Produktionshalle mit verschiedenen Arbeitsstationen (Foto: Colourbox, picture alliance / Christoph Schmidt/dpa)

Automobilproduktion im Wandel So sieht die Autofabrik der Zukunft aus

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Eine Autofabrik ohne Band und ohne Takt: Wie das funktionieren könnte, wird im Stuttgarter „Future Work Lab“ des Fraunhofer Instituts getestet.

Am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart hat im „Future Work Lab“ die Zukunft bereits begonnen. In einer 1.000 Quadratmeter großen Halle sind hier 40 moderne Produktionsstationen aufgebaut. An einer von ihnen können kleine Getriebe zusammengesetzt werden. Ein Beamer richtet seinen Lichtkegel exakt auf die Teile, die als nächstes verbaut werden müssen. Auf einem Monitor läuft ein Video, in dem die einzelnen Produktionsschritte genau erklärt werden. Durch diese Video-Unterstützung könne auch die Anlernzeit für solch einen Fabrik-Arbeitsplatz verkürzt werden, erklärt Simon Schumacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut.

„Exo-Skelette“erleichtern den Transport schwerer Lasten

Auch um Mitarbeiter bei schwerer körperlicher Arbeit zu unterstützen, sind bereits Lösungen entwickelt worden. Sogenannte Exo-Skelette werden am Körper getragen und unterstützen den Träger bei den Bewegungen, die er ausführt. Die Exo-Skelette bestehen aus Gurten, in die kleine Elektromotoren eingebaut sind. Das Gewicht einer Last, wie beispielsweise einer Autotür, kann so um fast die Hälfte reduziert werden.

Fabrikarbeiter hebt Autotür hoch (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Exo-Skelette unterstützen die Mitarbeiter beim Tragen schwerer Lasten. Picture Alliance

Mensch und Maschine arbeiten enger zusammen

Immer enger wird in der Autofabrik der Zukunft auch die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern. Noch stehen die Roboter in vielen Produktionshallen hinter dicken Plexiglasscheiben – aus Sicherheitsgründen, damit sie keinen Menschen verletzen. Doch das ändere sich langsam, sagt Simon Schumacher. Durch neue Leichtbautechnik und zahlreiche Sensoren seien Roboter inzwischen keine Gefahr mehr für den Menschen, dadurch sei eine Zusammenarbeit im gleichen Raum möglich. Eine erhebliche Erleichterung, denn Mensch und Maschine könnten sich ideal ergänzen: Der Roboter hebt schwere Lasten, der Mensch sorgt dafür, dass Bauteile millimetergenau eingepasst werden.

Produktionsinseln werden Fließbänder ersetzen

Insgesamt wird die Autofabrik der Zukunft ganz anders aussehen als heute, davon ist Petra Foith-Förster, die Leiterin des Applikationszentrums Industrie 4.0 am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung überzeugt. Statt starrer Fließbänder werde es immer mehr Produktionsinseln geben, die individuell zusammengestellt werden. Schließlich werde die Produktvielfalt in Zukunft weiter zunehmen. Käufer werden sich ihre individuellen Fahrzeuge zusammenstellen, das bedeute auch, dass die Produktionsprozesse komplexer werden, so Foith-Förster. Modulare Strukturen hätten den Vorteil, dass an einzelnen Stationen gearbeitet werden könne, ohne das gesamte andere System anzuhalten. So könne man im laufenden Betrieb Änderungen vornehmen, erklärt Foith-Förster.

Fabrikarbeiter montieren Fahrzeuge (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)
Fließbänder könnten bald der Vergangenheit angehören. picture alliance/Marijan Murat/dpa

Menschen bleiben unverzichtbar

Trotz des technischen Fortschritts: Auch in der Autofabrik der Zukunft werden noch Menschen aus Fleisch und Blut arbeiten. „Arbeitsprozesse werden nicht grundsätzlich verschwinden, die werden sich ändern“, prognostiziert Petra Foith-Förster. Viele Tätigkeiten, die ermüdend sind, könnten in der Zukunft von Robotern gemacht werden, in Kooperation mit den Mitarbeitern. Der Roboter werde den Menschen also nicht ersetzen, sondern ergänzen.

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