Teilnehmer des "Kippa Tag Hamburg" tragen Kippot. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Daniel Bockwoldt)

Antisemitismusbeauftragter zu Kippa-Debatte Blume: "In BW gibt es keine No-go-Areas"

Nach den Äußerungen von Felix Klein zu Sicherheitsrisiken für Juden hat der baden-württembergische Antisemitismus-Beauftragte betont, dass Juden hier im Land weiterhin die Kippa uneingeschränkt tragen können.

Geht es nach Michael Blume, Antisemitismus-Beauftragter der baden-württembergischen Landesregierung, muss es in Baden-Württemberg weiterhin möglich sein die Kippa, das Kopftuch oder das Kreuz frei zu tragen. Seine Antwort auf die Frage, ob er Juden im Land davon abraten würde eine Kippa zu tragen lautet: "Nein. Wir haben in Baden-Württemberg noch keine No-go-Areas und dabei soll es auch bleiben."

Michael Blume (Foto: SWR)
Michael Blume, Antisemitismus-Beauftragter der Landesregierung

Klein warnt Juden vor Tragen der Kippa

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte zuvor Juden davor gewarnt, überall in Deutschland die Kippa zu tragen. "Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen", sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er habe seine Meinung "im Vergleich zu früher leider geändert". Er begründete das mit der "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung", die einen fatalen Nährboden für Antisemitismus darstelle.

Gleichzeitig forderte Klein Schulungen für Polizisten und andere Beamte im Umgang mit Antisemitismus. "Es gibt viel Unsicherheit bei Polizisten und bei Behördenmitarbeitern im Umgang mit Antisemitismus." Das Thema gehöre auch in die Ausbildung der Lehrer und Juristen.

Blume: "Wir müssen Zivilcourage zeigen"

Blume sagte zu Kleins Äußerungen, es sei ihm damit gelungen auf das Thema aufmerksam zu machen. "Wir haben das Problem: steigender Rassismus, steigender Antisemitismus - vor allem aus dem Internet. Ich werte das als Hilferuf." Laut Blume könnten Maßnahmen, wie spezielle Medienangebote und Zivilcourage diesen Entwicklungen gegensteuern. Es brauche Nachrichtenangebote in Arabisch, Türkisch, Russisch oder Polnisch, so Blume.

Der baden-württembergische Antisemitismus-Beauftragte betont auch, dass "wir Zivilcourage zeigen müssen." So seien einige Gemeinden und Kommunen in Baden-Württemberg nicht konsequent gegen rechtsextreme Wahlplakate vorgegangen. "Solche Plakate darf man nicht hängen lassen," sagte Blume.

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