Erinnerung im Landtag an schwule und lesbische NS-Opfer Aras bei Gedenkrede: "Es gibt blinde Flecken"

Der Landtag von Baden-Württemberg hat am Freitagvormittag an schwule und lesbische NS-Opfer erinnert. Landtagspräsidentin Aras (Grüne) betonte in ihrer Rede, dass die Verbrechen nicht vollständig aufgearbeitet sind.

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Sendedatum
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18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

"Es gibt blinde Flecken und damit Bedarf für weitere Forschung", sagte Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) am Freitag bei ihrer Gedenkrede im baden-württembergischen Landtag.

Druck auf Homosexuelle in BW sehr stark

Schwule und Lesben hätten während der NS-Zeit ein wesentlich unfreieres Leben führen müssen als in der Weimarer Republik vor 1933. Besonders in Baden-Württemberg sei der Druck auf Homosexuelle in der Nachkriegszeit stark gewesen. Für die Verfolgung habe die Polizei V-Leute, sogenannte Vertrauensleute, eingesetzt.

Aras sagte, man müsse sich "mit den Mechanismen auseinandersetzen, die den Terror in der Nazi-Zeit und die Verfolgung in der Bundesrepublik befeuert haben". Diese Mechanismen seien Nährboden für Diskriminierung. "Nach wie vor gibt es Kräfte, die eine Wende um 180 Grad wollen", sagte sie mit Blick auf die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten.

"Wir erinnern uns an den Holocaust nicht, damit wir für unsere Erinnerungskultur bewundert werden", sagte Aras. Sondern man erinnere sich, um sich die Bedeutung von Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie vor Augen zu führen. Gerade Schulen müssten der Ort für die Auseinandersetzung sein. Wissen und Dialog seien die besten Mittel gegen Diskriminierung und Hass, so Aras.

Gedenken am Mahnmal

Vor der Rede von Aras gab es ein stilles Gedenken am Mahnmal der Opfer des Nationalsozialismus vor dem Alten Schloss in Stuttgart. Neben Aras haben im Rahmen der Gedenkstunde auch andere Personen im Landtag gesprochen. Darunter ein Vertreter der baden-württembergischen lesbisch-schwulen Community und der Stuttgarter Historiker Wolfram Pyta mit einem Vortrag zu den historischen Hintergründen der Verfolgung von Schwulen und Lesben durch das Naziregime.

Gedenktag der NS-Opfer im baden-württembergischen Landtag (Foto: dpa Bildfunk)
Gedenken am Mahnmal für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft

Zum Abschluss der Gedenstunde soll es Führungen in der neu eröffneten Erinnerungsstätte Hotel Silber, der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Stuttgart geben.

Internationaler Gedenktag für die NS-Opfer

Anlass für die Gedenkstunde ist der Internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der jedes Jahr am 27. Januar begangen wird. An diesem Tag wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit. In Deutschland wurde dieser Tag 1996 zum gesetzlich verankerten, bundesweiten Gedenktag, international erklärten ihn die Vereinten Nationen 2005 zum Gedenktag.

Sonderausstellung im Hotel Silber

Bereits seit Mittwoch ist im Hotel Silber eine Ausstellung zur Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus zu sehen. Die Ausstellung wurde vom Frauenarchiv "ausZeiten" und der "Rosa Strippe Bochum" konzipiert und basiert auf Ergebnissen der feministischen Forschung der letzten drei Jahrzehnte.

Am Sonntag (27. Januar) finden hierzu in Kooperation mit dem Haus der Geschichte und lesbisch-schwulen Vereinen und Verbänden thematische Führungen und Veranstaltungen im Stuttgarter Hotel Silber statt.

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