BW-Trend September 2019 Kommentar: Die Gefahren grünen Erfolgs

Wäre am Sonntag Landtagswahl, dann würden so viele Baden-Württemberger wie noch nie die Grünen wählen. Aber die Partei muss aufpassen, dass ihr der Erfolg nicht zu Kopf steigt, kommentiert Markus Pfalzgraf aus der Redaktion Landespolitik.

Markus Pfalzgraf, SWR-Redaktion Landespolitik (Foto: SWR)
Markus Pfalzgraf, SWR-Redaktion Landespolitik

Eigentlich wollten die Grünen und ihr Ministerpräsident auf dem Teppich bleiben, auch wenn er fliegt. Doch das dürfte schwer werden: Denn der Teppich fliegt inzwischen so hoch, dass es selbst manchen Grünen schon fast schwindelig wird. Damit dürfte Kretschmanns Rechnung erst einmal aufgehen: eine dritte Amtszeit anstreben und die eigene Popularität nutzen, um den Grünen zu einem weiteren historischen Wahlsieg zu verhelfen. Wohl in der Hoffnung, dass sie sich dann aus eigener Kraft dauerhaft als Volkspartei im Südwesten etablieren können.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Auch wenn die Grünen derzeit bundesweit gut da stehen, ist viel von dem Höhenflug hausgemacht in Baden-Württemberg.

In anderthalb Jahren kann viel passieren

Aber darin stecken mehrere Gefahren, nicht nur weil es noch anderthalb Jahre bis zur Landtagswahl sind. Anderthalb Jahre, in denen viel passieren kann. Und wenn die Fallhöhe so groß ist, könnte ein möglicher Aufprall umso schmerzhafter werden. Etwa dann, wenn es Kretschmann gelingen sollte, nach der nächsten Wahl weiter zu regieren, aber dann immer noch keine Nachfolgerin, kein Nachfolger in Sicht wäre.

Deshalb kann es trotz Popularität des Amtsinhabers gefährlich sein, den Wahlkampf wieder nur ganz auf ihn zuzuschneiden. Stattdessen, das hört man auch von Grünen, könnte es klüger sein, mit einem Team in den Wahlkampf zu ziehen. Vielleicht setzt ja bei den Leuten doch irgendwann Kretschmann-Müdigkeit ein. Davon kann zwar bei den jetzigen Umfragewerten keine Rede sein.

Aber es wird spannend, ob Kretschmann die Erwartungen beispielsweise in Sachen Klimaschutz erfüllen kann. Denn auch mit den Herausforderungen des Klimawandels in Umwelt und Gesellschaft hatte er seine Entscheidung begründet, noch einmal anzutreten.

Früher Wahlkampf würde das Regieren verhindern

Die Haupt-Konkurrentin Susanne Eisenmann (CDU) ist derzeit weit abgeschlagen, läuft sich aber langsam warm – obwohl sie als Kultusministerin direkt bei Kretschmann am Kabinettstisch sitzt. Das ist eine weitere Gefahr: dass eben doch schon viel zu früh der Wahlkampf ausbricht, jetzt, da Kandidat und Kandidatin von Grünen und CDU feststehen. Und dass die Regierungspartnerinnen darüber nicht mehr recht zum Regieren kommen.

Denn inzwischen könnten es die Christdemokraten fast mit der Angst zu tun bekommen: dass die Kretschmann-Grünen nach der SPD auch noch die CDU kleinregieren – um am Ende selbst als Volkspartei dazustehen, an der man nicht mehr vorbeikommt. Und dann dürfte es erst recht schwierig werden, auf dem Teppich zu bleiben.

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