«Wegen Lehrermangel geschlossen» steht auf einem handgeschriebenen Plakat, das am Tor einer Schule hängt (Foto: picture-alliance / dpa, Fotograf: Hendrik Schmidt)

Bildungspolitik in Baden-Württemberg GEW drängt zu mehr Engagement gegen Lehrermangel

Zu große Klassen, zu wenige Lehrer - die Landesregierung muss nach Ansicht der Bildungsgewerkschaft deutlich mehr tun, um die Qualität des Unterrichts in Baden-Württemberg zu steigern.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, erinnerte am Mittwoch in Stuttgart daran, dass allein an den rund 2.400 Grundschulen etwa 500 Stellen unbesetzt geblieben seien. Insgesamt sind nach den Zahlen der GEW (Stand: Juli) rund 1.500 Stellen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen noch frei gewesen, weil keine Lehrer für die Stellen gewonnen werden konnten. "Das ist ein beträchtlicher Mangel", sagte Moritz. Lediglich an Gymnasien konnten alle Stellen vorzeitig besetzt werden.

Dauer

Vor dem Hintergrund des schlechteren Abschneidens baden-württembergischer Schüler in bundesweiten Vergleichsstudien hatte die grün-schwarze Landesregierung Reformen angekündigt. Die Umsetzung lasse aber bislang auf sich warten, stellte die Gewerkschaft fest. Grün-Schwarz sei nun aufgerufen, endlich seine "Hausaufgaben" zu machen.

Schuljahr beginnt am Montag

Am Montag beginnt für rund 1,5 Millionen Kinder das neue Schuljahr. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will am Donnerstag bekanntgeben, wie viele der etwa 5.500 zu besetzenden Stellen in den Schulen wirklich offen bleiben.

Eisenmann beklagte zuletzt ein gewisses "geografisches Beharrungsvermögen" von Junglehrern. Insbesondere seien Stellen für ländliche Grundschulen schwer zu besetzen. Eisenmann versucht etwa, den Mangel dadurch zu entschärfen, dass ausgebildete Gymnasiallehrer befristet und nach einer Zusatzqualifikation an Grundschulen aushelfen.

Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin von Baden-Württemberg (Foto: picture-alliance / dpa, Sebastian Gollnow)
Will an Grundschulen befristet Gymnasiallehrer einsetzen: Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) (Archiv) Sebastian Gollnow

GEW sieht keine Verbesserung zum Vorjahr

Nach Einschätzung von Gewerkschaftschefin Moritz führt der Lehrermangel etwa an den Grundschulen dazu, dass Klassen mit mehr als 28 Schülern gebildet werden. Insgesamt sieht sie in keinem Schulbereich eine Verbesserung im Vergleich zur Situation vor einem Jahr, obwohl die grün-schwarze Landesregierung zahlreiche Gegenmaßnahmen angekündigt hatte.

Die GEW fordert unter anderem mehr Vertretungslehrer, die kurzfristig bei Ausfällen einspringen können, und mehr Studienplätze für künftige Lehrer.

"Es wird nichts getan, um auch in 10 bis 15 Jahren eine gute Unterrichtsversorgung sicherzustellen."

Doro Moritz (GEW Baden-Württemberg)

Moritz beklagte, es fehle beispielsweise nicht nur das seit langem angekündigte Konzept zur Stärkung von Schulleitungen. Auch über den angekündigten Umbau der Schulverwaltung wisse man noch nicht viel. Anfang 2019 sollen dafür das Institut für Bildungsanalysen und das Institut für Schulentwicklung und Lehrerbildung ihre Arbeit aufnehmen.

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