Kurden demonstrieren am Samstag (12.10.) in Mannheim (Foto: SWR, Andreas Fischer)

Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien Polizeieinsatz nach Kurden-Demo in Stuttgart

Kurdische Gruppen haben am Samstag in ganz Deutschland gegen die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien demonstriert. So auch in Mannheim. In Stuttgart wurden die Proteste am Abend von Ausschreitungen überschattet.

Dauer

Mehrere Polizisten seien durch Böller sowie Tritte und Schläge leicht verletzt worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart am Sonntag. Ein Beamter, der am Helm durch einen geworfenen Gegenstand - wahrscheinlich ein Stein - getroffen worden sei, musste den Angaben zufolge im Krankenhaus behandelt werden. Über mögliche Verletzte auf Seiten der Demonstranten hatte die Polizei keine Erkenntnisse.

Strobl verurteilt Gewaltanwendung

Innenminister Thomas Strobl (CDU) verurteilte die Gewaltanwendung. "Bei allem persönlichen Verständnis für die Lage der Kurden, sage ich klipp und klar: Der deutsche Rechtsstaat kann und wird es nicht zulassen, dass ausländische Konflikte auf unseren Straßen mit Gewalt und Aggression ausgetragen werden." Auch Straftaten, die im Zusammenhang mit Demonstrationen begangen werden, "werden konsequent verfolgt".

1.000 Demonstranten in Stuttgart

Weit über 1.000 Demonstranten hatten zuvor friedlich in der Stuttgarter Innenstadt demonstriert, bevor aus dem Demonstrationszug heraus laut Polizei immer wieder Böller in Richtung der Einsatzkräfte flogen. Mehrere Beamte klagten über Atemwegsreizungen. Der Versammlungsleiter beendete daraufhin die Veranstaltung gegen 17:30 Uhr. Im Anschluss bewegten sich nach Polizeiangaben mehrere Gruppierungen ehemaliger Versammlungsteilnehmer unkontrolliert und zum Teil vermummt durch die Innenstadt. "Auf das Auftreten der Einsatzkräfte reagierten sie äußerst aggressiv und bewarfen sie erneut mit Böllern", so die Polizei. Gegenüber dem SWR sprach die Polizei am Samstagabend von 130 vorläufigen Festnahmen, die Beamten setzten Pfefferspray ein.

Friedlicher Protest in Mannheim

In Mannheim haben nach Angaben der Polizei rund 900 Menschen friedlich an der Demonstration teilgenommen. Sie zogen vom Paradeplatz in der Innenstadt zum Mannheimer Schloss. Die Teilnehmer forderten ein sofortiges Ende der türkischen Offensive auf die nordsyrischen Kurdengebiete. In Sprechchören und auf Bannern nannten sie den türkischen Staatspräsidenten Erdogan einen Terroristen.

Dauer

UN warnt vor neuer humanitärer Krise

Am Mittwoch hatte die Türkei die Angriffe im Norden des Nachbarlands gestartet. Sie greift die Kurdenmiliz YPG an, die auf der syrischen Seite große Gebiete kontrolliert. Die türkische Regierung bezeichnet sie als Terrororganisation. Die Vereinten Nationen warnen vor einer neuen humanitären Krise. Etwa 100.000 Menschen seien bereits aus der umkämpften Region geflohen.

STAND