Davor fallen die ersten Fabrikgebäude ins Auge.

Eisenbach ist bei jungen Fachkräften beliebt

Kurz hinter dem Schild Luftkurort Eisenbach liegt die Franz Morat Gruppe. Hier arbeitet der 28-jährige Maschinenbauingenieur Bastian Gloeden.

Dauer

Aus München und Stuttgart, auch in einem großen Konzern, hat es ihn wieder nach Eisenbach zurückgezogen, erzählt er. Zu den Zahnrädern, wo er als Azubi angefangen hat und heute an neuen Entwicklungen sitzt. Weil die Arbeit so vielfältig sei und jungen Mitarbeitern besonders viel zugetraut werde.

„Vertrauen heißt auch Verantwortung und Verantwortung heißt auch mal schwitzen, weil es auch mal sehr heiß hergehen kann. Aber das ist gerade die Herausforderung, die man sucht.“

Bastian Gloeden, Franz Morat Group

Durch breite Aufstellung für Krisen gewappnet

Die Franz Morat Gruppe peilt für dieses Jahr 100 Millionen Euro Umsatz an. Mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Etwa ein Viertel mache traditionell die Autoindustrie aus, erklärt Geschäftsführer Gökhan Balkis.

Aber es gebe viel mehr: Von der konjunkturunabhängigen Reha-Geräte-Technik, Beispiel Treppenlift, über die Automatisierung bis zum dritten und jüngsten Bereich, dem E-Motive Bereich, speziell mit Elektrofahrrädern, sagt Balkis. Da gehöre die Gruppe zu den Herstellern von Verzahnungskomponenten für die Hersteller der meisten Elektrofahrräder, die in Deutschland und Europa verkauft würden.

„Wenn sich diese Märkte so entwickeln, wie wir es geplant haben, gehen wir davon aus, dass wir trotz Krisenansätzen noch weiter wachsen können.“

Gökhan Balkis, Geschäftsführer Franz Morat Group
Stammsitz der Franz Morat Gruppe in Eisenbach (Hochschwarzwald) (Foto: Pressestelle, Franz Morat Group)
Die Franz Morat Group sucht weiter Mitarbeiter. Rund 670 sind es weltweit, 570 davon am Stammsitz Eisenbach. Pressestelle Franz Morat Group

Neue Mitarbeiter gesucht

Deswegen sucht die Gruppe auch weiter neue Mitarbeiter. Rund 570 sind es im Moment am Stammsitz in Eisenbach. Der Standort hat für Gökhan Balkis trotz Nachteilen, wie beim Mobilfunknetz, entscheidende Vorteile.

Dauer

Als besonders wichtigen Punkt nennt Balkis auch, dass die Firma in der Gegend handwerklich besonders geschickte und gute Fachkräfte finde. Viele Mitarbeiter kämen aus der Umgebung – und auch im Internetzeitalter über Mundpropaganda, etwa in Vereinen, in denen die Mitarbeiter aktiv seien.

„Das ist ein wichtiger und erfolgreicher Weg, aber auch gefährlich: Wenn man als Arbeitgeber nicht ganz so gute Arbeit leistet, spricht sich das genauso schnell herum. Aber das ist uns in den letzten Jahren gelungen, dass wir uns hier als guter Arbeitgeber etablieren konnten.“

Gökhan Balkis, Geschäftsführer Franz Morat Group

Traditionsunternehmen finden in Vereinen Nachwuchs

Ganz ähnlich macht es Juniorchef David Duttlinger bei der Firma August Weckermann, ein Stück weiter im Tal. Studienkollegen aus Karlsruhe konnte der 33-Jährige nicht herlocken – bei der Vereinsarbeit im Ort stößt er dagegen auf offene Ohren, auch beim Thema Ausbildung. Seit sieben Jahren hat ihn der Vater Karl Josef Duttlinger jetzt dabei und ist damit hoch zufrieden. Sein Sohn und die jungen Mitarbeiter, die er anwerbe, brächten neue Ideen.

Karl Josef Duttlinger und Sohn David Duttlinger leiten das Familienunternehmen August Weckermann KG gemeinsam (Foto: SWR, Katharina Fortenbacher-Jahn)
Die ideale Kombination nennt Karl Josef Duttlinger die Zusammenarbeit mit seinem Sohn David. Katharina Fortenbacher-Jahn

„Wenn das so gut läuft wie bei uns, wenn die jungen Leute auch noch die Erfahrung der Älteren wertschätzen, dann hat man die ideale Kombination und die Sicherheit, dass das Unternehmen weiter florieren und am Markt bestehen kann.“

Karl Josef Duttlinger, August Weckermann KG

In der Nische auch für schwächere Zeiten aufgestellt

Der Seniorchef hat Ende der 1980er Jahre das Alleinstellungsmerkmal Diamantieren auf den Markt gebracht. Diamantwerkzeuge polieren Teile auf Hochglanz für Unternehmen wie Hans Grohe oder Montblanc – eine Nische für Luxusgüter.

33,5 Millionen Euro Umsatz macht die Firma mit gut 170 Mitarbeitern – und mit großer Ruhe. Kurzarbeit, gar Entlassungen, sind seit Jahrzehnten kein Thema. Für etwas schwächere Zeiten – aber auch dafür, wenn es wieder brumme – müsse man eben gerüstet sein, sagt Juniorchef David Duttlinger.

Juniorchef David Duttlinger zeigt in der Produktion eine Handbrause vor und nach dem Diamantieren (Foto: SWR, Katharina Fortenbacher-Jahn)
In der Produktionshalle zeigt Juniorchef David Duttlinger wie das hauseigenene Polierverfahren "Diamantieren" eine vorher matte Handbrause zum Glänzen bringt. Katharina Fortenbacher-Jahn

„Wir haben immer versucht, die letzten Jahre, eine Rücklage zu haben, um da, wo wir noch Potential oder Schwachstellen haben, investieren zu können, und uns für die Zukunft noch besser aufzustellen.“ 

David Duttlinger, August Weckermann KG

Unternehmer bleiben dem Standort treu

David Duttlinger hat die Warenbewegungen digital vernetzt, eine eigene App entwickelt und viel automatisiert. Außerdem ist schon ein Grundstück für einen zweiten Standort reserviert – in Eisenbach. 

„Wir kommen aus Eisenbach, hier sind unsere Wurzeln, hier liegt unsere Zukunft, hier haben sich unsere Stärken entwickelt und hier können wir sie weiter entwickeln.“

David Duttlinger, August Weckermann KG

Gemeinde erweitert Gewerbegebiet

Das freut Bürgermeister Alexander Kuckes, der im Rathaus, ein Stück den Berg hinauf, über Grundstücksplänen sitzt. Das vor wenigen Jahren ausgewiesene Gewerbegebiet ist schon zu klein.

Die Gemeinde Eisenbach von oben gesehen (Foto: Google Maps)
Viele nennen Eisenbach auch "Gear Valley" –Tal der Zahnräder. Wo früher in Bauernhöfen Uhren gebaut wurden, drängen sich heute Firmengebäude auf Anhöhen, zwischen Wälder und Bachläufe. Google Maps

Unsere Betriebe werden mehr Platz brauchen, sagt Kuckes. Deswegen weise die Gemeinde jetzt zusätzliche Gewerbeflächen aus, auch wenn sie sich auf etwas sinkende Gewerbesteuereinnahmen einstelle. Die Unternehmen hätten in teils über 150 Jahren Geschichte schon so manches Mal gezeigt, wie man Krisen überwindet. Auch deswegen ist Alexander Kuckes alles andere als pessimistisch.

Dauer

„Wir haben Tüftler im Ort, wir haben sehr kreative Köpfe, und deshalb sage ich, die Grundentwicklung ist prosperierend.“

Alexander Kuckes, Bürgermeister von Eisenbach (Hochschwarzwald)
AUTOR/IN
STAND