Mit einem Schallpegelmesser wird an einer Straße die Lärmbelastung gemessen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Arno Burgi/dpa)

#zuLAUT in Baden-Württemberg Straßenverkehrslärm gefährdet Gesundheit von 240.000 Menschen

Hunderttausende Baden-Württemberger leiden unter nächtlichem Straßenverkehrslärm. Sind Sie auch betroffen? Machen Sie mit bei der SWR-Aktion "Hier ist es #zuLAUT".

243.100 Menschen im Land leiden unter nächtlichem Straßenlärm von mehr als 55 Dezibel. Das geht aus neuesten Angaben des Umweltbundesamts hervor. Lärm kann nicht nur Stress, sondern auch Schlafstörungen und Herzkreislaufkrankheiten auslösen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft nächtlichen Straßenlärm von mehr als 45 Dezibel als gesundheitsgefährdend ein und empfiehlt einen entsprechenden Grenzwert.

Es gibt keinen festen Grenzwert

Denn für bestehende Straßen gibt es keinen Grenzwert. Wenn ein sogenannter Auslösewert überschritten wird, kann eine Lärmsanierung durchgeführt werden. Der Bund stellt für die Lärmsanierung an Bundesautobahnen und Bundesstraßen jährlich rund 65 Millionen Euro zur Verfügung. Zwischen 1978 und 2015 waren das insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Diese Leistung ist freiwillig und damit abhängig von der Haushaltslage. Das Umweltbundesamt fordert einen gesetzlichen Anspruch auf Lärmsanierung.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

BW-Lärmschutzbeauftragter fordert mehr Geld vom Bund

Dies will auch der Lärmschutzbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Thomas Marwein (Grüne), schon seit langem erreichen. Am Mittwoch forderte er erneut, dass alle Straßen- und Schienentrassen einen wirksamen Lärmschutz bekommen. Das gelte sowohl für Neubauten als auch für vorhandene Strecken. "Anspruch auf Lärmschutz haben alle Teile der Bevölkerung", sagte er. Aber um das zu verwirklichen, müsse vor allem der Bund mehr Geld für Lärmschutzmaßnahmen zur Verfügung stellen. "Die größten Strecken sind eben die Autobahnen, wo das Problem am größten ist", so Marwein. Hier müssten Milliarden investiert werden, sagte Marwein. Und zusätzlich bräuchte es eine Verkehrswende.

Eine Lärmschutzwand wird an einer Autobahn durch eine Stadt aufgebaut (Foto: Imago, imago stock&people)
Wenn nur noch Lärmschutzwände helfen ... Imago imago stock&people

Die Auslösewerte betragen an Krankenhäusern, Schulen, Kurheimen, Altenheimen, in reinen und allgemeinen Wohngebieten sowie Kleinsiedlungsgebieten

  • tags: 67 dB(A)
  • nachts: 57 dB(A)

in Kerngebieten, Dorfgebieten, Mischgebieten

  • tags: 69 dB(A)
  • nachts: 59 dB(A)

Trotz Lärmsanierung sind in Baden-Württemberg 76.300 Menschen einem Straßenverkehrslärm ausgesetzt, der nachts 60 Dezibel übersteigt, und 63.000 Personen tagsüber einem Straßenverkehrslärm von mehr als 70 Dezibel.

SWR-Mitmachaktion "Hier ist es #zuLAUT"

Der SWR ruft dazu auf, besonders laute Straßen zu melden: Zuschauer, Hörer und User können ab dem 24. April unter SWR.de/zulaut die Ergebnisse eigener Messungen, beispielsweise mit dafür geeigneten Apps, angeben und Videos von der Verkehrssituation hochladen. Die Messwerte, Kommentare und Videoclips wird SWR Online dann auf einer interaktiven Karte vom Südwesten ebenfalls auf SWR.de/zulaut veröffentlichen.

Wo es besonders laut ist, wollen SWR-Reporter mit professionellen Schallpegelmessgeräten zwei Wochen lang vor Ort messen ist. Auch diese Ergebnisse werden dann auf SWR.de/zulaut publiziert.

Bis 30. Oktober will der SWR über die Hintergründe und das Ringen der Betroffenen um mehr Lärmschutz berichten.

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