Baden-Württemberg, Karlsruhe: Studenten des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verfolgen in einem Hörsaal einen Vortrag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uli Deck/dpa)

Förderprogramm für Hochschulen Baden-württembergische Unis räumen bei Exzellenz-Wettbewerb ab

Baden-Württemberg ist der große Gewinner der Exzellenzuniversitäten. Statt wie bisher drei Unis sind es künftig vier Hochschulen, die millionenschwere Förderungen bekommen.

Die Universitäten in Tübingen, Konstanz und Heidelberg konnten ihre Exzellenz-Titel verteidigen. Rückkehrer in den Rang der Exzellenzuniversitäten ist das Karlsruher Institut für Technologie KIT. Die Universität Freiburg hingegen ging leer aus. Sie hatte ihren Titel vor sieben Jahren verloren und darf sich weiterhin genauso wenig "Exzellenzuniversität" nennen wie die Universität Stuttgart, die in diesem Jahr zum ersten Mal in der Endausscheidung dabei war.

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gratulierte den neuen "Elite-Unis". "Baden-Württemberg braucht starke Universitäten als Zentren in einem dichten Netz von Forschung und Innovation, Hochschulen und Unternehmen", sagte der Grünen-Politiker am Freitag in Stuttgart.

"Baden-Württemberg ist Wissenschaftsstandort Nummer eins"

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) ist nach eigenen Angaben stolz, diese Universitäten im Land zu haben: "Das ist ein grandioses Abschneiden unseres Landes, vier von elf ist einfach ein relevanter Anteil." Damit sei Baden-Württemberg Deutschlands Wissenschaftsstandort Nummer eins.

Auch die Arbeitgeberverbände freuen sich: "Das sehr gute Abschneiden Baden-Württembergs im Wettbewerb um die Exzellenzuniversitäten ist ein Meilenstein bei der nachhaltigen Stärkung unseres Innovations- und Wirtschaftsstandorts", sagte Stefan Küpper von den Arbeitgeberverbänden Baden-Württemberg.

Freude bei den Universitäten

"Mit diesem hart erkämpften Erfolg ist die Grundlage gelegt, um Tübingen dauerhaft in der kleinen Gruppe der weltweit besten Universitäten zu etablieren", sagte der Rektor der Universität in der Neckarstadt, Bernd Engler. Der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Holger Hanselka, sprach von einem "beachtlichen Imagegewinn". Das KIT wolle exzellente Wissenschaftler sowie Studierende gewinnen und Kooperationen stärken.

Nach der erneuten Auswahl freute sich der Rektor der Heidelberger Uni, Bernhard Eitel, über einen "großartigen und verdienten Erfolg". Heidelberg galt bei Kritikern als Wackelkandidat. Die Uniklinik war zuletzt wegen eines umstrittenen Bluttests zur Erkennung von Brustkrebs in die Schlagzeilen geraten. Die Rektorin der Universität Konstanz, Kerstin Krieglstein, sieht den Grund für den Erfolg der Hochschule am Bodensee nach eigenen Angaben in der Kultur der Kreativität und dem Miteinander.

Millionenschwere Förderung für Unis und Verbünde

Bund und Länder stellen für die Förderung der ausgewählten Universitäten jährlich rund 148 Millionen Euro zur Verfügung - 75 Prozent vom Bund, 25 Prozent vom jeweiligen Bundesland. Eine Uni kann dann jährlich mit rund 15 Millionen Euro für die Forschung rechnen - bei Universitätsverbünden können es bis zu 28 Millionen Euro sein. Der Titel wird im Abstand von sieben Jahren bundesweit elf Mal vergeben. Im Rennen waren in diesem Jahr insgesamt 17 Unis und zwei Verbünde mehrerer Hochschulen. Mit sechs Universitäten war Baden-Württemberg in der Endausscheidung so stark vertreten wie kein anderes Bundesland.

Zur Auswahlkommission gehörten neben internationalen Experten die für Bildung und Forschung zuständigen Minister aus Bund und Ländern. Mit dem Wettbewerb sollen die Universitäten im Spitzenbereich international sichtbarer werden. Neben den baden-württembergischen Exzellenzuniversitäten werden in den kommenden sieben Jahren auch die Rheinisch-Westfälische Technische Universität Aachen, die Technische Universität Dresden, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Universität Hamburg, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und ein Verbund aus der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin gefördert.

Studierende kritisieren Exzellenz-Programm als "sinnlosen Wettbewerb"

Im Vorfeld der Entscheidung hatten Studierende und die Gewerkschaft für Erziehung und Bildung (GEW) den Exzellenz-Wettbewerb kritisiert. Die ausgezeichneten Universitäten würden sich zwar über die zusätzlichen Mittel und den Titel freuen, viele andere jedoch würden leer ausgehen, warnten die Studierendenvertretungen aus Freiburg, Heidelberg und Tübingen. Es sei Zeit, diesem "sinnlosen Wettbewerb" ein Ende zu setzen.

Der Vize-Vorsitzende der GEW, Andreas Keller, kritisierte die Kurzlebigkeit des Exzellenz-Programms. Da die Titel schon nach sieben Jahren neu vergeben werden, bestehe das Risiko, dass Projekte wegfallen oder der Exzellenz-Status ganz entzogen wird. "Dieses Risiko geben die Unis eins zu eins an ihre Beschäftigten weiter", sagte Keller. Er forderte, die Grundfinanzierung der Hochschulen zu verbessern.

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