Abby, die Hauptfigur des Computerspiels "A Juggler's Tale" läuft in ihrer Welt herum.  (Foto: Pressestelle, A Juggler's Tale)

Baden-Württemberg bei der Gamescom Neues Testament und Marionetten an weißen Fäden

AUTOR/IN

Hunderttausende Besucher sind auch in diesem Jahr nach Köln gereist, um auf der Gamescom die neusten Spieletrends auszukosten. Auch aus dem Südwesten gibt es einige Highlights.

Ein Mädchen namens Abby ist die Hauptfigur im Computerspiel "A Juggler's Tale". Sie ist eine Zirkusartistin, die aus ihrem Wanderzirkus entkommen kann und sich anschließend in einer märchenhaften Welt wiederfindet. Auffallend dabei ist: Abby ist wie alle Charaktere in dem Spiel eine Marionette, denn an allen Figuren hängen weiße Seile. Das Spiel ist ein sogenannter Sidescroller, also ein Spiel, bei dem man nach rechts oder links gehen kann. Steffen Oberle, einer der Köpfe hinter dem Spiel, sagt, die Geschichte finde in einem Theatersetting statt. Man spiele sozusagen eine Art Puppentheater.

Die Hauptfigur Abby des Spiels "A Juggler's Tale" läuft im Freien.  (Foto: Pressestelle, A Juggler's Tale)
Als Abby entdecken die Spieler bei "A Juggler's Tale" eine theaterhafte Welt. Alle Figuren hängen an weißen Fäden. Pressestelle A Juggler's Tale

Ort der Schöpfung ist die Filmakademie Ludwigsburg

Seit Jahren bildet die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg neben Filmemachern auch Spieleentwickler aus. Steffen Oberle, Enzio Probst und Dominik Schön arbeiten aktuell noch an der Entwicklung von "A Juggler's Tale". Kennengelernt haben sich die drei während des Studiums an der Filmakademie. Steffen Oberle und Enzio Probst studieren Animation, Dominik Schön hat sich für den Studiengang Interaktive Medien entschieden. Nach dem sechsten Semester haben sich die Kommilitonen ein Urlaubsjahr genommen, um das Spiel zu entwickeln und eine Firma zu gründen. Aktuell läuft die Entwicklung parallel zum Studium.

Am baden-württembergischen Spiele-Stand steht eine Gruppe von Menschen. Im Vordergrund ist eine Karte des Bundeslandet mit Punkten, die die Herkunft der Spieleentwickler zeigen soll.  (Foto: SWR, Tobias Frey)
Am baden-württembergischen Stand auf der Gamescom ist unter anderen auch der Stand von "A Juggler's Tale". Neben Computer- oder Konsolespielen kommen aus Baden-Württemberg auch viele Mobile-Games für das Smartphone. Tobias Frey

Spieleentwicklung – ein arbeitsintensiver Spaß

Neben der Story, der Grafik und den Animationen müssen auch die Hintergrundgeräusche und die Gespräche aufgenommen werden. Für letzteres kommen professionelle Sprecher zum Einsatz. Ganz generell ist die Produktion sehr aufwendig. Seit knapp einem Jahr arbeiten die Macher von "A Juggler's Tale" schon an ihrem Abenteuerspiel. Viel Wert wird dabei auf ein intensives Story-Erlebnis gelegt. Der Spieler soll richtig eintauchen können in die märchenhafte Spielewelt und mit der Hauptfigur mitfiebern. Abby muss unter anderem über gefährliche Bären springen, durch matschige Waldgebiete streifen oder über hügelige Berglandschaften klettern. Steffen Oberle sagt, das Spiel sei, ähnlich wie ein Theaterstück, in fünf Akte aufgeteilt. Der Anfang und das Ende eines jeweiligen Aktes beginnen auf einer Bühne. Vor dort aus tauche man in die Geschichte, also in das Spiel, ein.

Ein Screenshot des Spiels: "A Juggler's Tale", wo man als Marionette durch eine theaterhafte Welt wandelt und Abenteuer besteht.  (Foto: Pressestelle, A Juggler’s Tale)
Als Marionette an weißen Fäden muss man als Abby durch eine theaterhafte Welt. Das Spiel ist dabei wie ein Theaterstück in fünf Akte eingeteilt. Pressestelle A Juggler’s Tale

Deutscher Computerspielpreis für "A Juggler’s Tale"

Die Spieleschmiede aus Ludwigsburg scheint auf einem guten Weg zu sein. Immerhin erhielt sie eine Auszeichnung bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises. Das Ludwigsburger Team wurde dort im April mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet. Dieser war mit 35.000 Euro dotiert. Auch von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gab es finanzielle Unterstützung. Geld, das die Entwickler gut gebrauchen können, sagt Dominik Schön. Er ist der Meinung, dass sich ein Spiel zwar grundsätzlich selbst finanzieren sollte. Allerding sei eine Förderung vor allem in der Anfangsphase sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Entwicklung.

Das Spiel soll voraussichtlich Ende nächsten Jahres für den Computer erscheinen. Anschließend möchten sich die drei Nachwuchs-Spielerfinder ihr Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg abschließen, um danach in der Computerspielbranche durchzustarten. "A Juggler's Tale" soll also nur der Anfang gewesen sein, sagt Steffen Oberle. Das Spiel sei auch ein Testlauf, um zu schauen, wie gut die Zusammenarbeit mit dem Team läuft. Bislang sehe es gut aus, sodass man in Zukunft wohl weitere Spiele vom Ludwigsburger Trio erwarten dürfte. Ebenfalls Ende nächsten Jahres wird ein weiteres Spiel aus dem Land veröffentlicht. Vom Puppentheater aus Ludwigsburg geht es jetzt mitten ins Neue Testament und nach Stuttgart. Dort wird nämlich gerade ein weiteres Spiel entwickelt, das den Spieler in die biblische Zeit zurückversetzen soll.

Die Bibel zum Zocken: "One of 500"

Das Jahr 26 nach Christus: Im Dorf Kapernaum am See Genezareth steht der Fischerjunge Benjamin an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Das Computerspiel "One of 500" nimmt den Spieler mit auf eine Reise in die Zeit Jesu und lässt ihn mit Geschichten aus dem Evangelium in Kontakt treten. Der Titel des Spiels ist an einen Bibelvers im ersten Korinther-Brief angelehnt: Dort ist die Rede von 500 Brüdern. Wie genau dieser Vers im Zusammenhang zum Computerspiel steht, muss der Spieler aber selbst herausfinden. Da wollen die Entwickler bislang noch nicht allzu viel verraten.

Das christliche Abenteuerspiel wird von der Spieleschmiede Lightword Productions in Stuttgart produziert. Firmengründer Amin Josua hat in Heidelberg Geschichte und Theologie studiert. Ursprünglich kommt er aus Oberweissach im Rems-Murr-Kreis. Während seiner Dissertation habe er in einem Unterrichtsprojekt Schüler gefragt, wie man Kirche für junge Menschen greifbar machen könnte. Eine Gruppe, so Josua, soll gesagt haben, sie würde sich nur dann mit biblischen Inhalten auseinandersetzen, wenn man sie zocken könnte. So entstand die Idee für das Spiel, das nun seit Oktober 2018 entwickelt wird. Das Spiel, so Josua weiter, sei eine Möglichkeit sich zum Einen mit biblischen Inhalten zu beschäftigen und zum Anderen die Bibel als solche zu verstehen. Damit will er vor allem ein jüngeres Publikum erreichen.

Amin Josua (31) kommt aus Oberweissach und hat in Heidelberg Theologie studiert. Er ist Gründer von Lightword Productions und Entwickler des Spiels "One of 500". (Foto: SWR, Tobias Frey)
Amin Josua (31 Jahre) kommt aus Oberweissach und hat in Heidelberg Theologie studiert. Er ist der Gründer von Lightword Productions und Entwickler des Spiels "One of 500". Tobias Frey

Jede Entscheidung hat andere Konsequenzen

Das Besondere an diesem Computerspiel ist, dass der Spieler immer wieder vor Entscheidungen gestellt wird: Soll er zum Beispiel Obst von einem Markstand klauen oder vielleicht doch erst mal mit dem Händler sprechen? Soll er die Römer unterstützen oder doch eher aufständische Bürger? Die Entscheidungen, die der Spieler trifft, haben Auswirkungen auf die Story. Zum Beispiel könnte der Diebstahl auf dem Marktplatz für einen Gefängnisaufenthalt sorgen. So soll der Spieler sein moralisches Handeln immer wieder reflektieren und spüren, welche Konsequenzen seine Entscheidungen haben können.

Bekehren oder missionieren will Amin Josua mit dem Computerspiel aber nicht. Der Firmenchef legt großen Wert darauf, dass „One of 500“ historisch und archäologisch korrekt ist. Deshalb wird mit Universitäten zusammengearbeitet, um zum Beispiel das Fischerdorf Kapernaum am See Genezareth detailgetreu nachzubauen.

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG