Ein ICE fährt an einer Baustelle an einem Sandhaufen vorbei, im Vordergrund ist rot-weißes Absperrband zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bummelbahn statt Schnellzug Bahn-Pendler auf der ICE-Strecke Mannheim–Stuttgart werden ausgebremst

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Ab April 2020 wird die ICE-Schnellstrecke von Mannheim nach Stuttgart wegen Bauarbeiten für ein halbes Jahr gesperrt. Dann dauert die Fahrt zwei bis drei Mal so lange.

Die Fahrzeit von Mannheim nach Stuttgart wird während der Arbeiten nicht mehr wie bisher 36 Minuten für die 130 Kilometer dauern, sondern mindestens eine Stunde und 20 Minuten. Außerdem wird es weniger Züge geben. Zu den Pendelzeiten morgens zwischen 6 und 9 Uhr und abends zwischen 17 und 20 Uhr wirkt sich das weniger stark aus. Es wird in etwa nur jeweils ein Zug weniger als bisher eingesetzt. Über den Tag gesehen werden an Werktagen insgesamt aber etwa ein Fünftel weniger Züge von Mannheim nach Stuttgart fahren – 28 statt 36.

Bauarbeiten haben Auswirkungen auf gesamten Bahnverkehr in Deutschland

Außerdem müssen Bahnreisende Umwege in Kauf nehmen – ab Mannheim fahren die Züge etwa über Schwetzingen, Bruchsal, Mühlacker, Vaihingen/Enz und Ludwigsburg. Die zeitliche Verzögerung hat Auswirkungen auf den gesamtdeutschen Fahrplan der Bahn. Sämtliche Verbindungen, die von München oder Ulm in Richtung Frankfurt, Hamburg, Berlin oder Köln führen, sind betroffen.

Nur wer von Stuttgart nach Berlin fährt, verliert unter Umständen keine Zeit: Einmal am Tag fährt ein ICE von Stuttgart über Heilbronn und Würzburg ohne weiteren Halt in die Hauptstadt und zurück – in weniger als sechs Stunden.

Dauer

Kritik an ICE-Strecken-Erneuerung: Ältere Technik

Grund für die Bauarbeiten ist, dass die Bahn die knapp 30 Jahre alte Trasse grundsaniert. Allerdings können Pendler nicht gut auf das Auto ausweichen. Auf der A5 zwischen Bruchsal und dem Walldorfer Kreuz wird bis Mitte 2021 gebaut, auf der A6 bei Heilbronn zumindest noch teilweise.

Zudem rüstet die Bahn die Schnellfahrstrecke nicht mit der neuesten Sicherheitstechnik beziehungsweise dem neuen Zugsteuerungssystem aus, mit dessen Hilfe deutlich mehr Züge auf einer Strecke fahren könnten. Diese Technik muss voraussichtlich in einigen Jahren nachgerüstet werden.

Finanzielle Entschädigung für Pendler noch offen

Ob die Fahrkarten auf der betroffenen Strecke für die Bauzeit günstiger werden, ist unklar. Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, inwieweit man Pendlern entgegen kommen könne, werde noch geprüft.

Klar ist: Die Ticketpreise im Fernverkehr sollen zum Fahrplanwechsel dieses Jahr nicht teurer werden. Im Regionalverkehr steigen die Preise deutschlandweit durchschnittlich um 2,3 Prozent.

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