Hausaufgabenheft einer Schülerin, Unterrichtsausfall (Foto: picture-alliance / dpa)

Bildungsdebatte im baden-württembergischen Landtag Lehrermangel: Opposition wirft Grün-Schwarz Untätigkeit vor

Wegen Lehrermangels und Unterrichtsausfalls sind im Landtag die Meinungen aufeinandergeprallt. Anlass ist die von Elternvertretern an Gymnasien angekündigte Klage gegen das Land.

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Die Eltern seien stinksauer, erklärte Stefan Fulst-Blei von der SPD. Der bildungspolitische Sprecher der Fraktion beklagte bei der Landtagsdebatte am Donnerstag, dass über sieben Prozent des Unterrichts in der Region Stuttgart komplett ausfalle, 13 Prozent fände nicht wie geplant statt. Landesweit fiele insgesamt mehr Unterricht aus als im vorigen Schuljahr.

"Diese grün-schwarze Landesregierung macht sich schuldig, indem sie keine klaren Weichen für die Zukunft stellt."

Stefan Fulst-Blei, SPD-Bildungsexperte

Die Elternvertreter an Gymnasien wollen wegen des Unterrichtsausfalls gegen das Land klagen. Sie argumentieren, dass Schüler aus Baden-Württemberg in Konkurrenz zu jungen Menschen aus anderen Bundesländern wegen des hohen Unterrichtsausfalls geringere Zukunftschancen hätten.

Die SPD fordert jetzt unter anderem, die Reserve an Lehrern aufzustocken, die bei Krankheitsfällen aushelfen. Außerdem müssten mehr arbeitslose Lehrer eingestellt werden, schließlich stünden rund 2.000 auf der Straße.

Landesregierung: Es gibt zu wenig Bewerber

Arbeitslose Lehrer einstellen sei keine Lösung, erklärten dagegen Vertreter der grün-schwarzen Landesregierung. Denn unter den arbeitslosen Lehrkräften seien nicht die zu finden, die das Land dringend brauche, nämlich Lehrer für Mathe, Physik und andere naturwissenschaftliche Fächer.

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Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser sagte, es sei ein Problem, offene Lehrerstellen zu besetzen. Es gebe Lehrer, die nicht an eine Schule im ländlichen Raum wollten.

Die Landesregierung wehrt sich auch gegen den Vorwurf der Stellenstreichung. Es gebe nicht zu wenig Stellen, sondern zu wenig Bewerber, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Wilhelm Röhm. Deshalb seien 200 neue Studienplätze für Grundschullehrer geschaffen worden. Außerdem habe das Kultusministerium pensionierte Lehrkräfte reaktiviert.

Bildungsdebatte im Landtag am 11.10.2018 (Foto: SWR)
Beim Thema Unterrichtsausfall prallten im Landtag die Meinungen aufeinander

FDP: Verheerende sieben Jahre

FDP-Bildungsexperte Timm Kern bezichtigte vor allem die Grünen, für die Lage verantwortlich zu sein. Die verheerenden sieben Jahre grün geführter Bildungspolitik in Baden-Württemberg hätten diese Situation herbeigeführt. Kern forderte Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) auf, sich persönlich für eine ausreichende Unterrichtsversorgung einzusetzen.

Der AfD-Abgeordnete Rainer Balzer sagte, die SPD habe in Regierungsverantwortung den Lehrerbedarf kleingerechnet. Die Sozialdemokraten führten von 2011 bis 2016 in der grün-roten Landesregierung das Kultusministerium.

Gesamtelternbeirat: Massiver Unterrichtsausfall

Die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats in Stuttgart, Kathrin Grix, beklagte im SWR einen massiven Unterrichtsausfall. Bei einer Grippewelle oder der Schwangerschaft einer Lehrerin breche die gesamte Unterrichtsversorgung zusammen. Der Elternbeirat unterstützt die angekündigte Klage eines Gymnasiasten gegen das Land.

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